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Solarworld angeblich von China gehackt:Krieg um die Sonne

Stahlproduzenten, eine Gewerkschaft - und die Tochter eines deutschen Solarunternehmens: Auf der Liste der angeblich vom chinesischen Militär ausspionierten Unternehmen steht auch Solarworld. Unternehmenschef Asbeck wirft China vor, die "komplette Übernahme" seiner Branche zu planen.

Das US-Justizministerium ist nach eigenen Angaben einem chinesischen Hackerring in besonders brisanten Fällen von Wirtschaftsspionage auf die Schliche gekommen. Die Behörde hat gegen fünf chinesische Militärangehörige Anklage wegen Cyberspionage erhoben. Wie das Washingtoner Ministerium am Montagabend mitteilte, ist die amerikanische Tochterfirma von Solarworld eines von fünf US-Unternehmen, die Hacker im Dienst der chinesischen Volksbefreiungsarmee ausgespäht haben sollen. Neben Solarworld stehen der Aluminiumproduzent Alcoa, der Atomkraftwerkshersteller Westinghouse, die United States Steel Corporation, der Metallhersteller Allegheny Technologies sowie die Gewerkschaft USW auf der Liste der Opfer der mutmaßlichen Hackerangriffe, die US-Behörden veröffentlichten.

Die fünf Männer gehören der Klage zufolge der Einheit 61398 der Dritten Abteilung des Generalstabs der chinesischen Volksbefreiungsarmee an. Drei von ihnen sollen die Hackerangriffe ausgeführt und die anderen beiden die Taten durch die Verwaltung der benötigten Infrastruktur wie Domainnamen unterstützt haben. Es geht sowohl um aktuelle als auch um länger zurückliegende Angriffe. Die Cyberattacken sollen zwischen 2006 und 2014 stattgefunden haben. Der Fall gilt auch deshalb als brisant, weil die USA in dem in Pennsylvania geführten Verfahren erstmals strafrechtlich wegen Cyberspionage gegen einen anderen Staat vorgehen.

"Das verlangt nach einer aggressiven Antwort"

Die Angriffe der Hacker waren offenbar äußerst erfolgreich. Tausende Mails und Anhänge sollen den Datenjägern in die Hände gefallen sein. "Die Bandbreite der gestohlenen Handelsgeheimnisse und anderer sensibler Geschäftsinformationen in diesem Fall ist erheblich und verlangt nach einer aggressiven Antwort", wird US-Generalstaatsanwalt Eric Holder in der Pressemitteilung des US-Justizministeriums zitiert. Das chinesische Außenministerium wies die Vorwürfe als "unbegründet und absurd" zurück. Die neuen Vorwürfe belasten das Verhältnis der beiden Länder stark. Peking bestellte umgehend den US-Botschafter ein.

Der Vorstandschef des Solarmodulherstellers Solarworld, Frank Asbeck, greift Peking nach Berichten über Industriespionage in den USA scharf an. Es sei "nicht überraschend, dass China zu dem bewährten Mittel der Industriespionage greift", erklärte Asbeck in Bonn. "Die Volksrepublik plant die komplette Übernahme der internationalen Solarindustrie mit Mitteln den Dumpings und der Spionage", beklagte er. Mittlerweile kontrolliere China 80 Prozent des Marktes. Mit einer Anti-Dumping-Klage hatten sich Solarworld und andere Hersteller in den USA und in Europa gegen die eigene Krise gewehrt. Offenbar galt der Angriff aus China auch Dokumenten um diesen internationalen Handelskrieg.