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Autoindustrie:Opel-Mutter Stellantis verbündet sich mit Foxconn

January 4, 2021, Taipei, Taiwan: A woman wearing a face mask seen working on her computer on top of Foxconn s logo duri

Foxconn-Logo in Taipeh, Taiwan. Das Unternehmen setzt neuerdings auf Deals mit Autoherstellern.

(Foto: Walid Berrazeg/Zuma/imago images)

Die mechanische, alte Welt trifft auf High-Tech: Mobile Drive, die neue, gemeinsame Firma des Autoherstellers und des iPhone-Fertigers, soll etwa vernetzte Autoarmaturen entwickeln.

Von Max Hägler und Leo Klimm, Paris/München

Das Heimbüro, aus dem sich Carlos Tavares zugeschaltet hat, wirkt sehr klassisch-bürgerlich. Hinter ihm sind alte Bücher mit Ledereinband zu erkennen und dicke Bildbände. Das Ganze gerahmt von viel Holz. Doch das Retro-Ambiente darf nicht täuschen - der Autoboss möchte hier über die Zukunft sprechen und über komplett vernetzte Fahrzeuge.

Damit sein Konzern, die Opel-Mutter Stellantis, technologisch Anschluss halten kann, verkündet Unternehmenschef Tavares am Dienstag von diesem Home-Office aus eine strategische Partnerschaft mit Foxconn. Das taiwanische Tech-Unternehmen war bisher vor allem als Fertiger von Apple-Smartphones bekannt. Nun bindet Tavares es zusätzlich in eine Gemeinschaftsfirma mit Stellantis ein. Der viertgrößte Autohersteller der Welt will auf diese Weise "die Software in den Mittelpunkt des Konzerns stellen". Erstes Projekt der gemeinsamen Firma namens Mobile Drive ist die Entwicklung von vernetzten Armaturen.

In der Autoindustrie geht es derzeit ein wenig so zu wie in Tavares' Heimbüro: Die alte, mechanische Welt trifft auf Hightech. Beide Branchen sind heute etwa gleich stark. Der Wert der Elektronikindustrie wird auf mehr als zwei Billionen US-Dollar geschätzt, der jährliche Umsatz der Autobranche liegt in derselben Größenordnung. In dieser Lage versuchen besonders deutsche Hersteller wie Volkswagen, BMW und Daimler bei aller Digitalisierung mit Milliardenaufwand die Hoheit über ihre Fahrzeuge zu behalten; wobei auch sie um Tech-Kooperationen nicht ganz herumkommen. Stellantis wählt einen anderen Weg: Der Hersteller, zu Jahresanfang aus der Fusion von Peugeot und Fiat hervorgegangen, überantwortet bald große Teile der Fahrzeug-Software an Google. Nun kommt die Zusammenarbeit mit dem Handyproduzenten Foxconn hinzu.

Die neuen digitalen Armaturenbretter sollen per biometrischer Erkennung personalisierbar sein

"Das zeigt, dass neue Digitalplayer wichtige Teile der Wertschöpfung in der Autobranche übernehmen", sagt Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management. In einem Verbrennerauto sind derzeit Computerchips im Wert von etwa 400 US-Dollar verbaut, in einem E-Auto mit mehr digitalen Fähigkeiten sind die Teile bereits 700 Dollar wert. "Tavares ist ein pragmatischer Manager, der weiß, was sein Unternehmen kann - und wo er Partner braucht", sagt Bratzel. Dabei dürfte die gewählte Form der Zusammenarbeit, ein Gemeinschaftsunternehmen, noch die beste Art sein, um Kompetenz zu halten.

Bei Stellantis glaubt man außerdem, wertvolle Zeit gegenüber der Konkurrenz zu gewinnen. "Wir wollen jetzt schnell sein und die Expertise der Tech-Unternehmen für uns nutzen", sagt Yves Bonnefont, Software-Chef von Stellantis. Wann die ersten digitalen Armaturenbretter aus der Kooperation auf den Markt kommen, sagt er nicht. Die Systeme sollen per biometrischer Erkennung personalisierbar und sowohl für Steuerungsfunktionen als auch für die Unterhaltung im Auto nutzbar sein. Alle Stellantis-Marken sollen damit ausgerüstet werden - wenngleich nicht in gleichem Ausmaß. "Ein Maserati kostet zehnmal so viel wie ein Peugeot 208, also muss sich das auch in der technologischen Ausstattung niederschlagen", so Bonnefont. Und: Stellantis und Foxconn wollen nicht nur für die eigenen Produkte fertigen. Ziel ist, anderen Herstellern vernetzte Ausstattung zu verkaufen.

Für Stellantis hat die Allianz womöglich einen weiteren Vorteil: Dank starker Präsenz in China könnte Foxconn Tavares' Konzern helfen, endlich im weltweit größten Automarkt Fuß zu fassen. Foxconn-Chef Young Liu wiederum will sich weniger abhängig vom Handygeschäft machen. Mit den E-Auto-Herstellern Byton und Fisker hat er zuletzt ebenfalls Deals geschlossen.

All diese Allianzen, so wird in der alten Auto-Welt wie in der neuen Tech-Welt spekuliert, könnten am Ende aber vor allem einem Konzern dienen: Apple. Dem US-Riesen, der Foxconn mit den iPhones groß gemacht hat, wird immer wieder Interesse am Geschäft mit E-Autos nachgesagt.

© SZ
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