Solarthermie:Warmes Wasser vom Dach

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Kollektoren rechnen sich in ökologischer und finanzieller Hinsicht, denn es gibt reichlich staatliche Förderungen.

Von Andreas Lohse

Rund 100.000 neue solarthermische Anlagen könnten in diesem Jahr auf Deutschlands Dächern installiert werden. Dies prognostizierte jüngst die Unternehmensvereinigung Solarwirtschaft (UVS). Damit dürfte bei uns, so die UVS, erstmals die Marke von einer Million Quadratmeter neu installierter Kollektorfläche überschritten werden. Halte die Nachfrage an, wären Ende dieses Jahres insgesamt 730.000 umweltfreundliche Solarwärmeanlagen in Betrieb, so UVS-Geschäftsführer Carsten Körnig.

Mit Solarkollektoren wird Wasser zum Duschen, Baden und teilweise auch zur Unterstützung der Raumheizung erwärmt - die Technik ist also nicht zu verwechseln mit Solarmodulen, die der Stromgewinnung mittels Photovoltaik dienen. Eine fachmännisch geplante, etwa sechs Quadratmeter große Anlage kann immerhin der Warmwasserbedarf eines Vier-Personen-Haushalts im Jahresdurchschnitt zu 60 Prozent deckten.

Das spart über 300 Liter Heizöl jährlich. Technisch ist es kein Problem, die Sonnenwärme auf dem Dach zu sammeln und sie mittels eines geschlossenen Kreislaufs bis in einen Warmwasserspeicher im Keller zu transportieren.

Im Kollektor durchdringen die Sonnenstrahlen eine Glasscheibe und erwärmen dort in einem Absorber eine Flüssigkeit in gut gedämmten Rohrleitungen. Darin zirkuliert zumeist ein Mix aus Wasser und Frostschutzmittel. Auf der Solarmesse Intersolar in Freiburg wurde im Juni allerdings auch ein neues System vorgestellt, worin ausschließlich Wasser als Wärmeträger genutzt wird.

Das Gemisch - oder das Wasser - durchfließt den Absorber, nimmt dort die Solarwärme auf, transportiert sie in den Speicher und gibt sie mittels Wärmeübertrager an das Brauchwasser ab. Die nunmehr abgekühlte Flüssigkeit wird zurück zum Kollektor gepumpt und der Kreislauf beginnt erneut.

Ist die Sonnenkraft nicht stark genug, springt die konventionelle Heizung an und bringt das Speicherwasser im Keller auf die zuvor eingestellte Temperatur. Das beste Ergebnis erzielt die Anlage, wenn die Dachfläche nach Süden ausgerichtet und das Dach zwischen 25 und 60 Grad geneigt ist. Abweichungen über 40 Grad nach Osten und über 50 Grad nach Westen verringern den Ertrag um etwa fünf Prozent.

Beim Einbau des Kollektors muss der Handwerker die Heizung kurzzeitig stilllegen. Deshalb werden solarthermische Anlagen vorzugsweise in den Sommermonaten installiert. Seit Juni müssen die geförderten Kollektoren den Qualitätsstandards des Umweltzeichens "Blauer Engel" entsprechen.

Die Kosten für eine Anlage mit Heizungsunterstützung für ein Einfamilienhaus beginnen bei etwa 8000 Euro für eine 15 Quadratmeter große Anlage mit einem Speicher zwischen 700 und 1200 Litern. Anlagen allein zur Brauchwassererwärmung ohne Heizungsunterstützung gibt es von etwa 5000 Euro aufwärts (Vier-Personen-Haushalt, inklusive Montage).

Je nach Technik und Ausstattung sowie nach individuellem Bedarf kann der Preis auch erheblich darüber liegen. Als Faustformel gilt: Es werden 15 Prozent der beheizten Wohnfläche angesetzt, ohne Flure, Schlafzimmer und andere wenig beheizte Räume. Der Speicher sollte pro Quadratmeter Kollektorfläche 50 bis 80 Liter betragen.

Die Erstinstallation aller Kollektortypen wird vom Bundesamt für Wirtschaft mit 110 Euro pro angefangenem Quadratmeter bezuschusst. Für die Fläche über 200 Quadratmeter hinaus gibt es noch 60 Euro pro Quadratmeter. Wer eine bestehende Anlage erweitert, kann ebenfalls mit 60 Euro pro Quadratmeter neuer Kollektorfläche rechnen.

Wird zur Finanzierung der Anlage ein Darlehen benötigt, kann man dafür zinsverbilligte Kredite aus dem CO2-Minderungsprogramm der bundeseigenen KfW-Bankengruppe in Anspruch nehmen. Wer eine Solaranlage installiert und gleichzeitig seinen alten Heizkessel gegen eine Brennwertheizung austauscht, erhält nochmals vergünstigten Kredit aus dem Gebäudesanierungsprogramm. Der Antrag läuft über die Hausbank.

Förderung gewähren auch manche Bundesländer, entweder als Zuschuss oder zinsgünstiges Darlehen. Regional kann es ebenfalls finanzielle Unterstützung geben, etwa durch die Kommune oder den Energieversorger.

© SZ vom 8.9.2004 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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