Storebox:Lagerraum statt Ladensterben

Storebox: Die Lagerflächen betreibt Storebox nicht alle selbst, sondern vergibt auch Franchising-Lizenzen.

Die Lagerflächen betreibt Storebox nicht alle selbst, sondern vergibt auch Franchising-Lizenzen.

(Foto: oh)

Das Start-up Storebox sucht leere Geschäfte in Innenstädten und vermietet diese weiter. Zu den Kunden gehören Firmen wie Ikea - aber auch Privatpersonen, die keine eigene Abstellkammer haben.

Von Helmut Martin-Jung

Wenn der Aufzug kaputt ist, sieht das für gewöhnlich so aus: Ein Monteur fährt mit seinem Dienstwagen zum Lager des Herstellers, holt sich die nötigen Ersatzteile und fährt damit zum Kunden, um den Lift zu reparieren. Es könnte aber auch so sein: Der Monteur bestellt die Ersatzteile in ein Lager in der Nähe des Kunden, holt die Ersatzteile dort ab und fährt mit einem Lastenrad die kurze Strecke zum Kunden. Zukunftsmusik? Keineswegs: Das österreichische Start-up Storebox arbeitet genau an Lösungen wie diesen.

Begonnen hatten Ferdinand Dietrich, 35, und seine zwei Mitgründer mit der Idee, eine Art Airbnb für Lagerraum zu schaffen, eine Vermittlungsplattform. Doch es zeigte sich, dass vor allem riesige Räumlichkeiten in den Außenbezirken der Städte angeboten wurden. Den eigentlichen Bedarf, fanden die Gründer im Kontakt mit ihren Kunden heraus, gibt es allerdings in den Innenstädten, wo kleinere Lagermöglichkeiten gefragt sind. Mehr und mehr Wohnungen hätten nicht einmal mehr einen Abstellraum, sagt Dietrich. Viele Mieter seien daher auf der Suche nach einer Lagermöglichkeit, die aber auch nicht zu weit weg sein soll von der Wohnung.

Die Kooperation mit Ikea verspricht Wachstum

Derzeit macht diese Gruppe den Großteil der Kunden von Storebox aus, wie Dietrich sagt. Stärkeres Wachstum verzeichnet das Start-up allerdings mit kommerziellen Kunden - Stichwort Mikrologistik. Da ist beispielsweise eine Kooperation mit Ikea. Das schwedische Möbelhaus hat für Storebox eine Schnittstelle zu seinem IT-System geschaffen. Die macht es möglich, dass Kunden sich Online-Bestellungen in das Storebox-Lager ihrer Wahl liefern lassen können - die Fahrt in die Märkte auf der grünen Wiese entfällt.

Storebox ist nicht der einzige Anbieter von Lagerraum, "aber wir waren der erste, der alle Prozesse digitalisiert hat", nimmt Dietrich für sich in Anspruch. Das Unternehmen sucht auf mehreren Kanälen wie etwa Immobilienportalen oder über lokale Kontakte nach frei werdenden Geschäftsflächen in Innenstadtlagen. Mit manchen Ketten hat Storebox inzwischen auch Kooperationen. Wenn eine Filiale aufgegeben wird, hat das Start-up das Zugriffsrecht. Im Durchschnitt haben die Lager eine Fläche etwa von 250 bis 280 Quadratmetern, das größte umfasst 1000 Quadratmeter. Die Lager betreibt Storebox nicht alle selbst, sondern das Start-up vergibt Franchising-Lizenzen, ähnlich wie das auch McDonalds macht.

Eine neue Örtlichkeit wird zunächst mit der Technologie von Storebox ausgestattet. Für die Zugangskontrolle hat das Start-up eine eigene patentierte Lösung entwickelt, die es erlaubt, die Zutrittsrechte sehr fein zu justieren. Die einzelnen Lagerabschnitte, die von einem Quadratmeter an beginnen und bis zu 15 Quadratmeter groß sind, werden zudem mit Sensoren auf Luftfeuchtigkeit und Temperatur überwacht. Abgerechnet wird monatlich, ein Lagerraum mit 1,6 Quadratmetern in München-Giesing etwa gibt es von 93 Euro an. Ein Preis, den Wettbewerber wie Shurgard oder MyPlace teilweise unterbieten.

Momentan gibt es 140 Standorte in den deutschsprachigen Ländern

Derzeit betreiben Storebox und dessen Lizenznehmer etwa 140 Standorte in den deutschsprachigen Ländern, der sogenannten DACH-Region. Der Schwerpunkt liegt derzeit noch im Heimatland Österreich. Der Fokus des Start-ups richtet sich aber auf den wesentlich größeren Markt Deutschland. Dort gibt es bis dato 35 Standorte, die nicht nur in Großstädten wie Berlin, Hamburg oder München zu finden sind, sondern auch in kleineren Städten mit 30 000 Einwohnern. Als Nächstes will das Unternehmen, das kürzlich eine Finanzierungsrunde abgeschlossen hat, Lager in Luxemburg eröffnen, danach weitere europäische Länder erobern. Insgesamt sollen pro Monat zehn bis 15 neue Standorte dazukommen.

Auch das Personal - derzeit arbeiten 50 Menschen in Wien und Berlin für Storebox - soll aufgestockt werden, in etwa einem Dreivierteljahr sollen es doppelt so viele Beschäftigte sein. "Gute Umsätze" machten das schnelle Wachstum möglich, sagt Mitgründer Dietrich, der zunächst ein technisches Studium absolvierte und dann noch je einen Master in Innovationsmanagement und in Marketing draufsetzte. Teilweise sei man schon Cashflow-positiv, "aber wir sind noch klar in der Wachstumsphase", sagt Dietrich, "es geht um Investitionen in die Zukunft."

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