bedeckt München 20°

Spiele:Digitale Schattenspiele

Mit dem Deutschen Computerspielpreis will Digitalminister Alexander Dobrindt die Branche bekannter machen. Die meisten hier verkauften Computerspiele stammen aus dem Ausland.

Von Guido Bohsem, Berlin

Die Branche ist ähnlich groß wie das Schattendasein, das sie hierzulande fristet. Zwar ist der Markt für Computer- und Videospiele und die dafür notwendige Ausrüstung im vergangenen Jahr abermals gewachsen, um 4,5 Prozent auf insgesamt 2,81 Milliarden Euro. Doch gelten die Hersteller immer noch als die Schmuddelkinder der Unterhaltungsindustrie und die Spieler als seltsam. Laut Bundesverband interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) ist die Branche seit Jahren der dynamischste Kultur- und Medienmarkt in Deutschland. "Er wächst unbeirrt weiter", sagte BIU-Geschäftsführer Maximilian Schenk.

Seit ein paar Jahren hat auch die Politik die Spielebranche entdeckt. Gemeinsam mit dem BIU und dem anderen Branchenverband Game vergibt Digitalminister Alexander Dobrindt an diesem Donnerstag den Deutschen Computerspielpreis. "Die Games-Branche ist der Front-Runner der Digitalisierung", würdigte der CSU-Politiker die Industrie. "Mit dem Einsatz neuer Technologien wie Gestensteuerung und Virtual Reality zeigen unsere Spieleentwickler bereits heute, was künftig auch in anderen Wirtschaftsbereichen und in unserem Alltag Anwendung findet."

Deutsche Anbieter spielen in dem Milliardenmarkt nur Nebenrolle

Der Computerspielpreis gilt als wichtigster in Deutschland. Er wird an Spiele-Hersteller aus der Bundesrepublik vergeben, obwohl die meisten hier verkauften Spiele aus dem Ausland stammen. Der deutsche Anteil an den knapp zwei Milliarden Euro Umsatz durch die Spiele liegt lediglich im einstelligen Prozentbereich.

Im Gegensatz zu den großen Rennern im internationalen Markt sollen die ausgezeichneten deutschen Spiele kulturell und pädagogisch wertvoll sein. Nach Meinung von Kritikern geht der Preis damit am Geschmack der meisten Spieler vorbei. Doch setzt zumindest Dobrindt darauf, die hiesigen Anbieter weiter zu unterstützen. Im Vergleich zum Vorjahr hat das Ministerium seinen Anteil an den Preisgeldern noch einmal deutlich aufgestockt. Insgesamt werden nun 470 000 Euro vergeben, in 14 Kategorien.

Dass die deutschen Anbieter keine größere Rolle spielen, liegt auch am Fachkräftemangel. Zwar gibt es in Köln, Berlin, Darmstadt und Trier mittlerweile Studiengänge für künftige Game-Entwickler. Doch klagen immer noch 85 Prozent der Unternehmen darüber, nicht die geeigneten Mitarbeiter finden zu können. Das wird sich wohl erst ändern, wenn die Branche stärker aus dem Schatten tritt.

© SZ vom 07.04.2016

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite