Unternehmen:Zahl der Start-up-Gründungen steigt wieder

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Roboter-Kooperation von Hewlett-Packard Enterprises und dem deutschen KI-Start-up Aleph Alpha. (Foto: AXEL HEIMKEN/AFP)

Nach zuletzt mauen Jahren geht es wieder bergauf: Mehr Menschen haben sich seit Beginn des Jahres getraut, in Deutschland ein Start-up zu gründen. Zwei Bundesländer stechen hervor.

Von Nils Heck, Köln

In Deutschland wird wieder mehr gegründet. Das zeigen die aktuellen Zahlen des Bundesverbandes Deutsche Startups (Startup-Verband) in Zusammenarbeit mit der Plattform Startupdetector. Einer gemeinsamen Erhebung zufolge haben Gründerinnen und Gründer in den ersten sechs Monaten dieses Jahres mehr als 1300 Start-ups aus dem Boden gestampft. Das waren 15 Prozent mehr als noch in den sechs Monaten zuvor. Besonders NRW und Berlin konnten zulegen. Bayern bleibt in der Spitzengruppe.

Die Zahlen zeigen eine positive Trendwende für die Start-up-Szene, die zuletzt arg unter Druck geraten war. Weil Zentralbanken die Zinsen erhöht hatten, wurden Investitionen in Start-ups weniger attraktiv. Investoren zogen reihenweise Geld ab oder investierten nicht mehr so viel frisches Kapital in junge Unternehmen, wie eine EY-Erhebung aus dem Januar 2024 zeigt. Der zufolge sammelten junge Firmen in Deutschland 2023 fast zehn Milliarden Euro weniger ein als noch im Vorjahr – und sogar 17,4 Milliarden Euro weniger als im Rekordjahr 2021. Hinzu kam, dass sich auch die Anzahl der Finanzierungsrunden deutlich reduzierte. Aus diesen Gründen waren viele Gründerinnen und Gründer zum Sparen gezwungen und entließen Mitarbeiter. Einige Unternehmen überlebten ohne neues Geld vom Kapitalmarkt gar nicht und gingen pleite. Nach einer neuen Rekordzahl 2021 brachen die Neugründungen bei Start-ups im Jahr 2022 massiv ein. Statt fast 3200 Gründungen wie noch 2021 verzeichnete der Startup-Verband im Jahr 2023 nicht einmal mehr 2500 Gründungen.

Spitzenreiter NRW, Bayern und Berlin

Seit Anfang des Jahres sieht es nun so aus, als könnte sich dieser Trend wieder umkehren. In jedem bisher abgeschlossenen Monat wurden 200 oder mehr Start-ups gegründet, was sich zu 1384 Gründungen insgesamt summiert. Das ist ein deutlich besserer Wert als 2023 und 2022. Besonders in NRW und Berlin sehen die Studienautoren einen positiven Trend. NRW konnte nach 199 Gründungen im zweiten Halbjahr 2023 nun schon 251 Gründungen für sich verzeichnen. In Berlin kamen sogar 265 (zuvor: 206) Start-ups hinzu. In absoluten Zahlen führend die beiden Bundesländer die Spitzenliste zusammen mit Bayern (260 Neugründungen) an.

Bei den Städten konnte in den vergangenen zwölf Monaten besonders München punkten. In der bayerischen Landeshauptstadt entfielen 12,9 Gründungen auf 100 000 Einwohnerinnen und Einwohner, in Berlin waren es immer noch 12,5. Überraschend auf Platz drei liegt in diesem Ranking die Universitätsstadt Aachen mit 11,9 Gründungen auf 100 000 Einwohner, dicht gefolgt von Darmstadt und Heidelberg. Auch hier lässt sich ein Trend beobachten: In Städten mit Hochschulen und in den Metropolen sind Start-up-Gründungen deutlich wahrscheinlicher als beispielsweise auf dem Land.

Ein Blick auf die Branchen zeigt, dass es bei den Neugründungen einen starken Trend hin zu Software-Firmen gibt. Im ersten Halbjahr verzeichnete der Startup-Verband demnach 302 neue Software-Start-ups. 35 Prozent als noch im Halbjahr davor. Das deckt sich mit einem Trend aus einer früheren Studie des Verbands. In dieser hatte sich gezeigt, dass die Zahl der Start-ups mit KI-Bezug enorm zugenommen hatte. Allein 2023 gab es 67 Prozent mehr Start-up-Gründungen mit KI-Bezug als noch im Vorjahr, auch die Finanzierungen gingen dem Beratungsunternehmen EY zufolge merklich nach oben. Der Trend hin zum Irgendwas-mit-KI-Gründen setzt sich nun scheinbar fort. Anteilig stärker als der Software-Bereich wuchsen nur die Gründungen im Bereich E-Commerce. Dort gab es seit dem Höhepunkt 2021 aber einen so massiven Einbruch, dass trotz Wachstums von mehr als einem Drittel gerade einmal 83 Start-ups in diesem Bereich gegründet wurden.

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