Spekulation mit Agrarrohstoffen:Andere Banken folgen

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Zwei Banken sind ihm in dieser Argumentation bereits vor einigen Monaten gefolgt. Die Deka, der Fondsdienstleister der Sparkassen, und die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) haben sich aus entsprechenden Produkten zurückgezogen. Ein Sprecher der Deka sagt, dass sein Haus zwar "keine Erkenntnisse darüber habe, ob die fraglichen Indexfonds überhaupt einen Einfluss auf die realen Preise hätten. "Wir können einen solchen Zusammenhang aber auch nicht ausschließen", so der Sprecher. Deshalb setze man gerade die entsprechenden Maßnahmen zur Veränderung der Fonds um. Noch müssen allerdings die Luxemburger Behörden zustimmen, da der Fonds dort aufgelegt ist.

Auch die LBBW weist darauf hin, dass es keinen beweisbaren Zusammenhang zwischen Fonds und Rohstoffpreis gebe. Dennoch hat sie sich entschieden auszusteigen: "Es geht der Bank darum, schon den Eindruck zu vermeiden, als würde der Hunger in der Welt durch Produkte der Bank verschärft", sagt ein LBBW-Sprecher.

Die Landesbank Helaba in Frankfurt gibt an, keine Produkte im Bestand zu haben oder zu vertreiben, die mit Agrarrohstoffen zu tun haben - einzige Ausnahme: zwei Zertifikate, die sie von der WestLB übernommen hat. Diese würden auslaufen, neue Produkte werden nicht aufgelegt. Auch die BayernLB und die NordLB geben an, keine Agrarrohstoff-Produkte zu vertreiben.

Zieht die Deutsche Bank nach?

Ob sich die Deutsche Bank den Landesbanken und der Commerzbank anschließt, ist offen. Letztlich könnte es auch sein, dass sich die Bank unter der neuen Führung von Jürgen Fitschen und Anshu Jain zu einem anderen Weg entschließt. Einen, den bisher nur die Allianz zu gehen gewagt hat. Der Versicherungskonzern ließ die Organisation Oxfam abblitzen, die die Rolle der Allianz am Rohstoffmarkt angeprangert hatte. Die Anlagetochter Pimco investiert sechs Milliarden Euro in Fonds, die Agrarrohstoffe enthalten. "Wir fühlen uns zu Unrecht kritisiert", sagt ein Allianz-Sprecher. Es seien nicht Gelder der Versicherten, die dort angelegt sind, sondern von Pimco-Kunden, die bewusst diese Entscheidung getroffen hätten. Die Allianz habe kritisch hinterfragt, welche Rolle sie auf dem Markt spiele, und sei zum Ergebnis gekommen, dass ihr Verhalten nicht schädlich sei. Im Gegenteil sorge man für liquide Märkte und nehme den Landwirten das Preisrisiko für eine bestimmte Zeit ab. Denn über die Derivate, die von der Allianz gekauft werden, können sich die Landwirte gegen schwankende Preise absichern.

Union Investment, die Fondstochter der Genossenschaftsbanken, hat einen Mittelweg eingeschlagen. Wie auch die Allianz ist sie der Meinung, dass ihre Geschäfte in normalen Marktphasen keine schädliche Wirkung haben. Wenn aber die Gefahr von Preisspitzen bestehe, könnten Finanzinvestoren die Preise verzerren, heißt es aus dem Institut. Deshalb setzt Union Investment auf die Entwicklung eines Frühwarnsystems für Preisspitzen. Bis auf Weiteres jedoch will man nichts daran ändern, dass ein Fonds im Volumen von über 300 Millionen Euro zu einem Drittel in Agrarrohstoffe investiert.

Die Deutsche Bank lässt sich Zeit. "Ein Erscheinungsdatum für die Studie gibt es noch nicht, das Thema ist komplex", sagt ein Sprecher. Es geht um viel Geld: Laut einer Studie von Oxfam umfassen die betroffenen Fonds der Deutschen Bank mehr als vier Milliarden Euro.

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