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Spezialpolicen:Schutz für den Avatar

Onlinegamer können ihre Figuren und Waffen bei World of Warcraft oder Final Fantasy jetzt gegen den Verlust durch Hackerangriffe versichern.

Sie heißen Raíku, Wafflezx und Lion Strider und stehen auf den Ranglisten der Online-Spieler bei World of Warcraft (WoW) und Final Fantasy weit oben. Für die Besitzer sind diese Avatare unersetzlich. Die Gamer haben viel Zeit damit verbracht, ihre Figuren zu trainieren. Außerdem braucht so eine digitale Heldin oder ein Held Waffen und Schilde - die der Gamer im Spiel käuflich erwerben kann, gegen echte Euro oder Dollar, versteht sich.

Geht eine solche Figur durch einen Hackerangriff oder ein technisches Problem verloren, gibt es bisher keine Möglichkeit für Schadenersatz. Dasselbe gilt für die Bewaffnung. Das ist jetzt anders: Das Kölner Start-up Insurninja bietet Policen an, die virtuelle Gegenstände und ganze Charaktere versichern.

Insurninja sei weltweit das erste Unternehmen mit einer Police für virtuelle Güter, sagt Niklas Ex, der die Firma zusammen mit Tim Schlawinsky gegründet hat. Bisher beschränken sich Policen auf Computer, Tastaturen und andere Hardware-Komponenten.

Avatare sind virtuelle Figuren. Spieler stellen sie selbst zusammen: Kleidung, Haar- und Augenfarbe sowie Ausrüstung bestimmen sie. Viele haben auch eine eigene Persönlichkeit, die sich im Laufe des Spiels weiterentwickelt und neue Fähigkeiten gewinnt. Sie sind die animierte Selbstdarstellung der Gamer.

Die Gaming- und E-Sports-Industrie ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Allein in Deutschland spielen 44 Millionen Menschen online, auf der Spielkonsole oder dem Smartphone. Zusammen gaben sie im vergangenen Jahr 4,7 Milliarden Euro dafür aus. Und immer mehr Teams treten im professionellem E-Sport gegeneinander an, ein fruchtbarer Boden für das neue Versicherungsangebot. Insurninjas Police heißt "Digital Squad Protect". Das Start-up hat die Police zusammengestellt, verkauft sie und reguliert Schäden. Der eigentliche Risikoträger ist der Münchener Versicherer Markel, der Teil eines US-Konzerns ist. Die meisten Gamer spielen in Teams - auch auf dem Amateurlevel - und organisieren sich in Vereinen, erklärt Ex. Wenn ein Verein oder Team die Police abschließt, sind alle Mitglieder gegen Urheberrechtsverletzungen, Datenschutzverletzungen und Vermögensschäden abgesichert.

Die Deckungssumme beträgt entweder 10 000 Euro oder 25 000 Euro. Die Prämie richtet sich nach dem Umsatz des Vereins oder Teams, der Anzahl der Mitglieder und danach, an wie vielen Turnieren die Spieler teilnehmen. Wichtig ist auch, ob der Kunde selbst Veranstaltungen durchführt. "Die günstigste Variante liegt bei 220 Euro im Jahr", sagt Ex.

Noch gibt es keinen Abschluss. Allerdings wird das E-Sportsteam Penta demnächst eine Police abschließen, kündigt Ex an. Mit Penta hat Insurninja die Police gemeinsam entwickelt. Penta ist eines der erfolgreichsten Teams in Deutschland, ihm gehören nationale Titelträger sowie Weltmeister aus verschiedenen Disziplinen an. Penta hat außerdem eines der ersten E-Sport-Leistungszentren in Deutschland gegründet.