Steinbrück, Jain und Fitschen bei SZ-Führungstreffen Kandidat mit Biss, Banker mit Verständnis

Mit einem Kulturwandel wollen Anshu Jain und Jürgen Fitschen das ramponierte Image der Deutschen Bank reparieren. So präsentiert sich das Duo beim Führungstreffen der Süddeutschen Zeitung als Einheit, das stets diplomatisch bleibt - trotz der Forderungen Steinbrücks nach einer Finanztransaktionssteuer und einem Trennbankenmodell.

Von Lutz Knappmann, Berlin
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Die beiden Deutsche-Bank-Chefs im Interview

Sie sind sehr darauf bedacht, ein harmonisches Duo abzugeben: Die beiden Chefs der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen und Anshu Jain. Beim SZ-Führungstreffen Wirtschaft in Berlin nahmen beide Stellung zur Rolle der Banken in der Euro-Krise. Wichtigste Frage: Wie kann das Image der Branche wieder aufpoliert werden?

Als Peer Steinbrück vom Mikrofon abtritt, applaudiert Anshu Jain. Jürgen Fitschen studiert seine Unterlagen. Gerade hat der frischgebackene SPD-Kanzlerkandidat seine Pläne für die Regulierung von Banken und Finanzmärkten beschrieben, hat eine Transaktionssteuer gefordert und die Trennung zwischen Investmentbanking und klassischem Bankgeschäft. Die beiden neuen Chefs der Deutschen Bank haben zugehört. Nicht, dass ihnen Steinbrücks Positionen nicht längst vertraut wären. Aber darum geht es nicht.

Es geht um die Wirkung. Darum zu beweisen, dass sie die verbreitete und heftige Kritik an der Rolle der Banken in der Finanzkrise ernst nehmen. Zum ersten Mal seit ihrem Amtsantritt stellen sich Jain und Fitschen beim Führungstreffen Wirtschaft der Süddeutschen Zeitung gemeinsam einer Podiumsdiskussion. Die Doppelspitze demonstriert Einigkeit, gibt sich als Team, das gemeinsam die Aufgaben angeht, die ihnen Vorgänger Josef Ackermann hinterlassen hat. SMS und Telefon seien die wichtigsten Hilfsmittel in ihrem Alltag, keiner von beiden verfüge über exklusive Kompetenzen gegenüber dem Anderen.

Vor wenigen Wochen haben Jain und Fitschen der Deutschen Bank einen Kulturwandel verordnet - niedrigere Renditeziele, geringere Bonuszahlungen und einen spürbaren Stellenabbau. Sie wollen das Finanzhaus nicht nur effizienter machen, sondern auch die Anreize für die Mitarbeiter verringern, zu Lasten der eigenen Kunden Gewinnmaximierung zu betreiben. Zumindest wollen sie das signalisieren, wollen das ramponierte Ansehen ihrer gesamten Branche reparieren. "Wir haben noch nicht ausführlich genug erklärt, was wir tun, warum und wie wir es tun", sagt Fitschen.

Als ein Student nachfragt, ob heutige Uni-Absolventen denn lieber zu einer Bank oder in die Politik gehen sollten, antwortet Jain: "Wenn es ihr Ziel ist, schnell reich zu werden, dann sind Banken nicht Ihre Branche. Wenn sie ein einfaches Leben wollen, dann ist das definitiv nicht die richtige Branche."

Das ist ziemlich exakt Peer Steinbrücks Thema, als er nach den beiden Bankchefs die Bühne betritt. "Jede Übertreibung, jeder Exzess [...], jede krasse Benachteiligung, deutliche Ungerechtigkeit produziert eine deutliche Antithese", ruft der SPD-Politiker den versammelten Wirtschaftsvertretern zu. Die Finanzbranche müsse zu Maß und Mitte zurückfinden.

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Peer Steinbrück im Interview mit Kurt Kister

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Steinbrück führt an, dass sich Banken für ein Prozent Zinsen refinanzieren können, während ihre Kunden elf Prozent Überziehungszinsen zahlen müssen. Natürlich gebe es dafür Gründe. "Aber ich rede nicht über die Frage, warum das so ist, sondern über die Wahrnehmung", sagt Steinbrück.

Mit Verweis auf das von Ackermann einst ausgegebene Ziel von 25 Prozent Eigenkapitalrendite bei der Deutschen Bank, stichelt Steinbrück: Vermutlich könnten in der Bevölkerung viele nicht einmal erklären, was das Eigenkapital einer Bank sei. "Aber es sind die 25 Prozent, die in Erinnerung bleiben."

Diese Zahl haben Jain und Fitschen längst kassiert. Von 14 bis 15 Prozent ist mittlerweile die Rede. Jain und Fitschen wissen um die Skepsis, mit der viele Bürger die Deutsche Bank beobachten - und deren Führung. Etwa, wenn ausgerechnet der Chef des Investmentbankings an die Konzernspitze aufrückt. "Wenn ich auf der anderen Seite stünde, wäre ich auch skeptisch, wenn jemand mit meinem Hintergrund in diese Position kommt", beteuert Jain.

Wohl abgewogene Worte

Steinbrück erzählt den beiden Managern nichts Neues, wenn er warnt, dass die Hilfsbereitschaft in Europa gegenüber den Banken aufgebraucht ist. Sollten Banken noch einmal in eine vergleichbar dramatische Lage kommen wie nach der Lehman-Pleite 2008, "werden sie kein Parlament mehr finden, dass mit Mehrheit dafür stimmt, sie so zu unterstützen, wie wir es damals gemacht haben."

Jain und Fitschen rebellieren daher nicht grundsätzlich gegen Steinbrücks Forderungen nach einer Finanztransaktionssteuer und einem Trennbankenmodell, mit dem der SPD-Kanzlerkandidat "Infektionskanäle zwischen dem Kredit- und Einlagengeschäft und dem Investmentgeschäft verhindern" will. Die Bankchefs warnen stattdessen vor europäischen Alleingängen, die die Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Finanzplatzes im globalen Vergleich schwächen könnten.

Es sind wohl abgewogene Worte - auf beiden Seiten. Jain und Fitschen kämpfen darum, das Image ihrer Branche aufzubessern. Peer Steinbrück steht vor einem harten Wahlkampf. Den Bankern und dem potenziellen Regulierer: Beiden geht es um die Wirkung.