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Stahlindustrie:Thyssenkrupp prüft Staatshilfe

Deutschlands Marktführer prüft in der Corona-Krise, ob und welche Unterstützung er erhalten könnte. Einige Geschäfte laufen schlecht.

Deutschlands größter Stahlhersteller Thyssenkrupp sondiert, wie er eine möglicherweise drohende Geldnot infolge der Corona-Pandemie abwenden könnte - notfalls mit Hilfe des Staates. Noch sei nicht abschätzbar, in welchem Umfang sich die Krise und ihre finanziellen Folgen auf Thyssenkrupp auswirken werden. "Wie andere Unternehmen auch, führen wir deshalb vorsorglich Gespräche", sagt ein Sprecher am Montagabend: Man prüfe, ob und welche der staatlichen Hilfen in Betracht kämen.

Thyssenkrupp leidet seit Jahren unter hohen Schulden und Pensionspflichten, mehrere Geschäfte laufen schlecht. Schon vor Ausbruch des Coronavirus hatte der Konzern für dieses Jahr einen Verlust prognostiziert; er hat nur noch bedenklich wenig Eigenkapital. Daher hat Thyssenkrupp Ende Februar beschlossen, die Aufzugssparte für gut 17 Milliarden Euro an Finanzinvestoren zu verkaufen. Das Problem: Das viele Geld wird erst in Essen eingehen, wenn alle zuständigen Behörden die Übernahme genehmigt haben. Bis spätestens Herbst soll es so weit sein. Immerhin habe man von 13 erforderlichen Freigaben mittlerweile sechs ohne Auflagen erhalten, so der Sprecher, unter anderem aus China, den USA und Kanada.

"Da sind wir gut unterwegs." Bis zur ersehnten Milliardenüberweisung kämpft der Konzern nun zudem mit den Folgen der Corona-Pandemie. Beispielsweise ist die Nachfrage nach Stahl und Komponenten zurückgegangen, da mehrere Autohersteller ihre Produktion vorübergehend unterbrechen mussten. Thyssenkrupp hat an mehreren Standorten Kurzarbeit für Tausende Beschäftigte vorbereitet. Die Prognose für dieses Jahr hat der Konzern im März kassiert, weil die Lage so unsicher ist. Ohnehin kämpfen die Stahlwerke im Ruhrgebiet als Stammgeschäft der Essener seit Jahren mit dem weltweiten Wettbewerb.

Vor Thyssenkrupp hat bereits eine Reihe anderer Unternehmen günstige Staatskredite in der Corona-Krise beantragt, darunter etwa der Sportartikelhersteller Adidas oder der Reisekonzern Tui.

© SZ vom 21.04.2020 / ikt, Reuters

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