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Spielzeug-Industrie:Hersteller wollen das Problem nicht wahrhaben

Bei den Spielzeugherstellern sieht man das alles ein wenig anders. Geschlechtertrennung? So ein Quatsch! "Im Kinderzimmer kann die singende Andrea sich mit dem Vulkanforscher und den Ninja-Helden zusammentun und gemeinsam das Universum erobern", hört man von Lego. Der Bauspaß mit Lego - man erinnere sich: Partykuchen und Ghostbusters - sei "geschlechterneutral". Eine Sprecherin von Mattel, dem Barbie-Hersteller, sagt, dass Mattel auch Jungs zum Puppenspielen animiere.

Der winzige Haken daran ist, dass sich die Barbiepuppen eben ausschließlich im pinken Bereich der Spielwarenabteilungen befinden. Immerhin: Es gibt jetzt auch eine Spieleentwickler-Barbie.

Manch einer wünscht sich die guten alten Holzbauklötze zurück

Manche Hersteller argumentieren auch so: Wenn die Kinder es nicht so haben wollen würden, könnten wir die Sachen nicht verkaufen. Gibt es bei Mädchen also vielleicht doch ein Pferde- und Prinzessinnen-Gen? Und rauscht bei Jungs eben einfach von Geburt an Indiana-Jones-Blut durch die Adern?

Diesen Eindruck gewinnt man, wenn man beim Marktforschungsinstitut "Iconkids & Youth" aus München nachfragt, das auf Kinder und Jugendliche spezialisiert ist. Es gebe ganz klare Jungs- und Mädcheninteressen, sagt der Geschäftsführer Ingo Barlovic, und die seien nun mal eher stereotyp. Die Studien des Instituts jedenfalls sind eindeutig: Jungs interessieren sich für Fußball, Autos und Superhelden; Mädchen für Haustiere, Feen und Prinzessinnen. Die Studien des Instituts werden wie viele Studien von Meinungsforschungsinstituten von der Industrie bezahlt.

Uta Brandes sehnt sich gerade so stark wie noch nie zurück in die Siebzigerjahre. Denn damals, so erinnert sich die emeritierte Professorin, spielten Jungs und Mädchen noch gemeinsam mit geschlechterneutralen Holzklötzen. Auch in der Werbung. Brandes ist eine der wenigen in Deutschland, die den Zusammenhang von Design und Gender erforscht haben. "Natürlich werden nicht aus allen Frauen, die mit Barbies gespielt haben, Hausfrauen", sagt sie. "Aber es ist prägend, wenn meine Welt nur aus Prinzessinnen besteht." Von diesen Prägungen müssten sich Männer und Frauen aktiv distanzieren. Es sei eben gerade eine sehr widersprüchliche Zeit - Transgender-Diskussionen und zugleich ein Rückfall in Hellblau-Rosa-Welten.