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Start-up-Finanzierung:Das Geld ist da

Frankfurter Buchmesse 2017 in Frankfurt am Main, meinbild Aussteller HelloFresh *** Frankfurt Book Fair 2017 in Frankfu

Start-up-Unternehmen brauchen eine Finanzierung: Hellofresh etwa, der Versender von Kochboxen, ist Kunde des Kreditgebers Silicon Valley Bank.

(Foto: imago images/Manfred Segerer)

Warum in Deutschland trotz Corona-Krise weiterhin hohe Summen in junge Firmen investiert werden.

Von Elisabeth Dostert

Die deutsche Start-up-Szene kommt besser durch die Corona-Krise als erwartet, wie gut, das hängt allerdings stark vom Markt ab. "Die Tourismus- und Hotellerie-Branche tun sich schwer", sagt Oscar Jazdowski, Co-Chef Deutschland der auf Bankgeschäfte und Kreditvergabe spezialisierten Silicon Valley Bank. Start-ups aus dem Gesundheitswesen, Software-Firmen oder E-Commerce haben sogar noch zugelegt. Zahlen zum Kreditvolumen in Deutschland mag Jazdowski nicht nennen und nur wenige Namen. Man habe in Deutschland mehr als 150 Kunden, viele waren es schon, bevor die Bank 2018 eine Niederlassung in Frankfurt aufmachte. Dazu zählen der börsennotierte Berliner Kochboxen-Versender Hellofresh und die Münchner Flugtaxifirma Lilium.

Die Finanzierung von jungen Firmen sei ein "riskantes Geschäft, aber wir vertrauen unseren Partnern", sagt Jazdowski. Die Bank stelle Gründern, die mit Risikokapitalgebern zusammenarbeiten, zusätzliches Kapital zur Verfügung, um ihre Pläne zu erfüllen. Risikokapitalgebern gebe es mittlerweile in Deutschland eine ganze Reihe. Jazdowski nennt Venture-Capital-Firmen wie E-Ventures, Project A, Target Global oder Cherry Ventures. "Geld ist da. Es wird immer noch investiert. Alle großen VC-Firmen investieren weiterhin", sagt Jadowski. Die europäische Start-up-Szene habe sich in der Pandemie als äußerst resilient erwiesen. Vergleiche mit dem Silicon Valley hält der Bankmanager allerdings für "unfair". Das Silicon Valley sei ein "einzigartiger Platz". Die Bank stammt selbst aus dem Tal in Kalifornien. Sie wurde dort Anfang der Achtzigerjahre gegründet.

Der Zugang zu qualifizierten Mitarbeitern sei einer der großen Vorteile für Deutschland als Technologiestandort. "Mit den richtigen Leuten lassen sich aufregende Firmen bauen. Talente sind wichtiger als Geld. Wenn man die richtigen Leute hat, findet das Geld seinen Weg", sagt Jazdowski. Für die Gründer sei es nun wichtig, ihre Liquidität bis in die zweite Jahreshälfte 2022 zu sichern, so lange könne es dauern, bis die Talsohle überwunden ist. "Cash ist zwar wichtig für alle Firmen, aber besonders für Gründer, denn viele haben relativ wenig Umsätze, und sie machen keinen Gewinn." Was Europa fehle, sei eine Technologiebörse. Mit dieser Kritik steht Jazdowski nicht allein. Die USA haben in New York die Nasdaq und China hat den Star Market in Shanghai, an dem bereits weit mehr als 100 Firmen gelistet sind.

Der Fall Wirecard habe der ohnehin "schwach ausgeprägten" Aktienkultur in Deutschland mächtig geschadet. Viele Anleger hätten bereits am Neuen Markt, der Anfang des Jahrtausends zusammenbrach, viel Geld verloren. Da sagten sich viele, "jetzt habe ich mir zwei Mal die Finger verbrannt. Nicht noch einmal".

© SZ vom 27.10.2020
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