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Staatsanleihen-Auktion nach Italien-Wahl:Merkels braver Helfer tritt ab

In Genuss des neuen Ankaufprogramms (und damit niedrigerer Zinsen) kommen Staaten nur, wenn sie einen offiziellen Hilfsantrag an die Troika stellen. Für den müsste sich eine neue Regierung zusammenraufen. Untätig dürfen Italiens Politiker also nicht sein. Der Draghi-Effekt birgt nämlich auch eine Gefahr, die paradox klingt: Wissen Politiker die EZB hinter sich und damit die Garantie, billig an neue Schulden zu kommen, sinkt der Anreiz zu sparen - was besonders der Kanzlerin nicht gefallen dürfte. Sie hält vor allem Kürzungen staatlicher Ausgaben für die Lösung der Überschuldung. Draghi selbst mahnte Italiens Politiker bereits, trotz möglicher EZB-Hilfe nicht selbstgefällig zu werden.

Seit vergangenem Sommer ist Draghi der Mann, auf den die Märkte schauen. Das ist wohl auch der Grund, dass Investoren verunsichert sind, aber nicht in Panik geraten. Ihnen scheint eigentlich nur wichtig, dass Berlusconi nicht regiert. Er schwadronierte vor der Wahl vom Euro-Austritt. Unter einer Bersani-Grillo-Regierung könnten Reformen verlangsamt, Staatsausgaben wieder gesteigert werden. Doch Wahlergebnisse interessieren professionelle Investoren im Zweifel wenig, solange sie nur das Geld zurückbekommen, das sie den Regierungen geliehen haben. Die Käufe der EZB machen sie da zuversichtlich.

Den seit Draghis Versprechen vom Sommer ersten größeren Ausschlag nach oben hatte es bei den Renditen am Dienstag gegeben, unmittelbar nachdem das italienische Wahlergebnis bekannt wurde. Die Zinsen auf die frei auf dem Markt gehandelten Anleihen waren in die Höhe geschnellt - Zeichen erster Verunsicherung nach der Wahl. Die Financial Times zitierte einen anonymen Börsenhändler mit den Worten: "Die Nichtregierbarkeit wird eingepreist." Doch an diesem Mittwochmorgen hatten sich die Renditen schon wieder stabilisiert, im Fall des italienischen Papiers, das auf zehn Jahre läuft, waren sie sogar deutlich gesunken.

Trotz des politischen Patts fällt Italien nicht unmittelbar in einen Schulden-Strudel, wie es bis zu Draghis Machtgeste aussah. Die Krise, die im vergangenen halben Jahr unter Kontrolle schien, kehrt vorerst nicht zurück. Auch wenn Ministerpräsident Mario Monti, der brav die Sparvorlagen von Angela Merkel und Europäischer Zentralbank umsetzte, sein Amt demnächst verlassen wird, bleibt der große Einbruch aus. Ein Italiener in Frankfurt hat etwas dagegen.

Italiens ehemaliger Ministerpräsident

Die Karriere von Silvio Berlusconi