Sport und Kommerz:Euphorisch startet die "Weltmeisterliga"

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Sport und Kommerz: Geld mag zwar keine Tore schießen, wie das Sprichwort sagt. Die Kommerzialisierung hat die Bundesliga dennoch attraktiver gemacht.
Illustration: Hassân Al Mohtasib

Geld mag zwar keine Tore schießen, wie das Sprichwort sagt. Die Kommerzialisierung hat die Bundesliga dennoch attraktiver gemacht.

Illustration: Hassân Al Mohtasib

Nun hat Deutschland diese Weltmeisterschaft bekanntlich gewonnen, und zum Start der neuen Spielzeit an diesem Wochenende erlebt die Bundesliga einen Hype wie noch nie. Die Indikatoren dafür sind untrüglich: Als die beiden nationalen Branchenführer Bayern München und Borussia Dortmund ihre Spieler präsentierten, kamen zu dem PR-Geplänkel mehr als 150 000 Menschen. Selbst belanglose Vorbereitungsspiele wurden im Fernsehen übertragen und erreichten - gemessen am sportlichen Wert - unglaubliche Einschaltquoten. Sogar zu den Spielen der zweiten Liga, die am 1. August begann, strömen die Zuschauer. Wir erleben eine Fußball-Inflation, und trotz des Kommerzes ebbt das Interesse nicht ab. Ganz im Gegenteil.

Gar von der deutschen "Weltmeisterliga" ist in diesen Tagen euphorisch die Rede. Ein Anspruch, den die Bundesliga in Wirklichkeit weder sportlich noch ökonomisch erfüllt. Hierzulande gefeierte Teams tun sich schwer, gegen ausländische No-Names zu bestehen. Das Ausscheiden von Mainz 05 gegen Asteras Tripolis oder der knappe Sieg von Borussia Mönchengladbach am Donnerstagabend gegen FK Sarajevo schon bei der Qualifikation zur Europa-League zeigen dies. Nein, sportlich bewegt sich hierzulande nur der FC Bayern konstant auf Weltniveau, und an guten Tagen noch der Dortmunder BVB von Jürgen Klopp.

Ökonomisch ist der Rückstand noch offenkundiger. Die Deutschen sind zwar Weltmeister, doch ihre Bundesliga ist im globalen Maßstab zweitklassig. Branchenführer ist die Premier League, obwohl die englische Nationalmannschaft bei der WM in Brasilien schon in der Vorrunde sang- und klanglos ausschied. Krasser kann der Unterschied zwischen sportlicher und wirtschaftlicher Realität kaum sein.

Allein durch den Verkauf der Fernsehrechte ins Ausland nimmt die Premier League 800 Millionen Euro pro Jahr ein; die Bundesliga bringt es bislang auf nicht einmal ein Zehntel davon. Sie wäre erklärtermaßen schon über 200 Millionen Euro froh. In Deutschland selbst erzielen die 36 Erst- und Zweitligisten knapp 710 Millionen Euro pro Saison an Fernsehgeldern. Die Summe wird unter ihnen nach einem Solidarmodell verteilt, von dem kleine Klubs profitieren, weil sich beispielsweise der FC Bayern mit einem Bruchteil dessen zufriedengibt, was er bei einem Einzelverkauf seiner Übertragungsrechte erlösen könnte. So kassiert Bayern etwa 50 Millionen Euro pro Jahr. Etwa 50 Prozent weniger als Cardiff City kassierte, der Aufsteiger und am Ende Tabellenletzte der vorigen Saison in der Premier League.

Schon vor Jahren machten sich Vereine wie Manchester United, FC Liverpool, Real Madrid oder FC Barcelona, wann immer es ging, auf zu PR-Tourneen nach Asien, um sich in diesem immer fußballverrückteren und wirtschaftlich prosperierenden Kontinent zu positionieren. Um dort die eigene internationale Strahlkraft und damit den Marktwert zu steigern, Fans und Sponsoren zu gewinnen. Neues Ziel sind die Vereinigten Staaten, wo Fußball nicht erst seit dem famosen Auftreten der US-Boys bei der WM an Popularität gewinnt. In Asien und Nordamerika wartet ein Milliardenmarkt für die besten europäischen Klubs.

Die Bundesliga jedoch war sich zu lange selbst genug. Gewiss, sie tut sich allein der Sprache wegen im Ausland schwerer als die Premier League, Englisch ist nun mal die Weltsprache. Erst seit einigen Jahren entdecken einzelne Spitzenvereine die Auslandsvermarktung, allen voran, natürlich, der FC Bayern, die einzige deutsche Fußball-Marke von Weltruf. Gerade hat der Verein in den USA zwei Spiele absolviert und in New York ein Büro eröffnet.

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