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Start-ups:Suche Partner, biete Problem

Startup Entrepreneurs At Jerusalem Venture Partners Tech Hub

Kluge Köpfe: Israel gilt als Land der Gründer – und fördert die Jungunternehmer gezielt.

(Foto: Rina Castelnuovo/Bloomberg)

Deutsche Mittelständler können von israelischen Gründern profitieren. Eine gemeinsame Initiative aus beiden Ländern will nun erfolgreicher neue Kontakte zwischen den Firmen vermitteln.

Wie Vertreter des deutschen Mittelstands mit israelischen Start-ups zusammenkommen? "Indem man sich trifft", meint Albert Geiger. Seit 15 Jahren bringt er mit seiner Plattform Alphazirkel Familienunternehmen zusammen. Im Dezember nun organisierte er eine Reise von deutschen Automobilzulieferern nach Israel. "Technologiefragen sind essenziell für Unternehmen. Aber nicht jeder kann sich ein Vertretungsbüro in Israel leisten", sagt Geiger. Dabei profitiere der deutsche Mittelstand davon, dass man hier gute Ideen finde.

In Israel gibt es mit "Start-up Nation Central" eine eigene Organisation, die Kontakte zwischen etablierten Firmen und Start-ups vermittelt. Die 20 Teilnehmer der deutschen Delegation haben in Fragebögen die Probleme geschildert, für die sie hier nach Lösungen suchen. Auf dieser Basis haben die Mitarbeiter der "Partnerbörse" junge israelische Unternehmen ausgesucht, die in der Zentrale in Tel Aviv ihre Produkte und Projekte präsentieren.

"Da waren schon zwei, drei dabei, mit denen wir kooperieren könnten", sagt Helge Förster von der Hübner-Gruppe. Das Unternehmen mit Hauptsitz Kassel und rund 3500 Mitarbeitern ist weltweit führend im Bereich Übergangssysteme für Busse und Schienenfahrzeuge. Noch nie hat der Mittelständler mit einem israelischen Unternehmen zusammengearbeitet. "Wir suchen die richtigen Partner auf der Sensorik- und Software-Seite", sagt Förster und nennt ein konkretes Beispiel: "Wir entwickeln Systeme, damit Busse in Zukunft bis zu 36 Meter statt derzeit 18 Meter lang sein können." Seine Firma entwickle das Gelenk. Wenn man dann mit solchen extrem langen Fahrzeugen durch die Straßen fahre, müsse man aber wissen, was rundherum passiert.

Matthias Grossmann, Vizepräsident des auf Qualitätssicherung spezialisierten Serviceproviders Formel D mit 12 000 Mitarbeitern, ist nicht mit konkreten Vorstellungen nach Israel gereist. "Es ist mehr die Neugier zu gucken, was hier passiert." Dennoch hat er ein für ihn interessantes Start-up entdeckt, das die dreidimensionale Betrachtung von Teilen auf einem Tisch ermöglicht. "Wir wussten nicht, dass es so etwas schon gibt."

Oft fehlen Zeit und Kompetenz für eine erfolgreiche Partnersuche

Während der Reise hat Bernd Stephan, Chef der Auto- und Luftfahrtsparte von SKF, bereits E-Mails an Kollegen mit der Aufforderung geschickt, sich bestimmte Start-ups anzuschauen, die ihm durch die Präsentationen in Israel aufgefallen sind. Das schwedische Unternehmen, das in Deutschland 6000 und weltweit 46 000 Beschäftigte hat, kaufte im Vorjahr sogar ein israelisches Start-up: das auf künstliche Intelligenz spezialisierte Unternehmen Presenso aus Haifa. "Bevor wir investieren, schauen wir, ob geeignete Start-ups zur Verfügung stehen, die man akquirieren kann", sagt er - und schiebt nach: "Aber nur, wenn es hundertprozentig passt. Wir müssen nicht alles kaufen, manchmal wollen wir nur kooperieren." In Israel finde man eine gut besetzte Start-up-Szene, die staatlich gefördert werde und von engen Verbindungen mit dem Militär profitiere. "Hier findet man Technologie vor, die es woanders nicht gibt."

Viele Unternehmen erzielten aus diesen Reisen allerdings keinen nachhaltigen Effekt, sagt Markus Gick, Innovationsexperte der Bertelsmann-Stiftung. "Es bleibt oft bei reinen Interessensbekundungen. Auch deshalb, weil vorher nicht so genau geschaut wurde, wie passen der deutsche Mittelständler und das israelische Start-up zusammen." Es mangele oft an Zeit und der notwendigen Kompetenz bei der Suche nach Partnern, um das Potenzial der Zusammenarbeit zu realisieren, ergab eine Studie der Stiftung über deutsche und israelische Innovationen. Gemeinsam mit Start-up Nation Central hat sie deshalb in den vergangenen eineinhalb Jahren eine neue Plattform entwickelt. Mit den in Nordrhein-Westfalen beheimateten Unternehmen Gundlach Packaging, Miele, Dr. Wolff und Phoenix Contact wurde ein dreimonatiger Problemfindungsprozess angestoßen. Anschließend wurden fünf passende Start-ups in Israel gesucht. "Uns geht es um konkrete Lösungen und nicht, was gibt es da allgemein für Technologien", sagt Gick. Er nennt ein Beispiel von Miele, das künstliche Geruchserkennung für Küchengeräte gesucht hat. "Und siehe da: Es gibt Start-ups in Israel, die das machen."

Neu war, dass die Gründer dann nach Nordrhein-Westfalen kamen, um sich vor Ort die Produktion und damit auch die Probleme anzuschauen. "Das war das Wichtigste: Der Vertreter der Firma hat dem vom israelischen Start-up gesagt, das ist meine Maschine, das ist mein Problem. Jetzt ist es deins. Löse es binnen drei Monaten. Wenn es eine Lösung gibt, kauf ich sie", sagt Eliran Elimelech, Direktor für strategische Partnerschaften bei Start-up Nation Central. "Normalerweise dauert dieser Anbahnungsprozess viel länger." In sechs Monaten will die Bertelsmann-Stiftung dann wissen, was aus den Kontakten geworden ist. "Aus diesem Pilotprojekt soll eine Plattform entwickelt werden", sagt Gick. "Wir wollen, dass auch andere Mittelständler und Regionen davon lernen können, wie man sie mit israelischen Start-ups zusammenbringt."

© SZ vom 13.01.2020

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