Start-ups Rekordsumme für deutsche Gründer

Spitzenreiter bei den Start-ups war 2018 der Gebrauchtwagenhändler Auto 1. Berlin bleibt der Liebling junger Unternehmer. Doch Bayern holt auf.

Von Elisabeth Dostert

Die deutschen Gründer haben im vergangenen Jahr so viel Geld bei Investoren eingesammelt wie noch nie zuvor. Die Summe stieg auf knapp 4,6 Milliarden Euro, das waren sieben Prozent mehr als 2017. Auch die Zahl der Transaktionen erreichte mit 615 (Vorjahr: 507) einen neuen Rekord, dies geht aus dem Start-up-Barometer des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY hervor.

Das meiste Geld, 1,6 Milliarden Euro, bekamen Internethändler. Die höchste Summe - 460 Millionen Euro - sammelte die Berliner Gebrauchtwagen-Plattform Auto1 (wirkaufendeinauto.de) ein. Das Geld kam vom japanischen Investor Softbank, der nach Medienberichten nun 20 Prozent Auto 1 hält. Das 2012 von Hakan Koç und Christian Bertermann gegründete Unternehmen wird damit mit fast drei Milliarden Euro bewertet und ist eines der wertvollsten Start-ups in Europa. Auf dem zweiten Platz folgt gemessen am Investitionsvolumen das Hamburger Mode-Start-up About You mit 264 Millionen Euro. Es wurde 2014 als Tochterunternehmen des Versenders Otto Group gegründet, die auch noch größter Gesellschafter ist. About You wird aber nach einigen Finanzierungsrunden als Beteiligung geführt. Zu den Gesellschaftern gehört seit vergangenem Jahr auch der dänische Textilhändler Bestseller. Der Berliner Online-Möbelhändler Home 24 holte sich beim Börsengang 172 Millionen Euro. Er stammt aus der selbst börsennotierten Start-up-Schmiede Rocket Internet der Samwer-Brüder.

Im Barometer werden Unternehmen erfasst, die jünger als zehn Jahre sind. Berücksichtigt werden neben Risikokapitalinvestitionen auch Einnahmen aus Börsengängen (IPO) und Initial Coin Offerings (ICO), dabei geben Unternehmen, die auf der Blockchain-Technologie beruhen, digitale Einheiten, sogenannte Tokens, im Tausch gegen eine andere virtuelle Währung oder ein gesetzliches Zahlungsmittel aus. Der Token kann mit bestimmten Rechten verbunden sein, etwa einer Dienstleistung, ein Produkt, eine Dividende oder ein Stimmrecht zu erhalten. Bei 22 ICOs holten sich deutsche Start-ups im vorigen Jahr 255 Millionen Euro. An die Börse schafften es drei junge Unternehmen, sie sammelten 331 Millionen Euro, 2017 brachten vier Börsengänge 794 Millionen Euro.

Die meisten Deals gab es auch im vergangenen Jahr in Berlin, es waren 247 nach 233 im Vorjahr, Bayern holt auf und liegt mit 124 (76) Finanzierungen nach wie vor auf Platz 2. Die Gründer in Berlin konnten auch das meiste Kapital - 2,6 Milliarden Euro - einsammeln, es waren allerdings elf Prozent weniger als ein Jahr zuvor, weil es weniger Mega-Deals gab. 2017 hatte allein der Essenlieferdienst Delivery Hero bei zwei Transaktionen zusammen 808 Millionen Euro eingesammelt. Zwar verharrte 2018 die Zahl der Großtransaktionen mit einem Volumen von jeweils mehr als 100 Million Euro auf Vorjahreshöhe, es gab sechs, und auch die Zahl der Deals mit einem Volumen von 50 bis 100 Millionen Euro stieg nur leicht um zwei auf sieben. Dafür gab es aber deutlich mehr Investitionsrunden zwischen zehn und 50 Millionen Euro. Ihre Zahl stieg von 54 auf 80.

Für EY-Partner Peter Lennartz ist das eine erfreuliche Entwicklung. "Eine beachtliche Zahl deutscher Start-ups hat inzwischen einen hohen Reifegrad erreicht", sagt Lennartz: "Wenn Investoren bereit sind, so tief in die Tasche zu greifen, zeugt das von Vertrauen in das Geschäftsmodell und die jungen Unternehmer." Viele dieser Finanzierungen seien von namhaften internationalen Investoren als auch von den Risikokapital-Abteilungen bekannter Konzerne gestemmt worden.

Auch wenn E-Commerce-Firmen immer noch das meiste Geld locken, andere Branchen holen auf. Die Zahl der Gründer aus den Bereichen künstliche Intelligenz, Blockchain und virtuelle Realität nehme zu, so Lennartz in der Mitteilung. Auch sie sammeln mittlerweile zweistellige Beträge ein. "Das ist eine gute Nachricht für den High-Tech-Standort Deutschland", sagt Lennartz.