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Start-up-Investorin Gesa Miczaika:"Man muss in der frühen Phase einfach ranklotzen"

Gesa Miczaika investiert mit ihrer Firma in Start-ups.

(Foto: Neda Rajabi)

Gesa Miczaika ist eine der wenigen Geldgeberinnen in Deutschland und berät das Wirtschaftsministerium. Sie wünscht sich mehr Engagement von allen Seiten.

Von Katharina Kutsche

Was brauchen Frauen, die Investorinnen werden wollen? Gesa Miczaika, promovierte Volkswirtin und Business Angel, sagt, eine Stelle, an der alles Wissenswerte zusammengefasst wird, wäre schon mal hilfreich. Wissenswert sei etwa, welche Verbände und Finanzierungsangebote es gibt, sowie Stellenanzeigen von Venture Capital Fonds, die explizit Frauen suchen. "Wenn man ein Netzwerk hat, lernt man das alles", so Miczaika. "Aber viele Posten werden über Netzwerke vergeben, und Frauen netzwerken weniger als Männer."

Sie appelliert aber auch an die Eigenverantwortung der Frauen, selbst tätig zu werden - so wie Miczaika selbst. Die 40-Jährige hat 2019 Auxxo Beteiligungen gegründet, gemeinsam mit Fabiola Hochkirchen und Bettine Schmitz. Die drei Partnerinnen investieren zusammen in Start-ups, haben aber auch eigene Investments. Und rund drei Viertel dieser Unternehmen haben mindestens eine Frau im Gründungsteam.

Zudem sitzt die Investorin im Vorstand des Bundesverbands Deutsche Start-ups und berät das Bundeswirtschaftsministerium im Beirat "Junge Digitale Wirtschaft". Für zukünftige Geldgeberinnen wünscht sie sich mehr Vorbilder, denn Frauen investieren ebenso erfolgreich wie Männer. "Die Wirtschaft als Ganzes würde sehr davon profitieren, denn im Moment wird die Wertschöpfung, die da sein könnte, nicht zu hundert Prozent abgerufen." Vorbilder seien aber auch für Gründerinnen essenziell, weil Firmen, die von Frauen gegründet werden, auch sechsmal mehr Frauen einstellen. "Wenn man oben etwas verändert, kann sich auch unten etwas ändern", sagt Miczaika.

Änderungen von oben werden aktuell von einer ganzen Reihe an Akteuren angestoßen. So hat der Bundesverband Deutsche Start-ups die Initiative #startupdiversity gestartet. Auf der gleichnamigen Website sind die Positionen der Unterstützer aufgeführt. Sie sollen dabei helfen, den Anteil von Gründerinnen im Start-up-System zu erhöhen - jener schwankt seit Jahren um die 16 Prozent. Einer der Vorschläge richtet sich an Venture Capital Funds. Sie sollen ein "selbstverpflichtendes Reporting" veröffentlichen und Zahlen nennen: zur Geschlechtervielfalt in ihren Portfolio-Unternehmen, im eigenen Investment-Team und welche Maßnahmen sie planen, um den jeweiligen Frauenanteil zu erhöhen.

Auch der Staat ist demnach gefordert, er agiert laut Miczaika derzeit nur unzureichend. So habe es bei den halbstaatlichen und staatlichen Investmentfonds, KfW Capital, High-Tech-Gründerfonds und Coparion, noch nie eine Frau in der Geschäftsführung gegeben. Öffentliche Investoren könnten Diversität bei den Gründer- und Management-Teams einfordern und Quoten festschreiben, sogar einen separaten Fonds, der sich speziell an Gründerinnen richtet, aufsetzen. "Der Staat sollte als Vorbild agieren und so seiner Verantwortung gerecht werden."

Schnelles Wachstum contra Elternzeit

Der Beirat "Junge Digitale Wirtschaft" hat im Februar dieses Jahres ebenfalls ein Positionspapier vorgelegt. Auf 16 Seiten schildern die Mitglieder, welche kulturellen und strukturellen Hürden Frauen daran hindern, selbst zu gründen oder zu investieren, nehmen beide Geschlechter sowie den privaten und öffentlichen Sektor in die Pflicht.

Eine Empfehlung des Beirats ist, die Familienförderung für Selbständige anzupassen. Gerade Gründerinnen können nach der Geburt ihres Kindes nicht lange aussetzen, denn schnelles Wachstum definiert Start-ups. Würde es also helfen, diese Definition zu ändern oder von Investoren mehr Geduld zu fordern?

Gesa Miczaika verneint dies. Das Geschäftsmodell von Risikokapitalgebern gehe nur auf, wenn ein Unternehmen das Potenzial hat, eine Milliarden-Bewertung zu erreichen, und das sehr schnell. "Wie das Wort schon sagt, gehen die Investoren ein Wagnis ein. Da muss man in der frühen Phase einfach ranklotzen", sagt Miczaika. Wenn das nicht gehe, sei es eben kein Start-up, sondern ein klassisches Unternehmen.

© SZ
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