RaumfahrtSpace-X verdoppelt seinen Umsatz und halbiert seinen Verlust

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Die Bilanz war besser als erwartet: Eine „Falcon“-Rakete vor der Firmenzentrale von Space-X in Hawthorne/Kalifornien.
Die Bilanz war besser als erwartet: Eine „Falcon“-Rakete vor der Firmenzentrale von Space-X in Hawthorne/Kalifornien. Justin Sullivan/Getty Images via AFP
  • Space-X verdoppelt seinen Umsatz auf 7,8 Milliarden Dollar und halbiert seinen Verlust auf 541 Millionen Dollar im ersten Quartal seit dem Börsengang.
  • Die Aktie fällt trotz besserer Zahlen als erwartet um sieben Prozent im nachbörslichen Handel und notiert deutlich unter dem Ausgabepreis von 135 Dollar.
  • Am 6. August werden 911,5 Millionen zusätzliche Aktien handelbar, was das Angebot mehr als verdoppeln und den Kurs weiter drücken könnte.
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Zum ersten Mal seit dem Börsengang legt Elon Musks Weltraumfirma Quartalszahlen vor. Die sind besser als erwartet – aber an der Börse fällt die erste Reaktion dennoch verhalten aus.

Von Gunnar Herrmann und Dieter Sürig

SZ bei Google bevorzugen

Auf dem Mond sollte Space-X an diesem Mittwochmorgen eine spektakuläre Bruchlandung erleiden: Gegen 8.30 Uhr europäischer Zeit sollte dort die ausgediente obere Stufe einer Falcon-Rakete einschlagen, die im Januar vergangenen Jahres zwei Mondlander zum Mond gebracht hatte. Die Landung eines Geräts der US-Firma Firefly Aerospace war dabei geglückt, ein japanischer Lander zerschellte.

Auf der Erde hingegen scheint Space-X im Moment noch flugtüchtig: Dort präsentierte das Unternehmen in der Nacht zum ersten Mal seit dem Börsengang im Juni Quartalszahlen. Und mit einem Umsatz von 7,8 Milliarden Dollar und einem Verlust von 541 Millionen Dollar waren die besser, als es viele Analysten im Vorfeld erwartet hatten. Im Vorjahr hatte Space-X in den ersten sechs Monaten noch mehr als eine Milliarde Dollar Verluste verbucht, bei nur vier Milliarden Dollar Umsatz. An der Wall Street verloren die Titel am Mittwoch nach Börsenöffnung trotzdem rund zwölf Prozent.

Elon Musks Weltraumfirma war am 12. Juni an der Technologiebörse Nasdaq gelistet worden – 75 Milliarden Dollar hatte das Unternehmen bei diesem bislang größten Börsengang der Wirtschaftsgeschichte eingesammelt. Die Aktie war in den folgenden Tagen von ihrem Ausgabepreis von 135 Dollar auf mehr als 200 Dollar gestiegen. Seitdem allerdings befindet sie sich im Sinkflug, der Kurs liegt mittlerweile deutlich unter dem Ausgabepreis.

Aber wie genau investiert das junge Börsenunternehmen nun die riesigen Mengen an frischem Kapital, die am 12. Juni in seine Kassen geflossen sind? Und kann es die sehr hohen Erwartungen seiner Investoren überhaupt erfüllen, beziehungsweise sie zumindest nicht nachhaltig enttäuschen? Antworten auf diese Fragen erhoffen sich die Anleger von den Quartalszahlen.

Im Gegensatz zum Börsenprospekt, der auf den ersten Seiten verspricht, das Leben „multiplanetar“ zu machen und das „Licht des Bewusstseins in die Sterne zu erweitern“, war die bei einer Analystenkonferenz im Internet übertragene Präsentation der Bilanz ziemlich bodenständig. Über Mars und Mond, die Space-X gerne einmal besiedeln möchte, wurde eigentlich gar nicht gesprochen. Dafür ging es um die irdischen Geschäfte, die zwar wachsen, aber nach wie vor noch sehr viel Geld verschlingen, weil sie sich im Aufbau befinden. Die Geschäfte von Space-X verteilen sich auf drei Bereiche: die eigentliche Raumfahrt, also den Bau und Start von Raketen, den Bereich Konnektivität mit dem Satellitensystem Starlink und künstliche Intelligenz.

