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Staatshilfen für Drogeriekette:Gutachten schürt Zweifel an Schleckers Zukunft

Wirtschaftsprüfer sind wenig optimistisch: Das finanzielle Risiko von Staatshilfen für Schlecker sei "noch vertretbar". Baden-Württemberg ist damit zufrieden - doch Niedersachsen sieht in dieser Wertung eine Warnung.

Am Wochenende erst haben 2200 Schlecker-Filialen dichtgemacht. Die wohl größte Schließungswelle in der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Jetzt, aber werde es wieder aufwärts gehen, so hoffte die verbleibende Schlecker-Mannschaft noch am Wochenende. Doch die Zitterpartie geht weiter.

Ein Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse-Coopers (PWC) sorgt für neuen Trubel, da es ganz unterschiedlich interpretiert wird. Vor allem das Land Niedersachsen sieht darin eine Warnung vor Staatshilfen. Und so ist die Zukunft des Drogeriekonzerns weiter ungewiss. Denn die Bundesländer müssen in den kommenden Tagen einen Kredit bereitstellen, wenn Schlecker eine gute Überlebenschance haben soll.

Der von Baden-Württemberg beauftragte Gutachter sieht es als "nicht gewährleistet" an, dass sich innerhalb von sechs Monaten ein Investor finde. Auch ein Weiterbetrieb in Eigenregie sei angesichts der vielen unrentablen Läden "sehr herausfordernd". Das Land Baden-Württemberg hatte das Gutachten in Auftrag gegeben, da der Insolvenzverwalter den Staat um Hilfe gebeten hatte. Nur mit einem Kredit der staatlichen KfW-Bank könne eine Transfergesellschaft geschaffen werden, die die 11.000 von der Kündigung bedrohten Mitarbeiterinnen vor der unmittelbaren Arbeitslosigkeit bewahrt.

Der verbleibende, gesunde Kern des Unternehmens werde dann für eine Rückzahlung dieses Darlehens sorgen, beteuerte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz und bat die Länder um Bürgschaften für solch einen Staatskredit. Ganz so zuversichtlich wie Geiwitz sind die Wirtschaftsprüfer nicht, aber auch sie halten das finanzielle Risiko für die Länder für "noch vertretbar". Eine Rückzahlung der Kredite über Erträge aus dem laufenden Geschäft sei zwar "mit hohen Unsicherheiten verbunden". Doch gebe es Konzerngesellschaften in Spanien und Frankreich als Sicherheiten.

Baden-Württemberg erwartet schriftliche Zusagen der Länder

Dem Land Baden-Württemberg, das Stammland des Schlecker-Konzerns, reicht diese Einschätzung als Beleg. Baden-Württemberg ist bereit, für die Transfergesellschaft Starthilfe in Form einer Bürgschaft zu geben. Allerdings fordert das Land von den anderen Ländern bis Mittwoch schriftliche Erklärungen, dass sie sich an dem Risiko beteiligen.

Auch das stark von Filialschließungen betroffene Bayern will in der Kabinettssitzung am Dienstag eine Bürgschaft auf den Weg bringen. Finanzminister Markus Söder (CSU) sei zuversichtlich, hieß es aus Regierungskreisen. Anders Niedersachsen. In einem der Süddeutschen Zeitung vorliegenden Schreiben warnt Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) seine Länderkollegen eindringlich vor Bürgschaften. "Zweifel bleiben nach den vorgelegten Unterlagen auch hinsichtlich der Frage der Werthaltigkeit der Sicherheiten seitens des Insolvenzverwalters zur Absicherung der Bürgschaft", erläuterte Bode.

Der vorläufige Insolvenzverwalter Geiwitz glaubt indes trotz der anhaltenden Diskussion weiterhin an die Zukunft von Schlecker. "Die Investorensuche läuft absolut planmäßig. Erste weiterführende Angebote sind bereits eingegangen", sagte sein Sprecher am Montag. Er halte die Sanierung und Weiterführung "für anspruchsvoll, aber machbar".