Süddeutsche Zeitung

SPD-Chef Gabriel bei Hochtief:Sigmar Schröder

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Ein Hoch auf Sigmar Gabriel: Der SPD-Chef macht auf Arbeiterführer und sagt den Hochtief-Mitarbeitern genau das, was sie hören wollen. Die Übernahme von ACS müsse verhindert werden. Sein Auftritt erinnert an eine Rede von Gerhard Schröder.

Als Sigmar Gabriel in der Essener Konzerntrale von Hochtief ankommt, erwarten ihn bereits die Beschäftigten. Er will im Innenhof zu den Mitarbeitern sprechen. Ein Reporter fragt ihn, ob er denn Hochtief helfen könnte. Gabriel sagt: "Mal sehen."

Drinnen hört sich das ganz anders an. Der SPD-Vorsitzende winkt den Mitarbeitern zu, die dicht an dicht von allen Etagen auf Gabriel schauen. Sie wollen eine Übernahme durch den spanischen Konkurrenten ACS verhindern. "No hablamos español!", steht auf einem Plakat, "Wir sprechen kein Spanisch". Auf einem Bettlaken beknien die Mitarbeiter den SPD-Chef: "Herr Gabriel, kämpfen sie für uns!"

Die Bilder erinnern an den Pleitefall Holzmann. 1999 schwang sich Gerhard Schröder zum Krisenretter auf, die Mitarbeiter riefen "Gerhard, Gerhard!" Der damalige Kanzler ließ sich für die Rettung des von der Insolvenz bedrohten Baukonzerns feiern - auch wenn der Konzern 2002 dann doch pleite ging.

Nun ist Sigmar Gabriel kein Kanzler, sondern in der Opposition. Aber er kämpft trotzdem: Die Bundesregierung solle die deutsche Wirtschaft zusammentrommeln, die eine Sperrminorität von 25,1 Prozent an Hochtief übernehmen könnte, fordert Gabriel. "Von alleine wird das nicht funktionieren", sagt Gabriel, die Regierung müsse sich einmischen. Offenbar würde er selber sich gerne einmischen. Die Politik solle aber nur Vermittler sein, kein Geldgeber: "Wir reden bei Hochtief nicht über Opel, nicht über Karstadt, nicht über Quelle, auch nicht über Holzmann. Wir reden über ein Unternehmen, dass keinen Cent staatliche Hilfe braucht."

Auch die Gesetze sollten geändert werden. Gabriel spricht sich dafür aus, das Übernahmerecht zu ändern, etwa nach dem Vorbild Großbritannien. Dort müsse ein Unternehmen, selbst wenn es über 30 Prozent der Anteile einer Firma halte, bei weiteren Aufstockungen um eine bestimmte Höhe wieder ein neues Übernahmeangebot an alle Aktionäre machen. "Dann würde er sich das sehr überlegen, weil er ja nicht soviel Geld hat", poltert Gabriel Richtung ACS. "Was hier passiert ist, ist volkswirtschaftlicher Unsinn." Hochtief sei derzeit ein Schnäppchen, dass an der Börse unterbewertet sei, "eine Perle des deutschen Unternehmensbestandes". Er sagt, was die Mitarbeiter jetzt hören wollen.

Der spanische Konzern hatte vor einem Monat überraschend sein Interesse an Deutschlands größtem Baukonzern angemeldet, an dem er bereits 30 Prozent hält. Hochtief ist damit von einer feindlichen Übernahme bedroht ist: Beim Management und dem Großteil der insgesamt 11.000 Mitarbeitern stößt das Gebot auf Ablehnung. ACS habe am deutschen Geschäft von Hochtief kein Interesse, kritisieren die Mitarbeiter, und werde es nach Möglichkeit nicht weiterentwickeln. ACS selbst hat allerdings wiederholt betont, das Unternehmen plane keine Zerschlagung des deutschen Konzerns.

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