Sparprogramm:Marktforscher GfK streicht Hunderte Stellen

GfK - Verbraucherstimmung

Die GfK will ihre Aktivitäten in Deutschland künftig am Stammsitz in Nürnberg bündeln, 16 von 23 Niederlassungen werden deshalb geschlossen.

(Foto: dpa)
  • Der Marktforscher GfK baut Hunderte Jobs ab, vor allem am Hauptsitz des Unternehmens in Nürnberg.
  • Die Stellenstreichungen sind Teil eines Sanierungsprogramms, um die jahrelangen wirtschaftlichen Probleme in den Griff zu bekommen.
  • Seit vergangenem Jahr ist auch der US-Finanzinvestor KKR an der GfK beteiligt - und zeichnet nun verantwortlich für die Sparpläne.

Von Uwe Ritzer

Deutschlands größter Marktforscher GfK schrumpft: Bis Ende 2019 streicht das Unternehmen gut jede vierte seiner insgesamt 2300 Stellen hierzulande, 16 von 23 GfK-Niederlassungen werden ganz geschlossen. Unterm Strich fallen bundesweit 600 Stellen weg. Darauf haben sich nach SZ-Informationen das Management und der Konzernbetriebsrat nach monatelangen Verhandlungen geeinigt.

Besonders hart trifft es demnach die GfK-Zentrale in Nürnberg, wo allein 400 von 1800 Arbeitsplätzen wegfallen sollen. Die Vereinbarung sieht auch einen Sozialplan für jene Beschäftigten vor, deren Jobs gestrichen werden.

Das Unternehmen will seine Deutschland-Aktivitäten künftig von Nürnberg aus steuern; lediglich die Standorte in Hamburg, Berlin, Frankfurt, München, Haßloch und Baden-Baden bleiben erhalten - vorerst jedenfalls. Zumindest einige davon sollen verkauft oder gegebenenfalls mit Partnern weiterbetrieben werden. Vor allem in Nürnberg wird es ein großes Stühlerücken geben. Zum einen fallen 400 Jobs weg, zum anderen werden aber zusätzliche Aufgaben am Unternehmenssitz konzentriert, weshalb Mitarbeiter aus zu schließenden Standorten dann Jobangebote für Nürnberg erhalten werden.

Stellenabbau als Teil der Sanierung

Der Abbau ist Teil eines groß angelegten Sanierungsprogramms für das schwer angeschlagene Unternehmen. Weltweit beschäftigt die GfK gut 13 000 Mitarbeiter. Bis 2019 will der Marktforscher etwa 200 Millionen Euro an Kosten einsparen, der Abbau von bis zu 2600 Stellen steht im Raum. Erst kürzlich wechselten bereits 500 GfK-Mitarbeiter in Bulgarien und Indien aus dem Unternehmen zum amerikanischen IT-Konzern IBM, dem neuen Technologiepartner der GfK.

Mit alledem zeigt sich immer klarer, wie drastisch der US-Finanzinvestor KKR bei der Mitte der 30er-Jahre als Gesellschaft für Konsumforschung gegründeten GfK durchgreift. Hintergrund sind wirtschaftliche Schwierigkeiten, die das Unternehmen seit Jahren nicht in den Griff bekommt. In höchster Not holte der GfK-Verein, ein Zusammenschluss aus 500 Institutionen und Privatpersonen und jahrzehntelang Mehrheitsaktionär der GfK, im vergangenen KKR an Bord. Seither wurde das Top-Management nahezu komplett ausgetauscht und das Unternehmen von der Börse genommen. Die operativen GfK-Geschäfte führt seit Anfang 2017 Peter Feld, der zuvor den Geschirrhersteller WMF sanierte - ebenfalls auf Betreiben von KKR.

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