Star-Ökonom twittert gegen US-Blog Roubini: Ausraster im Netz

Wehe, jemand stellt Nouriel Roubinis Prognosen in Frage. Weil sich ein US-Blog genau dazu erdreistete, verlor der Star-Ökonom beim Twittern vorübergehend die Contenance.

Von Paul Katzenberger

Wenn sich zwei Oberlehrer streiten, fliegen schon einmal die Fetzen. Zumal, wenn es sich bei dem einen Oberlehrer um einen Star-Ökonomen handelt, der sich von einem oberlehrerhaften Blogger mit zweifelhaftem Ruf korrigieren lassen muss.

Star-Ökonom Nouriel Roubini ist ein eifriger Twitterer mit knapp 26.000 Followern. Denen teilt er schon einmal recht unverhohlen mit, was ihm nicht passt.

(Foto: REUTERS)

Das besonders Interessante an diesem Diskurs war allerdings, dass die Einlassungen auf beiden Seiten maximal 140 Zeichen lang waren, häufig sogar deutlich kürzer: Die Herren prügelten vor den Augen der Weltöffentlichkeit über Twitter aufeinander ein.

Ausgelöst wurde der Clinch von Joe Weisenthal, dem stellvertretenden Chefredakteur des US-Blogs Business Insider, als er die jüngste Prognose des Ökonomen Nouriel Roubini auf seinem Blog kommentierte.

Roubini, der als einer der ersten Experten die US-Immobilienkrise vorhergesehen hatte und der wegen seiner notorisch pessimistischen Prognosen den Namen Dr. Doom (Prophet des Untergangs) verpasst bekam, hatte in einem Gastbeitrag für die Financial Times gewarnt, dass den USA im kommenden Jahr fiskalischer Schiffbruch drohe.

Weisenthal reagierte auf diesen neuerlichen Unkenruf Roubinis, indem er bei Business Insider einfach die letzte Konjunkturprognose Roubinis vom August veröffentlichte. Damals hatte Dr. Doom getwittert, dass die US-Wirtschaft im dritten Quartal höchstens mit einem Prozent wachsen werde, eher sei von einem Null-Wachstum auszugehen. Tatsächlich war am Tag von Weisenthals Blog-Posting bekanntgeworden, dass die US-Wirtschaft im dritten Quartal um zwei Prozent gewachsen war. Roubini hatte also danebengelegen - zumindest auf den ersten Blick.

Unverbesserlicher Skeptiker

Doch das ließ der Schwarzmaler nicht auf sich sitzen. Seinen knapp 26.000 Followern auf Twitter zwitscherte er ordentlich einen über Weisenthal. Der sei ein "Idiot", der noch nicht einmal die Grundzüge der Ökonomie verstehe. Das genannte Wirtschaftswachstum von zwei Prozent sei irreführend, weil es zum größten Teil auf dem Abbau von Lagerbeständen beruhe. Ein viel besserer Indikator sei der "erbärmliche Anstieg" der Final Sales von 0,6 Prozent.

Berücksichtige man diesen Effekt, habe er mit seiner Prognose vielmehr goldrichtig gelegen, twitterte Roubini trotzig und legte noch kräftig einen drauf: Würden die Final Sales im vierten Quartal ähnlich langsam steigen wie im dritten Quartal, werde das Wirtschaftswachstum unter null rangieren, prophezeite der streitbare Ökonom und machte seinem Namen als unverbesserlicher Skeptiker einmal mehr alle Ehre.

Weisenthal reagierte mit Spott: "Okay, dann erleben wir im nächsten Quartal also den Double Dip", bloggte er und erregte so erst recht den Zorn des Gelehrten. Der vergaß jede Facon des akademischen Disputs und twitterte in seinem Furor nun nicht nur gegen Weisenthal sondern gegen den ganzen Blog: "Das bedröhnte Geschäftsmodell von Business Insider: Zahle den Autoren Mindestlöhne für Sklaven, übe Druck auf sie aus, Geschwätz und Müll zu schreiben, damit sie ein paar Extra-Pennies durch Seitenabrufe verdienen."

Grundkurs im Umgang mit Twitter

Doch damit nicht genug. Kurze Zeit später schoss Roubini schon wieder gegen den Business Insider: "Diejenigen, die noch nicht einmal einen Grundkurs in Ökonomie besucht haben, sollten sich an ihren komparativen Vorteil beschränken: Müll und Junk-Geschwätz schreiben, das mit Pennies bezahlt wird."

Das waren allerdings nur die Tweets, die Roubini nicht wieder löschte. Der Business Insider dokumentierte auch folgende Aussage des Star-Ökonomen, die er später offensichtlich wieder von seiner Twitter-Seite nahm: "Inoffiziell: Weil er ein Verlierer ist und wie alle parasitären Verlierer hofft er auf Aufmerksamkeit und Seitenabrufe."

Diesen offensichtlichen Lapsus Roubinis ließ sich der Business Insider nicht entgehen, um nun selbst einen Grundkurs zu erteilen, nicht in Ökonomie, dafür aber im Umgang mit Twitter. In diesem erinnerten die Blogger süffisant daran, dass SMS-Nachrichten, die über Twitter versandt werden, öffentlich sind, ergo peinlich werden können.

Die eigene Vergangenheit ist dem Chefredakteur von Business Insider ganz offensichtlich nicht mehr peinlich. Der frühere Wertpapier-Analyst Henry Blodget musste sich 2003 wegen Aktienbetrugs verantworten und zahlte insgesamt vier Millionen Dollar an Strafe. Nach seinem unrühmlichen Ende an der Wall Street gründete der 44-Jährige den Business Insider, der in der US-Geschäftswelt für seine scharfen Kommentare bekannt ist.