Der erste Bereich, die Raketen, ist sicher der bekannteste, er macht mit knapp einer Milliarde Dollar im vergangenen Quartal aber nur den kleinsten Teil der Umsätze aus. Für die Zukunft des Unternehmens dürfte er dennoch von zentraler Bedeutung sein. Space-X baut im Moment an seiner Starship-Rakete, deren 14. Testflug bevorsteht – sie soll dabei erstmals den Orbit erreichen und dort gleich Starlink-Satelliten der dritten Generation aussetzen. Diese größte je gebaute Rakete soll, wenn sie denn einmal zuverlässig fliegt, viel Fracht schnell und günstig in die Erdumlaufbahn und darüber hinaus befördern können.

Das Projekt ist die unverzichtbare Voraussetzung für andere Vorhaben, etwa die bemannte Raumfahrt zum Mond, den weiteren Ausbau des Starlink-Netzes und die Verlagerung von KI-Rechenzentren in die Erdumlaufbahn. Die derzeitige Frachtkapazität von 25 000 Tonnen pro Jahr soll Elon Musk zufolge mithilfe des Starship auf zunächst eine Million und dann auf bis zu zehn Millionen Tonnen im Jahr gesteigert werden. „Wahrscheinlich“ in einem Jahr werde man das Starship „mindestens einmal pro Tag“ starten sehen. Ein Problem mit dem Hitzeschild sei gelöst. Mit der Falcon 9, die mehrmals pro Woche startet, befördere man derzeit jährlich rund 2500 Tonnen Nutzlast ins All, rechnete Musk vor.

Derzeit ist Space-X mit seiner Falcon-Rakete bereits der größte kommerzielle Anbieter von Frachtflügen ins All. Dabei hat das Unternehmen auch schon Tausende eigene Satelliten in den Orbit geschossen, die es für sein Weltraum-Internet Starlink benötigt. Dieser Bereich ist bislang der einzige Unternehmensteil, der zuverlässig Gewinne abwirft. 1,7 Milliarden Dollar erwirtschaftete Space-X mit der satellitengestützten Internetverbindung. Zwölf Millionen Nutzer gibt es weltweit, 1,7 Millionen von ihnen kamen erst im vergangenen Quartal hinzu. Musk prophezeite am Dienstag weiteres Wachstum – Starlink werde schon in weniger als zehn Jahren für „einen Großteil des Internets“ stehen.

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Mit besonderer Spannung hatten Analysten die Umsatzzahlen der KI-Sparte erwartet. Dieser Bereich, zu dem auch die Social-Media-Plattform X und der Chatbot Grok gehören, war erst kurz vor dem Börsengang durch die Integration der Firma xAI dazugekommen. Er verbraucht im Moment mit großem Abstand die meisten Kapitalreserven. 15,9 Milliarden Dollar betrugen die Investitionen in diesem Bereich im vergangenen Quartal – insgesamt wurden in alle drei Geschäftsbereiche 18,4 Milliarden Dollar investiert. Space-X steckt das Geld in den Bau von Rechenzentren auf der Erde und arbeitet an einer Technologie, mit der Rechenzentren im All gebaut werden sollen. Erste Satelliten mit KI-Servern sollen Musk zufolge bereits im kommenden Jahr in den Orbit geschossen werden. „Wir erwarten, dass sich das Tempo der KI-Entwicklung deutlich beschleunigt“, sagte Musk. „Wir bauen Rechenkapazitäten schneller als alle anderen aus“, sagte er.

Die KI-Sparte spielte beim Börsengang eine zentrale Rolle für die sehr hohe Bewertung der Aktie. Am Dienstag konnte das Unternehmen neben den riesigen Investitionen immerhin auch eine deutliche Umsatzsteigerung auf 2,7 Milliarden Dollar vorweisen, 213 Prozent mehr als im ersten Quartal des Jahres. Das Wachstum stammt vor allem aus dem Dienstleistungsgeschäft – Space-X hat im großen Stil Kapazitäten seiner bestehenden irdischen Rechenzentren an Google und Anthropic vermietet.

