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Starinvestor Warren Buffett:Auf zum "Woodstock für Kapitalisten"

Billionaire financier and Berkshire Hathaway CEO Warren Buffet greets shareholders during the Berkshire Hathaway Annual Shareholders meeting in Omaha

Der Milliardär Warren Buffet im Jahr 2008.

(Foto: REUTERS)

Warren Buffett gibt sich die Ehre: Zehntausende pilgern in den Heimatort Omaha des Starinvestors. Jedes Geschäft des 83-Jährigen scheint aufzugehen. Nur die wichtigste Frage hat er noch nicht beantwortet.

Von Alexander Hagelüken

Diese Woche hat der erfolgreichste Investor der Welt mal wieder eine Firma gekauft. Sie betreibt Stromnetze in einer kanadischen Provinz, wo es viele Rinder gibt, Weizen und Öl. Hätte irgendjemand die Firma gekauft, hätten die Finanzprofis nur gegähnt. Weil es Warren Buffett war, ging es sofort mit den Fragen los: Warum macht er das? Welche Strategie verbirgt sich dahinter?

Auf der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt steht der Mann mit dem billigen Brillengestell derzeit auf Platz drei. Im Gegensatz zu den anderen auf der Liste hat der Amerikaner weder Microsoft gegründet noch Google oder Aldi. Er wurde durchs Investieren reich. Deshalb kann Warren Buffett keine Firma mehr kaufen, ohne dass die Finanzprofis grübeln: Was hat er vor?

Diesen Samstag dürften wieder 30 000 Menschen in seinen Heimatort Omaha in die amerikanische Provinz pilgern, wo es viele Rinder gibt, Weizen und Öl. Auf der jährlichen Versammlung seiner Investmentfirma werden sie ihn mit Fragen löchern, was er vorhat. "Woodstock für Kapitalisten" nannten Beobachter die Veranstaltung. Wobei zu Buffetts Legende nicht nur beiträgt, dass er sehr reich wurde, sondern auch wie.

Buffett investiert in Branchen, über die andere gähnen

Der Krämer-Enkel aus Nebraska verkörpert in vielem die Antithese zu dem, was als amerikanischer Turbokapitalismus gilt. Wenn er eine Firma kauft, pumpt er sie nicht mit Krediten voll oder zerschlägt sie, um sie schnell an der Börse zu verhökern. Er wählt die Firmen nach ihrem inneren Wert aus und bleibt langfristig. Er investiert in Branchen, über die all die schlauen Jungs Hunderte Kilometer weiter an der Wall Street gähnen: Versicherungen etwa, oder Eisenbahnen. Die Derivatprodukte, mit denen all diese schlauen Jungs die Welt vor ein paar Jahren in die Finanzkrise spekulierten, schimpfte Buffett schon lange vorher "Massenvernichtungswaffen" (was ihn nicht davon abhielt, sie gelegentlich einzusetzen).

Politisch denkt Buffett für US-Verhältnisse zuweilen schockierend links: Er findet zahlreiche Manager überbezahlt und fordert höhere Steuern für Reiche wie sich selbst. Er wohnt noch immer in dem Häuschen, das er mit 28 erwarb, isst Fastfood und spielt des Abends Bridge oder Ukulele.

Sein letztes großes Investment: Zeitungen

In den vergangenen Monaten wurde an seinem Ruhm gekratzt, weil er zuletzt weniger Gewinn machte als die boomenden Börsen. Das kam schon einmal vor, in der Internetblase 2000. Buffett nutzte danach das Platzen der Blase für glänzende Investments. Als ihn kürzlich ein Reporter auf seine vermeintliche aktuelle Durststrecke ansprach, sagte er nur: "Wir werden sehen." Der Reporter verfasste anschließend eine glühende Verteidigung seiner Strategie.

Ein Problem aber hat Buffett noch nicht gelöst: Wer soll ihm bei der Firma nachfolgen? Buffett ist 83 Jahre alt. Sein größter Kompagnon Charlie Munger wurde gerade 90. Buffett wird es wie immer machen und in Ruhe nachdenken. Eines seiner letzten großen Investments waren übrigens Zeitungen.

© SZ vom 03.05.2014/ipfa

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