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Start-ups:Die Krähe als Müllsammler

Krähe mit Walnuss

Ein Start-up will die Intelligenz der Krähen nutzen. Es könnte aber sein, dass die Vögel bei den Kippen noch auf ganz andere Ideen kommen.

(Foto: Frank Rumpenhorst/dpa)
  • Zwei Gründer aus den Niederlanden wollen Krähen zu Müllsammlern qualifizieren. Die Krähen sollen Zigarettenstummel sammeln und in den Abfall bringen.
  • "Krähen sind tatsächlich sehr lernfähig", bestätigt Andreas Nieder, Professor für Tierphysiologie an der Universität Tübingen.
  • Allerdings müssen die Gründer noch klären, ob das Sammeln von Zigarettenstummeln nicht gesundheitsgefährdend für die Tiere ist.

Das Dasein der Krähen war - vorsichtig formuliert - bislang keine Erfolgsgeschichte. Die Vögel krächzen laut und fressen den Landwirten das Saatgut vom Feld. Das nervt viele. Alfred Hitchcock ramponierte ihr Image im Jahr 1963 endgültig. In seinem Horrorfilm "Die Vögel" greifen die Krähen Menschen an. Jetzt gibt es für sie neue Hoffnung auf größere Akzeptanz.

Die Gründer Ruben van der Vleuten und Bob Spikman aus den Niederlanden möchten Krähen zu Müllwerkern qualifizieren. Dafür haben sie das Start-up "Crowded Cities" gegründet. Das Team will das Erscheinungsbild niederländischer Innenstädte revolutionieren. Die Krähen sollen Zigarettenstummel sammeln und in den Müll bringen. Aktuell bemühen sich die Unternehmer, ihre Idee bekannt zu machen.

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Van der Vleuten und Spikman setzen auf die Intelligenz der Tiere. Mit dem Schnabel sollen sie die Kippen zu einer speziellen Box bringen und darin abwerfen, erläutern die jungen Männer: "Eine Kamera erkennt den Zigarettenfilter. Daraufhin fällt ein bisschen Essen auf einen Tisch vor den Krähen." Die Belohnung solle die Vögel konditionieren, weitere Filter zu sammeln.

Krähen seien sehr lernfähig

Was für Laien im ersten Moment nach einer Utopie klingt, ist wissenschaftlich durchaus fundiert. "Krähen sind tatsächlich sehr lernfähig", bestätigt Andreas Nieder. Er ist Professor für Tierphysiologie an der Universität Tübingen. "Sie sind in der Lage, ein System von Belohnungen und Bestrafungen zu verstehen", sagt der Wissenschaftler und nennt ein Beispiel: "Krähen legen auch Nüsse auf die Straße und warten, bis Autos drüberfahren und sie so knacken." Ob das Konzept aus den Niederlanden tatsächlich aufgeht, vermag Nieder kaum zu beurteilen: "Vielleicht sind die Krähen sogar zu schlau." Sie seien sehr verspielt. "Ich vermute, dass sie noch auf andere Ideen kommen, was sie mit der Kippe machen können", sagt Nieder.

Van der Vleuten und Spikman sind vom Potenzial ihres Projekts überzeugt. Wie bei allen Start-ups stellt sich natürlich auch bei "Crowded Cities" die Frage, ob es für die Geschäftsidee einen Markt gibt. Die Antwort kann in diesem Fall nur ein eindeutiges "Ja" sein. Allein in den Niederlanden schmeißen Raucher jährlich mehrere Milliarden Kippen auf die Straße. Aus Perspektive des Umweltschutzes ist das dramatisch. Über zwölf Jahre dauert es, bis sich ein Zigarettenfilter zersetzt. Eine entscheidende Hürde muss das Vorhaben des Start-ups aber noch nehmen. "Crowded Cities" muss noch klären, ob das Sammeln von Stummeln tatsächlich nicht gesundheitsgefährdend für die Tiere ist.

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Einen positiven Effekt hat die Idee vielleicht jetzt schon. Die Gründer hoffen, dass einige Raucher sensibilisiert werden, Müll zu vermeiden.