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„Natürlich haben wir unsere Kapitalerhöhung auch am Börsengang von Space-X orientiert.“

Der Hype um Space-X ist längst auch eine Frage für die gesamte Weltraumbranche geworden – auch in Europa. Die Aktie etwa des mittelständischen Unternehmens OHB in Bremen, an dem die Familie Fuchs einen Anteil von rund 60 Prozent hat, war Ende 2025 knapp 120 Euro wert, erreichte Mitte Mai im Vorfeld des Space-X-Börsengangs zeitweise die Marke von 600 Euro und notiert nun bei 240 Euro. Wobei der Verlust wohl auch mit einer Kapitalerhöhung Ende Juni zu tun hat, bei der OHB knapp 500 Millionen Euro erlöst hat. „Natürlich haben wir unsere Kapitalerhöhung auch am Börsengang von Space-X orientiert“, sagt OHB-Chef Marco Fuchs. Dies sei „ein guter Moment“ dafür gewesen. „Wenn Space-X einen erfolgreichen IPO macht, dann machen wir kurz danach eine Kapitalerhöhung. Und das ist genau so gekommen.“

Dabei wollte sich OHB eigentlich von der Börse verabschieden, zumal der Investor KKR 2023 mit knapp 29 Prozent eingestiegen war. Der amerikanische Finanzinvestor hat seinen Anteil im Zuge der Kapitalerhöhung nun auf etwa 20 Prozent reduziert. „Bis Ende vorigen Jahres wollten wir uns von der Börse zurückziehen“, sagt Fuchs. „Aufgrund der positiven Entwicklung im Raumfahrtsektor sind wir aber zu der Überzeugung gekommen, dass wir besser an der Börse bleiben. Das hat auch mit der guten Entwicklung von Raumfahrtaktien zu tun.“ Beflügelt habe OHB letztlich „dieser Megatrend, der auch durch Space-X ausgedrückt wird: Weltraum“.

Auch in Bremen wird man deshalb sicher mit Interesse verfolgen, wie sich die neueste Bilanz nun auf den Börsenkurs von Space-X auswirkt. Am Dienstagabend sah es eher verhalten aus, obwohl die Erwartungen der meisten Analysten übertroffen wurden: So notierte die Aktie deutlich unter 120 Dollar und verlor zum Börsenauftakt am Mittwoch weiter. Und neben den Geschäftszahlen gibt es noch einen weiteren Faktor, der den Kurs drücken könnte. Frühe Investoren, darunter Space-X-Mitarbeiter, die bereits vor dem Börsengang Anteile an dem Unternehmen hielten, dürfen nun nach und nach ihre Aktien an der Börse verkaufen. Am 6. August werden so 911,5 Millionen Aktien zusätzlich handelbar, was die Zahl der verfügbaren Aktien mehr als verdoppeln könnte, je nachdem, wie viele der frühen Investoren die Gelegenheit nutzen, um zu verkaufen. Ein größeres Angebot an verfügbaren Aktien könnte den Kurs weiter senken.

Normalerweise gilt für frühe Investoren eine sogenannte Lock-up-Frist von 180 Tagen nach einem Börsengang. Weil im Fall von Space-X aber nur ein sehr kleiner Teil aller Aktien am 12. Juni an der Börse handelbar wurde – der Streubesitz lag lediglich bei etwa fünf Prozent –, wurden die Lock-up-Fristen über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr gestaffelt. Damit sollte vermieden werden, dass sehr große Aktienmengen gleichzeitig auf den Markt kommen. Das Angebot an Aktien wird also voraussichtlich in den kommenden Monaten kontinuierlich steigen. Wenn der Wert der Aktie da nicht verpuffen soll wie eine Staubwolke nach einem Raketenabsturz auf dem Mond, wird Space-X die Hoffnungen der Anleger also auch künftig immer wieder aufs Neue schüren müssen, um die Nachfrage nach den Wertpapieren weiter hochzuhalten.

In einer früheren Version haben wir geschrieben, dass der US-Finanzinvestor KKR 2024 bei der Bremer Raumfahrtfirma OHB eingestiegen sein, es war aber 2023. Wir haben das korrigiert.

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