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Danone:Gefeuert

Emmanuel Faber ist seit 2014 Chef von Danone, kommt bei einigen Aktionären aber nicht gut an. Nun muss er gehen.

(Foto: ERIC PIERMONT/AFP)

Aggressive Aktionäre erzwingen den Rauswurf des Danone-Chefs - ein Schlag für Frankreichs Wirtschaft.

Von . und Leo Klimm, Paris

So schnell kann es gehen. Emmanuel Faber wird als Danone-Chef freigestellt - "mit sofortiger Wirkung", wie der Konzern am Montag mitteilt. Binnen zwei Wochen hat der Manager, der den weltweit größten Hersteller frischer Milchprodukte nicht allein aufs Geldverdienen ausrichten wollte, den Machtkampf gegen aggressive Investoren verloren.

Dabei hatte Faber ihnen Anfang März ein Zugeständnis gemacht, von dem er dachte, es würde ihn retten: Auf Druck der Investmentfonds Artisan und Bluebell Capital hatte er in seinen allmählichen Rückzug als Vorstandschef eingewilligt. Den Posten als Verwaltungsratsvorsitzender allerdings wollte er behalten. Das hätte es ihm erlaubt, seine Nachfolge zu bestimmen und so die Konzernstrategie weiter zu beeinflussen. Doch genau das wollten die sogenannten aktivistischen Investoren nicht - und überzeugten schnell weitere Danone-Aktionäre, Faber hinauszuwerfen. In einer Sondersitzung berief der Verwaltungsrat dafür jetzt Gilles Schnepp, den Kandidaten der aktivistischen Fonds, an die Spitze des Gremiums.

Der Sieg der Investoren über Faber markiert nicht nur eine Zäsur für Danone. Faber führte das Unternehmen in der Tradition des "wirtschaftlichen und sozialen Doppelprojekts", das Firmendynast Antoine Riboud 1972 ausgerufen hatte. Die klare Niederlage Fabers bedeutet auch einen Einschnitt für den Kapitalismus französischer Spielart.

So etwas ist man in Paris nicht gewöhnt

Erstmals gelingt es aktivistischen Fonds angelsächsischer Prägung, mithilfe bohrender Kritik bei einem großen französischen Unternehmen innerhalb kürzester Zeit ihren Willen durchzusetzen. Solche Manieren ist man in der von persönlicher Rücksichtnahme gekennzeichneten Pariser Geschäftswelt bisher nicht gewöhnt. Obgleich unter dem wachsenden Einfluss ausländischer Investoren seit einigen Jahren bestimmte Eigenheiten allmählich verschwinden. Etwa jene, dass Vorstand und Verwaltungsrat in vielen französischen Konzernen von derselben Person geführt werden. Dieses Modell erschwert die Kontrolle der Aktionäre über das Management - und wurde auch von Faber genutzt, um Danones Kurs zu bestimmen.

Faber, 57, war unter seinen Mitarbeitern zwar als eigensinniger und harter Chef bekannt. Zugleich ließ er jedoch die Rücksichtnahme auf soziale Belange und die Umwelt als Ziele in den Firmenstatuten festschreiben, die dem Gewinnstreben gleichwertig waren. Diese sozial-ökologische Ausrichtung missfiel den aktivistischen Aktionären: Sie bemängeln zu niedrige Gewinne, und dass Danone in der Corona-Krise an der Börse schlechter besteht als zum Beispiel der Rivale Nestlé.

Es genügte ihnen nicht, dass Faber im Herbst die Einsparung von 2000 Stellen angekündigt hatte, um die Gewinnmargen zu steigern. Trotz des Sparprogramms hatte der Konzernchef weiter die Unterstützung der meisten Gewerkschaften im Haus. Nach seinem Sturz äußern sich Betriebsräte besorgt, die aktivistischen Investoren könnten Danones Firmenkultur zerstören und eine neue Strategie diktieren.

Die Börse feiert Fabers Sturz

Die solcherart gefürchteten Fonds wiederum machen aus ihrer Genugtuung keinen Hehl. "Dies sind die ersten, entscheidenden Schritte, um Danone wieder auf einen Kurs profitablen Wachstums zu bringen", heißt es bei Bluebell Capital. Auch an der Börse wird Fabers Rauswurf gefeiert: Die Danone-Aktie gewinnt am Montag bis zu fünf Prozent an Wert.

Bis der Posten nachbesetzt wird, ist ein Managerduo mit dem Tagesgeschäft betraut. Die Vorstände Véronique Penchienati-Bosetta und Shane Grant leiten den Konzern interimistisch. Der neue Verwaltungsratschef Gilles Schnepp dagegen soll auf Dauer bleiben. Der aus dem Elsass stammende Schnepp, 62, hat zwar keine Erfahrung mit Konsumgüterherstellern - er führte früher den Elektronikfabrikanten Legrand. Dafür empfahl er sich stets als einer, der auf den Börsenkurs achtet.

© SZ
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