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Star-Investor in Davos:Soros warnt Briten vor massiver Inflation

Day Three Of The World Economic Forum (WEF) 2017

Der Milliardär George Soros beim Weltwirtschaftsforum in Davos.

(Foto: Bloomberg)
  • George Soros rechnet bei seinem Empfang während des Weltwirtschaftsforums in Davos mit Donald Trump ab.
  • Der neue US-Präsident werde schädlich für die Wirtschaft sein.
  • Auch vom Ausstieg der Briten aus der EU hält der Investor wenig.

Von Bastian Brinkmann, Davos

Dieser Mann hat viel Geld verloren. Fast eine Milliarde Dollar hat George Soros der Wahlsieg von Donald Trump angeblich gekostet, schreibt das Wall Street Journal. Denn die Finanzmärkte sind nach Trumps Wahl zum neuen US-Präsidenten nicht wie von vielen erwartet zusammengebrochen. Anleger feiern seitdem eine Party, die US-Börsen steigen auf Rekordniveau.

Warum verspekuliert sich ein Superspekulant wie George Soros? Er erklärt die positive Stimmung mit den Hoffnungen, die viele in Trump setzen. "Weniger Regulierung und eine Steuerreform: Für sie ist ein Traum wahrgeworden", sagt Soros auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Er ist einer der bekanntesten Investoren der Welt, Anleger und sogar Regierungschefs hören ihm zu - wie auch die Besucher seines Davos-Empfangs, der vom Wall-Street-Sender Bloomberg übertragen wird.

Soros sagt dort auch, dass er Recht behalten wird. Langfristig werde ein Präsident Trump schädlich für die Wirtschaft sein. "Ich bin zuversichtlich, dass er scheitern wird." Denn Trump würde sich schon selbst widersprechen, dazu kämen seine Mitarbeiter, die miteinander streiten würden. All das erzeuge Unsicherheit. "Und Unsicherheit ist der Feind langfristiger Investitionen", sagt Soros.

Das hält Soros vom Brexit

Auch den Brexit lehnt Soros ab. Die Hoffnung der Briten werde sich zerschlagen, sagt er. "Inflation wird die treibende Kraft dahinter sein, dass sich ihr Lebensstandard veringern wird", sagt Soros. Das liege am schwachen Pfund. Der 86-jährige Soros wurde weltberühmt damit, dass er vor vielen Jahren auf den Verfall des britischen Pfunds wettete. Aber noch sei nicht alles verloren. "Sie können am Freitag austreten und übers Wochenende wieder beitreten", sagt Soros. Am Montagmorgen sei dann wieder alles beim Alten.

Für viele Trump-Wähler ist Soros ein Symbol für eine Elite, die sie betrügt und ausnimmt. Dabei ist es kein Geheimnis, dass der Milliardär die Demokratische Partei unterstützt, außerdem spendet er viel für westlich orientierte Gruppen vor allem in Osteuropa. Ungarn geht gerade gegen Stiftungen vor, die mit Soros-Geld finanziert werden. Das sei "total unakzeptabel", ein Angriff auf europäische Werte und den Rechtsstaat. Soros liest seine Ungarn-Äußerungen in Davos ab, es stehe zu viel auf dem Spiel.

Soros rechnet an diesem Abend mit Trump ab. "Er ist ein Möchtegern-Diktator", sagt er. "Ich sage 'Möchtegern', weil er es nicht schaffen wird." Die US-Verfassung und die nationalen Institutionen, vor allem das US-Parlament, seien zu stark, um von Trump geknackt zu werden. "Er steht für das Gegenteil der offenen Gesellschaft", sagt Soros. Sein Ideal sei eine "Diktatur oder ein Mafia-Staat".

© SZ.de/lkr

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