Staatliches Gütesiegel Forderung nach einer verpflichtenden Kennzeichnung von Fleisch

Eine Umfrage hatte Anfang des Jahres ergeben, dass etwa zwei Drittel der Verbraucher mehr für Fleisch zahlen würden, wenn die Tierhaltung dadurch besser sei. Bislang fehlte fast der Hälfte der Befragten allerdings das Wissen, woran sie Fleisch aus artgerechter Haltung erkennen können. Etwa neun von zehn Verbrauchern konnten auf Anhieb kein Label für Tierschutz nennen - obwohl verschiedene Bio- und Tierschutzverbände längst solche Etiketten eingeführt haben. Dem würde ein "staatliches Informationskonzept", wie es Christian Schmidt vorschlägt, entgegenwirken.

Die Verbraucherschützer fordern darüber hinaus eine verpflichtende Kennzeichnung von Fleisch. Auch für solche Betriebe, die sich nicht besonders um Tierschutz bemühen. Ähnlich sieht es die Grünen-Verbraucherschutzpolitikerin Nicole Maisch: "Statt eines freiwilligen Labels brauchen wir eine verbindliche Haltungskennzeichnung, so dass auf jedem Stück Fleisch und jeder Packung Milch klar zu erkennen ist, unter welchen Bedingungen die Tiere gehalten wurden", sagt sie.

Das Wohlbefinden von Schweinen hängt nicht nur von der Art des Stalls ab

Dies genau festzustellen, könnte das Ministerium allerdings vor eine Herausforderung stellen. Denn die eingängige Kennzeichnung der Hühnereier lässt sich auf die Haltungsbedingungen anderer Tiere nicht ohne Weiteres übertragen. Das Wohlbefinden von Schweinen, zum Beispiel, hängt laut Tierschutzbund nicht nur von der Art des Stalls ab, sondern auch davon, ob ihnen genügend Material zur Verfügung steht, mit dem sie sich beschäftigen können. Ohne Stroh, Hanfseile oder Bälle können die intelligenten Tiere auch in einem geräumigen Stall aggressiv werden und einander angreifen.

Peter Kunzmann, der in Hannover Angewandte Ethik in der Tiermedizin erforscht, empfiehlt deshalb, das Wohl der Tiere an ihrem Verhalten und Erscheinungsbild abzulesen. Sogenannte tierbezogene Indikatoren - etwa, ob die Krallen von Vögeln entzündet sind - seien ausschlaggebend, um die Haltung zu bewerten. Kunzmann war Mitglied eines Kompetenzkreises Tierwohl, der für das Landwirtschaftsministerium Empfehlungen für bessere Haltung in Deutschland erarbeitet hat.

Bei den Legehennen führte die Einführung der Käfig-Kennzeichnung zunächst zu einer leichten Veränderung der Ställe. Doch erst fünf Jahre später, das zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamts, ist der Einbruch massiv. In diesem Jahr wurde Einzelkäfighaltung in Deutschland verboten. Der Sprecher des Deutschen Bauernverbands lehnt solche Gesetze im Sinne des Tierschutzes ab. Zwar würden etwa Milchkühe in einigen Betrieben noch heute festgebunden und könnten sich kaum bewegen. Würde man dies untersagen, müssten diese Bauern aber aufgeben, sagt er. Schmidt will sein freiwilliges Label Ende Januar bei der Grünen Woche vorstellen.

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