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Stahlindustrie:Thyssenkrupp verhandelt über Fusionspläne

Der Aufsichtsrat des Essener Unternehmens hat erstmals die geplante Stahlfusion mit dem indischen Tata-Konzern beraten. Im Streit mit den Arbeitnehmer-Vertretern soll nun eine Arbeitsgruppe verhandeln.

Von Caspar Busse und Benedikt Müller, München/Düsseldorf

Der Aufsichtsrat von Thyssenkrupp hat am Wochenende erstmals über die geplante Stahlfusion beraten. Man habe sachlich ein Verfahren bestimmt, wie man über den umstrittenen Zusammenschluss mit dem indischen Konzern Tata diskutieren wird, heißt es aus Verhandlungskreisen. Vorstand und Arbeitnehmer-Vertreter gründeten eine Arbeitsgruppe, die Streitfragen beraten soll.

Der Traditionskonzern Thyssenkrupp will seine Stahlwerke in Deutschland in ein Gemeinschaftsunternehmen mit Tata auslagern und sich künftig auf das Geschäft mit Aufzügen, Autoteilen und Anlagen konzentrieren. Eine entsprechende Absichtserklärung haben die Konzerne in der vergangenen Woche unterzeichnet. Ihr fusioniertes Unternehmen hätte 48 000 Mitarbeiter in Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden. Bis 2020 wollen Thyssenkrupp und Tata aber 4000 Stellen streichen, um den Überkapazitäten und den gesunkenen Stahlpreisen zu begegnen.

Arbeitnehmer-Vertreter kritisieren, die Pläne seien einseitig an den Interessen der Aktionäre ausgerichtet. Die IG Metall fordert den Erhalt von Standorten, Beschäftigten und deren Mitbestimmungsrechten. Die Gewerkschaft begrüßt, dass die Fusionspläne nun auf dem Tisch liegen. "Jetzt werden wir prüfen, bewerten und dann entscheiden", sagt Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall in Nordrhein-Westfalen.

Einem bindenden Vertrag mit Tata müsste der Aufsichtsrat von Thyssenkrupp zustimmen, der zur Hälfte mit Arbeitnehmer-Vertretern besetzt ist. Zwar haben Investoren wie die Krupp-Stiftung, die etwa 23 Prozent der Aktien hält, bereits ihre Zustimmung zu den Fusionsplänen signalisiert. Auch aus dem Umfeld des schwedischen Investors Cevian, der 15 Prozent der Anteile hält, heißt es am Sonntag, man unterstütze die Pläne von Konzernchef Heinrich Hiesinger. Allerdings drohen die Arbeitnehmer-Vertreter, geschlossen gegen einen Fusionsvertrag zu stimmen. Dann könnte Aufsichtsratschef Ulrich Lehner die Pläne mit seiner Doppelstimme durchsetzen; das wäre aber ein Tabubruch im traditionell mitbestimmten Konzern.

Wie verwoben Gewerkschaft und Vorstand von Thyssenkrupp sind, zeigt auch die Besetzung der neuen Arbeitsgruppe: Neben dem IG-Metall-Sekretär Markus Grolms soll der Personalvorstand des Dax-Konzerns, Oliver Burkhard, die Gruppe leiten. Der 45-Jährige war bis vor fünf Jahren noch IG-Metall-Chef in Nordrhein-Westfalen.

© SZ vom 25.09.2017

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