Space-X:Vier Touristen fliegen alleine durchs All

Lesezeit: 2 min

Space-X: Die Privat-Astronauten Jared Isaacman, Hayley Arceneaux, Sian Proctor und Chris Sembroski (v. li.)

Die Privat-Astronauten Jared Isaacman, Hayley Arceneaux, Sian Proctor und Chris Sembroski (v. li.) vor dem Start in Cape Canaveral.

(Foto: INSPIRATION 4/via REUTERS)

Elon Musks Firma Space-X startet erste Mission ohne ausgebildete Astronauten. Die Passagiere wollen in der Erdumlaufbahn auch Experimente machen.

Von Dieter Sürig

2021 ist das Jahr des Weltraumtourismus: Zwei Monate nach den Flügen der Milliardäre Richard Branson und Jeff Bezos hat nun auch Elon Musks Raumfahrtfirma Space-X erstmals einen Flug ausschließlich mit Privatpersonen gestartet. Der Unternehmenschef ist zwar nicht dabei, dafür aber ein anderer Milliardär: Jared Isaacman, Gründer und Chef des börsennotierten Zahlungsdienstleisters Shift4Payments in Pennsylvania. Der 38-Jährige, der auch Verkehrs- und Militärjets fliegen kann, ist am Mittwochabend Ortszeit gemeinsam mit einer Arztassistentin, einer Geowissenschaftlerin sowie einem Luftfahrtingenieur von Cape Canaveral, Florida, aus mit einer Crew-Dragon-Kapsel ins All gestartet. "Heute inspiriert ihr wirklich die Welt", meldete sich das Kontrollzentrum von Space-X. "Gute Reise!"

Diesmal geht es nicht darum, in rund 100 Kilometer Höhe nur wenige Minuten Schwerelosigkeit zu erleben. Die Crew umkreist nun drei Tage lang mit etwa 27 000 Stundenkilometern die Erde, auf einer Höhe von etwa 585 Kilometern und somit weiter entfernt als die Internationale Raumstation ISS - dies ist damit auch ein Höhenrekord für Space-X. "Die Ausblicke sind spektakulär", jubelte Isaacman nach dem Start. Weltraumfans können die Position des Raumschiffs im Internet live auf der Seite von Space-X verfolgen.

Der Flug ist aber nicht nur zum Vergnügen gedacht: Zum rund 165 Kilogramm schweren Gepäck gehört auch wissenschaftliches Gerät für Experimente in der Schwerelosigkeit. Dabei will die Crew auch biomedizinische Daten sammeln und diese dann für Forschungszwecke zur Verfügung stellen. Dazu sollen beispielsweise Daten zu Bewegung und Schlaf, Blutsauerstoffsättigung, den Organen sowie Kabinenlärm und Lichtintensität gehören. Allerdings soll wohl auch genug Freizeit bleiben: Ein Kuppelfenster, das statt eines Andockadapters in die Kapsel eingebaut ist, erlaubt einen Panoramablick auf die Erde und ins All. "In einer Glaskuppel fühlt man wahrscheinlich am meisten, im Weltraum zu sein", twitterte Musk begeistert. Nach der Mission soll die Kapsel im Atlantik vor der Küste Floridas landen.

The Inspiration 4 civilian crew aboard a SpaceX Falcon 9 rocket launches from Kennedy Space Center

Die Crew-Dragon-Kapsel ist am Mittwochabend um 20.02 Uhr Ortszeit mit einer Falcon-9-Rakete von Space-X in Cape Canaveral, Florida, gestartet.

(Foto: JOE SKIPPER/REUTERS)

Isaacman will mit diesem Flug auch mindestens 200 Millionen Dollar für das Kinderkrankenhaus St. Jude in Memphis, Tennessee, sammeln, wofür er auch zahlreiche Objekte mitgenommen hat, um sie später zu versteigern. Darunter Non Fungible Token (NFT) - digitale Kunst mit Echtheitszertfikat -, Uhren, Spielzeug und eine Ukulele. Außerdem will eine US-Brauerei ein spezielles Bier aus 30 Kilo Hopfen herstellen, die mitfliegen. Isaacman hat selbst 100 Millionen Dollar gespendet, und er hat die 29-jährige St.-Jude-Arztassistentin Hayley Arceneaux als erste Mitreisende ausgewählt - und dann die anderen beiden Plätze über Spendenaktionen verlost.

So kamen schließlich die 51 Jahre alte Geowissenschaftlerin und Pilotin Sian Proctor sowie der 42 Jahre alte Luftfahrtingenieur Chris Sembroski zum Team dazu. Die vier haben sich ein halbes Jahr lang bei Space-X und in Cape Canaveral auf den Flug vorbereitet, unter anderem mit Zentrifugentraining, Zero-G-Flügen, Simulationen, medizinischen Tests, aber auch Höhentraining. So war das Team mehrere Tage auf etwa 3000 Meter Höhe im Gebiet des Mount Rainier bei Seattle unterwegs, einige bestiegen den knapp 4400 Meter hohen Gipfel. Gesteuert wird die Kapsel von einem Kontrollzentrum aus, wenn nötig, können Isaacman und Proctor als versierte Piloten eingreifen. Isaacman hatte den Flug im Februar angekündigt. "Ich bin Weltraum-Fan seit dem Kindergarten", wurde der 38-Jährige zitiert.

Space-X: Blick in die Kabine der Kapsel Crew Dragon während des Starts der Inspiration-4-Mission.

Blick in die Kabine der Kapsel Crew Dragon während des Starts der Inspiration-4-Mission.

(Foto: AP)

"Dieser Flug markiert den Übergang in der bemannten Raumfahrt von öffentlich zu privat", sagte der Raumfahrthistoriker John Logsdon der Washington Post. "Es ist, als ob jemand eine sich selbst steuernde Yacht mietet und damit in den Weltraum segelt." Wie viel Isaacman für die Mission zahlt, ist nicht öffentlich bekannt. Space-X will mit diesem Flug auch beweisen, dass sportlich fitte Durchschnittsbürger einen Flug ins All ohne jahrelange Vorbereitung absolvieren können. Die US-Firma Axiom will vier private Flüge mit Space-X zur ISS anbieten, Premiere ist im nächsten Jahr mit einer Wissenschaftsmission.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB