SPD-Politiker Wend Werben für die Post

Neuer Job, neue Perspektiven: Der SPD-Politiker Rainer Wend wechselt in die Wirtschaft - und wird Außenminister der Post.

Von Caspar Dohmen

Der SPD-Wirtschaftspolitiker Rainer Wend tritt in die Fußstapfen von Monika Wulf-Mathies: Im April kommenden Jahres übernimmt er den Zentralbereich Politik und Nachhaltigkeit bei der Deutschen Post in Bonn. Salopp könnte man ihn dann als Außenminister der Post bezeichnen. Zuarbeiten wird Wend direkt Postchef Frank Appel, der dem Thema Nachhaltigkeit angesichts des Klimawandels eine zentrale Rolle im Konzern zugeordnet hat. Schließlich gehört die Post zu den großen Umweltverschmutzern, da sie täglich große Mengen an Briefen, Paketen und Waren mit Flugzeugen, Schiffen, Eisenbahnen und Lkw rund um den Globus befördert.

Rainer Wend - von der SPD zur Post.

(Foto: Foto: AP)

Wend ist bislang aber weniger als Umwelt-, denn als Wirtschaftspolitiker aufgefallen. Der 54-Jährige sitzt als wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD im Bundestag. "Meine Tätigkeit als Bundestagsabgeordneter ist für mich eine Art Traumberuf", sagte er einmal über sich selbst. Insofern kam sein Rückzug als Berufspolitiker überraschend. Im August dieses Jahres kündigte er an, er wolle beruflich noch einmal etwas Neues beginnen, wie diese berufliche Zukunft aussehe, stehe aber noch nicht fest. Vermutlich hatten Emissäre der Post schon damals Kontakt mit Wend aufgenommen, schließlich stand der Abschied der 66-jährigen Wulf-Matthies aus Altersgründen schon lange fest.

Aufgewachsen ist Wend in einem sozialdemokratischen Elternhaus in der konservativ geprägten Region Ostwestfalen. Sein Vater arbeitete als Schriftsetzer für den Medienkonzern Bertelsmann, seine Mutter als Modistin. "Politik war bei uns ein tägliches Leben", hat Wend einmal gesagt. Seit seiner Schulzeit engagierte er sich politisch, erst in der Schülervertretung, dann bei den Jungsozialisten und im Sozialistischen Hochschulbund. Mit 16 Jahren wird er SPD-Mitglied. Beeindruckt von Willy Brand beschäftigt er sich damals mit der Friedensbewegung und dem Antifaschismus.

Anders als viele politischen Altersgenossen ist Wend kein reiner Berufspolitiker. Er hat lange als Anwalt gearbeitet, ist dann über die Etappe des ehrenamtlichen Bürgermeisters von Bielefeld in den Bundestag gekommen. Künftig wird der Vater von drei Töchtern nicht mehr von Berlin, sondern von Bonn nach Bielefeld pendeln. Wend verfügt dann über einen Mitarbeiterstab in Bonn, Brüssel, Washington und Singapur. Sein Job dürfte derzeit zu den angenehmsten bei der Post gehören. Während die Mehrheit der Manager angesichts der Krise mit Kostensparen beschäftigt ist, kann Wend sich mit dem gesellschaftlichen Engagement des Konzerns beschäftigen. Dazu zählen beispielsweise drei Krisenteams, die bei Naturkatastrophen weltweit den Transport von Waren managen. Vielleicht profitiert Appel auch von dem politischen Instinkt seines Außenministers. Zuletzt zeigte der Vorstandschef wenig Fingerspitzengefühl, beispielsweise im Konflikt mit Verdi um die Zustellprobleme bei der Post.