"Du fragst Mutti, ob die Dir das arrangieren kann."

Es sollte der Deal seines Lebens werden. Dirk Notheis, Deutschland-Chef von Morgan Stanley, fädelte Ende 2010 den Rückkauf des Energieversorgers EnBW vom französischen EdF-Konzern durch das Land Baden-Württemberg ein. Der Preis: fünf Milliarden Euro. Die Provision für seine Firma: 16,3 Millionen Euro. Sein Startvorteil: Er war mit Ministerpräsident Stefan Mappus befreundet.

Der erste Skandal: Sie machten alles am Parlament vorbei. Der zweite Skandal: Notheis war bei dem Deal der große Macher, Mappus wirkte wie eine Marionette. Deutlich wurde das durch die E-Mails von Notheis an Mappus: "Bitte achte darauf, dass Du das durchziehst. Das verursacht sonst erheblich Sand im Getriebe, und das kann ich jetzt nicht gebrauchen." Oder: "Du solltest ihn (einen ungenannten Dritten) anrufen und bitten, dass er das Meeting mit Sarko organisiert. Oder Du fragst Mutti, ob sie Dir das arrangieren kann."

Mit Mutti ist Bundeskanzlerin Angela Merkel gemeint. In einer E-Mail an die Franzosen erklärt Notheis, warum Merkel auf Mappus hören wird: "Er kann Angela mit seinen Truppen töten." Und dann geht es noch um die Absicherung des eigenen Mandats: "Du wirst Anrufe von zahlreichen Banken bekommen, Du musst das alles ablehnen (!!) und sagen, dass Du bereits vollständig beratungstechnisch aufgestellt bist."

Der Skandal führte zu einem Untersuchungsausschuss im Stuttgarter Landtag. Mappus wurde abgewählt. Notheis musste gehen, heute managt er einen Fonds, der Unternehmen Kapital zur Verfügung stellt.

Bild: Stephan Rumpf 29. Juni 2013, 13:132013-06-29 13:13:00 © SZ vom 29.06.2013/rela