Spanien Mehr Touristen, mehr Geld, mehr Wachstum

Die Touristen sind in Schwärmen zurückgekehrt nach Spanien (im Bild ein Strand in Benidorm an der Costa Blanca).

(Foto: dpa)
  • Zum ersten Mal seit dem Krisenjahr 2008 ist die spanische Wirtschaft im vergangenen Jahr wieder gewachsen.
  • Das liegt nicht nur an der gestiegenen Nachfrage im Land und einer Erholung des Bausektors, sondern vor allem auch an den Touristen: 2014 reisten so viele Besucher nach Spanien wie noch nie - und brachten auch so viel Geld ins Land wie noch nie.
Von Thomas Urban, Madrid

Weniger russische Touristen

Laut war im vergangenen Frühjahr das Gejammere in den spanischen Fremdenverkehrsämtern, als die EU nach der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim Sanktionen über Russland verhängte. Schlimme Folgen für die Ferienregionen am Mittelmeer wurden vorausgesagt, hatten doch prachtvolle Zuwachsraten bei den russischen Touristen dazu beigetragen, dass die Branche gut durch die Krise gekommen ist.

Nun hat das Ministerium für Industrie, Energie und Tourismus seine Jahresbilanz für 2014 präsentiert und alle Skeptiker und Schwarzmaler eines Besseren belehrt: Es wurde ein neues Rekordjahr, sowohl bei der Zahl der ausländischen Besucher, wie auch beim Gesamtumsatz. Zwar kam es erwartungsgemäß zum Einbruch bei den russischen Touristen, doch glichen ihn nicht nur Urlauber aus EU-Staaten aus, sondern überraschenderweise auch US-Amerikaner. Sie brachten pro Kopf fast zweieinhalb Mal so viel Geld ins Land wie die Europäer.

Die Tourismusbranche bleibt damit die Lokomotive der spanischen Wirtschaft: Im vergangenen Jahr nahm das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahresvergleich erstmals seit dem Krisenjahr 2008 wieder zu, und zwar um 1,4 Prozent, wie die nationale Statistikbehörde auf Grundlage vorläufiger Zahlen bekannt gab. Im Gesamtjahr 2013 war die spanische Wirtschaft noch um 1,2 Prozent geschrumpft.

Besucherrekord, Umsatzrekord

Dass es nun wieder Wachstum gibt, hat Spanien also nicht nur einer höheren Nachfrage im Land und einer Erholung des Bausektors zu verdanken - sondern auch seinen vielen Besuchern aus dem Ausland: Bereits 2013 hatte Spanien mit der Überschreitung der Marke von 60 Millionen Besuchern einen Rekord erzielt. 2014 wuchs die Tourismusbranche gegenüber dem Vorjahr nochmals um 7,1 Prozent auf fast 65 Millionen ausländische Gäste. Sie gaben die Rekordsumme von mehr als 63 Milliarden Euro aus. Die Zahl der russischen Touristen ging zwar um 10,3 Prozent zurück, dafür aber kamen 11,3 Prozent mehr Franzosen - eine Folge der Teuerungswelle in Frankreich, aber auch der Instabilität in den Urlaubsgebieten in Nordafrika, in die die Franzosen sonst gerne fahren. Die höchste Zuwachsrate verzeichneten mit 14,6 Prozent indes die Italiener, nicht zuletzt wegen einer Reihe von Anschlägen auf der ägyptischen Halbinsel Sinai, die bislang eines ihrer beliebtesten ausländischen Ziele war.

Es handelte sich um die höchsten Steigerungsraten, seitdem die Touristen in Spanien statistisch erfasst werden. Nach Ländern aufgeschlüsselt führten die Briten mit etwa 23 Prozent der Besucher. Grundlage der Kalkulation ist allerdings nur die Zahl der Reisenden, die Dauer des jeweiligen Aufenthalts wird nicht berücksichtigt: Der Teilnehmer einer Wochenenddiscotour auf Ibiza wird also genauso gewertet wie der Erholungssuchende, der den zweiwöchigen Familienurlaub an der Costa Brava verbringt. Vom zweiten Platz haben die Franzosen mit 16,3 Prozent erstmals die Deutschen verdrängt, die nur knapp dahinter lagen. Mit deutlichem Abstand, nämlich einem Marktanteil von etwa acht Prozent, folgten die sonnenhungrigen Besucher aus Skandinavien. Den fünften Rang nahmen die Italiener ein.

Vor Jahresfrist hatte man in den Touristenzentren noch gehofft, dass die Besucher aus Russland erstmals die Zwei-Millionen-Marke überschreiten. Denn zuletzt war ihre Zahl stark gewachsen: 2012 kamen 1,2 Millionen, 2013 schon 1,5 Millionen. Nun waren es 1,42 Millionen, Tendenz weiter fallend. Denn nach dem Absturz des Rubels im November ging die Zahl der Touristen im Dezember gegenüber dem Vorjahresmonat um fast 30 Prozent zurück. Die Generaldirektion Tourismus im Ministerium will darauf reagieren: Die Werbekampagne in den USA wird ausgebaut.