Tanken:Friedrich Merz bringt niedrigere Spritsteuern ins Gespräch

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Tanken: Die Preise für Benzin und Diesel sind in den vergangenen Wochen in Deutschland stark gestiegen.

Die Preise für Benzin und Diesel sind in den vergangenen Wochen in Deutschland stark gestiegen.

(Foto: Jens Büttner/picture alliance/dpa)

Der CDU-Vorsitzende will damit Pendler entlasten. Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer sieht den Preisanstieg bei fossiler Energie dagegen als "Chance".

Von Roland Preuß, Berlin

Angesichts von Rekordpreisen für Diesel und Benzin befeuert der neue CDU-Vorsitzende Friedrich Merz die Debatte über niedrigere Steuern auf Sprit und Energie. "Die neue Bundesregierung könnte den massiven Preisanstieg bei den Energiekosten dämpfen, indem sie staatliche Abgaben senkt", sagte Merz der Bild am Sonntag. Mit Blick auf Polen, das die Spritsteuern gerade verringert hat, sagte Merz: "Das wäre eine Option, die sofort Millionen Pendler entlasten würde." Die Regierung in Warschau hatte zum 1. Februar die Mehrwertsteuer unter anderem auf Sprit von 23 auf acht Prozent gesenkt.

ADAC-Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand forderte, sofort die Entfernungspauschale auf 38 Cent pro Kilometer zu erhöhen. "Die Belastung durch die immens gestiegenen Spritpreise droht dazu zu führen, dass sich viele Berufspendler teilweise die Fahrt zur Arbeit nicht mehr leisten können", sagte Hillebrand dem Blatt. Ähnliches hatte vergangene Woche bereits Unions-Fraktionsvize Ulrich Lange (CSU) verlangt, er warf der Bundesregierung Untätigkeit vor und brachte eine dynamische Entfernungspauschale ins Gespräch, also eine, die mit den Spritpreisen steigen würde.

Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer sieht dagegen in den stark gestiegenen Energiepreisen eine Chance für die Energiewende. "Eigentlich ist es die beste Werbung für die Energiewende. Sie bietet doch die Chance, sich weniger abhängig zu machen von Gas- und Ölimporten", sagte Schnitzer der Neuen Osnabrücker Zeitung. Je schneller die Energiewende vorankomme, desto unabhängiger werde man künftig sowohl wirtschaftlich als auch politisch sein. Die Wirtschaftsweisen sind ein Beratergremium der Bundesregierung.

Durch die Entfernungspauschale, auch Pendlerpauschale genannt, wird der Aufwand für die Wege zwischen Wohnung und Arbeitsplatz über die Steuererklärung zumindest teilweise ausgeglichen. Die alte Bundesregierung hatte die Pauschale im Rahmen ihres Klimaschutzprogramms bereits Anfang vergangenen Jahres ab dem 21. Kilometer von 30 auf jetzt 35 Cent angehoben. Von 2024 an steigt sie für eine Dauer von drei Jahren um weitere drei Cent auf dann 38 Cent pro Kilometer ab dem 21. Entfernungskilometer. Geringverdienende, die keine Einkommensteuer zahlen, erhalten eine Mobilitätsprämie.

Beides soll höhere Abgaben auf Sprit abfedern, die vor allem durch die CO₂-Abgabe entstehen. Diese greift seit 2021, stieg Anfang des Jahres erneut leicht an und beträgt mittlerweile laut Bundeswirtschaftsministerium etwa neun (Benzin) bis zehn Cent (Diesel) pro Liter.

Anfang 2016 kostete der Liter Diesel im Durchschnitt knapp einen Euro

In der vergangenen Woche hatten die Spritpreise neue Höchstwerte erreicht. Dem ADAC zufolge kostete ein Liter Super E10 im Bundesmittel 1,712 Euro, das sind 3,1 Cent mehr als in der Vorwoche. Das war knapp über dem bisherigen Rekordwert im September 2012. Damals lag der Preis für einen Liter bei 1,709 Euro. Für Diesel mussten Autofahrer in der vorigen Woche durchschnittlich 1,640 Euro bezahlen. Der Anstieg wirkt auch deshalb so heftig, weil die Spritpreise zwischenzeitlich stark gefallen waren, Anfang 2016 kostete Diesel im Durchschnitt knapp einen Euro pro Liter.

Die seit Wochen steigenden Spritpreise führen Ökonomen vor allem auf den hohen Ölpreis zurück, die Weltwirtschaft wachse und treibe die Nachfrage nach Kraftstoff. Hinzu kommen politische Unsicherheiten wie der Konflikt an der russisch-ukrainischen Grenze. Einen großen Teil des Kraftstoffpreises an der Zapfsäule machen allerdings Steuern und Abgaben aus, bei Benzin sind es laut ADAC mehr als 65 Cent pro Liter.

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