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Space-X:Musk schießt einen Tesla ins All

World's most powerful rocked Falcon Heavy soon ready for demonstration flight, Cape Canaveral, USA - 06 Dec 2017

"Ein rotes Auto für den roten Planeten", schwärmt Musk auf Instagram. In der Spitze der Falcon Heavy ist beim Premierenflug ein Tesla Roadster aus dem Fuhrpark Elon Musks verborgen.

(Foto: SPACEX/HANDOUT/EPA-EFE/REX/Shutt)
  • In den nächsten Tagen will Elon Musk einen Testflug mit einer neuen Rakete absolvieren.
  • Die Falcon Heavy ist die derzeit stärkste Rakete überhaupt.
  • Musk sagt: "Ziel ist der Mars-Orbit"

Was wohl in den Köpfen der Alligatoren vor sich geht? Sie sind am nächsten dran, wenn in Florida der Mensch ins Weltall aufbricht. Nur einen Kilometer nordwestlich des berühmten Launch Pad 39A im US-Raumfahrtzentrum Cape Canaveral, liegt das sogenannte Gator Hole, mitten im Sumpfgebiet.

An diesem Startplatz steht jetzt die Falcon Heavy, die größte Trägerrakete seit den glorreichen Zeiten der Apollo-Missionen. Dort, wo Ende der Sechzigerjahre erstmals Menschen mit der Saturn V zum Mond aufbrachen und später die Space Shuttles starteten, dort hat sich nun Elon Musk für sein Unternehmen Space-X für 20 Jahre eine Exklusivnutzung gesichert. Nach einem Streit mit der Raumfahrtfirma Blue Origin von Amazon-Gründer Jeff Bezos, der sogar den US-Kongress beschäftigte, hatte Musk 2014 von der Nasa den Zuschlag für Launch Pad 39A bekommen.

"Feel the heat"

Von dort aus will er den nächsten großen Schritt in der bemannten Raumfahrt machen und in den 2020er-Jahren Menschen zum Mars schießen. Wenn voraussichtlich am kommenden Dienstagnachmittag Ortszeit mit großem Getöse und gut vierjähriger Verzögerung erstmals die Falcon Heavy abhebt, haben die Raumfahrtfans im Vergleich zu den Alligatoren das Nachsehen. Die nächstgelegene Besuchertribüne der Nasa befindet sich erst gut sechs Kilometer entfernt am Banana Creek. Tickets dieser Kategorie namens "Feel the heat" für 195 Dollar sind längst ausverkauft.

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Aber nicht nur mit dem Startplatz ringt Musk um Aufmerksamkeit - auch mit dem Ziel: Der Jungfernflug führt nicht etwa in die Erdumlaufbahn oder rund um den Mond - nein, Musk will sofort zum Mars. Zumindest behauptet er das: "Ziel ist der Mars-Orbit", tönte Musk im Dezember per Twitter. Genau genommen geht es bei diesem Start darum, eine Höllenmaschine mit einem Schub von fast 23 000 Kilonewton ins All zu bringen. Und das auch noch mit besonderem Gepäck.

Normalerweise würden bei Testflügen Blöcke aus Stahl oder Beton als Probeballast mitgeführt, schrieb Musk. Aber das sei doch "extrem langweilig" - und "alles, was langweilig ist, ist schrecklich". Musk hatte eine andere Idee: Er wird einen Tesla-Roadster der ersten Generation in der Farbe Midnight-Cherry zum Mars schicken. "Ein rotes Auto für den roten Planeten", schrieb er auf Instagram und erhielt mehr als eine halbe Million Liebeserklärungen dafür.

Der E-Roadster soll, so stellt er es sich vor, eine Milliarde Jahre auf einer elliptischen Bahn den Mars umkreisen und dabei "Space Oddity" von David Bowie spielen. Musk labt sich auf Twitter an der Vorstellung, dass das Midnight-Cherry-Gefährt eines Tages von Aliens entdeckt werde, womöglich noch mit dem Buch "Per Anhalter durch die Galaxis" im Handschuhfach. Dass Spielverderber ihm vorrechnen, dass die Energie an Bord des Tesla nach dem langen Flug höchstens noch reiche, um 411 Stunden Bowie zu spielen, ficht ihn nicht an. Details sind Musk nicht wichtig. Das große Ganze dafür umso mehr.

Musk wirbelt zwei Branchen durcheinander

Das Magazin Rolling Stone nennt Musk "den Architekten des Morgen". Er habe zwei Bereiche mit "grotesk hohen Zutrittsbarrieren" erobert: die Herstellung von Autos - und von Raketen. Beide Branchen wirbelt er durcheinander, weil er Lösungen für die Schwachpunkte anbietet: Ist es in der Autoindustrie der Schadstoffausstoß, sind es in der Raumfahrt die hohen Kosten.

Ein Schlüssel dazu soll die Falcon Heavy werden, sozusagen die Trägerrakete des 21. Jahrhunderts. Sie ist zwar mit 70 Metern deutlich kürzer als etwa die mehr als 100 Meter lange Mondrakete Saturn V, dafür ist sie anders als die Saturn kein Einwegmodell, die Booster lassen sich wiederverwenden. Musk hat bei der Falcon Heavy - vereinfacht dargestellt - drei Antriebsstufen seines Basismodells Falcon 9 zu einer neuen Rakete verknüpft. Anstatt neun Triebwerke hat sie 27 in der ersten Stufe. Die Russen hatten vor Jahrzehnten Ähnliches probiert, doch alle Raketen explodierten kurz nach dem Start. Heute gilt es aber als unproblematisch, so viele Triebwerke zu kombinieren. Der große Vorteil: Die Schubkraft lässt sich gut dosieren. Besonders wichtig ist das, wenn die Antriebsstufen wie geplant zurück zur Erde schweben und sanft beim Startplatz aufsetzen sollen.