Start-upsDeutschland gründet wieder

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In Deutschland ist die Zahl von Start-up-Gründungen auf ein Rekordhoch gestiegen.
In Deutschland ist die Zahl von Start-up-Gründungen auf ein Rekordhoch gestiegen. (Foto: Laurent Delhourme/IMAGO/Depositphotos)

Die Gründerszene boomt, trotz schwacher Wirtschaft. Eine Studie des Startup-Verbandes zeigt, dass vor allem Unistädte vorn liegen. Ein Thema ist dabei für die Start-ups besonders wichtig.

Von Helmut Martin-Jung

Gründungszeiten sind Krisenzeiten – wenn diese Aussage noch eines Beweises bedurft hätte, der jüngste Bericht des Startup-Verbandes zur Gründungsaktivität in Deutschland liefert ihn. 2025 ist die Zahl von Neugründungen demnach um knapp ein Drittel – genau: 29 Prozent – gestiegen. Das war noch einmal deutlich mehr als 2024 (elf Prozent). Die absolute Zahl liegt mit knapp 3600 Neugründungen deutlich über dem bisherigen Rekordjahr 2021, damals entstanden fast 3200 Start-ups neu. Während also die Wirtschaft in Deutschland nicht vom Fleck kommt, wagen dennoch viele den Schritt in die Selbständigkeit.

Zwei Ergebnisse des Berichts unterstreichen die positive Entwicklung: Nahezu alle Bundesländer haben sich verbessert, nur Schleswig-Holstein (minus fünf Prozentpunkte) und Bremen (minus 24) schneiden schlechter ab als 2024. Oben auf der Liste findet sich Bayern wieder, das sich mit 247 Neugründungen nicht nur mit weitem Abstand den Spitzenplatz vor Nordrhein-Westfalen (164) sichert. Beide Länder haben auch den stärksten Zuwachs. Mehr als jedes fünfte Start-up wurde demnach in Bayern gegründet.

Auf den Plätzen folgen Berlin (121) und Baden-Württemberg (76). Nach Norden hin nimmt die Dynamik stark ab, wenn man Hamburg außen vor lässt. In der Metropole an der Elbe werden pro 100 000 Einwohner immerhin die zweitmeisten Start-ups (10,9) gegründet. Das gilt aber nur im Ländervergleich. Stellt man Städte nebeneinander, führt München klar mit 19,3 Gründungen pro 100 000 Einwohner vor Berlin (16,8) und dem Aufsteiger Düsseldorf (15,4).

Eine klare Botschaft ist auch dies: Start-ups entstehen besonders häufig in der Nähe guter Universitäten. Das zeigen etwa Aachen, Potsdam, Heidelberg, Karlsruhe und Freiburg und auch München, wo im Umfeld der Technischen Universität und der Ludwig-Maximilians-Universität eine Rekordzahl an Neugründungen zu verzeichnen ist. Als besonders erfolgreich hat sich dabei die Initiative „UnternehmerTUM“ erwiesen, die Studierende von Beginn ihres Studiums an mit Gründern in Verbindung bringt und so das Bewusstsein dafür schafft, dass sich gute Forschung auch in erfolgreiche Unternehmen übersetzen lässt. Erfolgreiche Gründungen wie die Softwarefirmen Celonis oder Personio sind dafür bekannte Beispiele.

KI mit zentraler Bedeutung für viele Start-ups

Dabei ist Software eigentlich die Domäne Berlins. Münchner Start-ups sind üblicherweise eher im Bereich Deep Tech angesiedelt, haben also einen starken Bezug etwa zum produzierenden Gewerbe, das im Süden Deutschlands mit seinen Autoherstellern und anderen großen Firmen stark vertreten ist. Software ist es auch, mit der die meisten Gründungen 2025 erfolgreich werden wollen (850). Halb so viele stammen aus dem Bereich der Medizin (430), besonders zugelegt hat das Gebiet Nahrungsmittel, 295 Start-ups versuchen hier ihr Glück.

Natürlich darf das Hype-Thema des Jahres 2025 nicht fehlen: künstliche Intelligenz. Für 27 Prozent der Neugründungen ist es der wichtigste Bestandteil ihres Geschäftsmodells. Das beschränkt sich keineswegs nur auf Software. Auch bei den Medizin-Start-ups spielt KI eine herausragende Rolle, etwa in der Bilderkennung. KI ist damit ein wichtiger Treiber für Neugründungen – wie schon in den Jahren zuvor.

Die Bedeutung von künstlicher Intelligenz hat dabei in den vergangenen Jahren und noch einmal im vergangenen Jahr deutlich zugenommen. Bei Start-ups aus den Bereichen Werbung und Recht spielt KI bei jeder zweiten Neugründung die Hauptrolle, nur bei Food, Gaming und E-Commerce ist KI noch selten ein wichtiger Bestandteil des Geschäftsmodells.

Für die Untersuchung wurden aus den deutschen Handelsregistern automatisiert mögliche Start-ups ausgewählt und ein Fünftel davon händisch überprüft. Als Start-ups gelten Unternehmen, die jünger als zehn Jahre sind, die ein innovatives Produkt vertreiben oder die ein starkes Wachstumspotenzial haben. Aus der ursprünglichen Auswahl blieben am Ende etwa drei Prozent aller Neueintragungen ins Handelsregister übrig.

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