Solarstrom Die Sonne gepachtet

Wer sich keine eigene Solaranlage auf das Dach schrauben will, kann auch zum Pachtmodell greifen. Sparen lässt sich damit meist nicht viel.

(Foto: Miguel Villagran/Getty)

Es muss nicht immer eine eigene Solaranlage auf dem Dach sein. Photovoltaik-Panels kann man auch mieten.

Von Susanne Ehlerding, Berlin

Unbemerkt ist die Energiewende auf dem Kleinen Anton eingezogen. So heißt ein Mehrgenerationenhaus in der hessischen Gemeinde Gründau. Seit zwei Jahren hat das Gebäude eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach. Doch der Trägerverein muss sich darum kein bisschen kümmern. "Der Umweltgedanke ist uns zwar wichtig, aber mit der Anlage haben wir nichts zu tun", meint Sabine Zoller vom Trägerverein. Die Gemeinde hat die Anlage nur gepachtet. Geplant und gebaut wurde sie vom Dienstleister Next Energy. Von dem bekommt die Kommune den Strom pro Kilowattstunde ein paar Cent billiger im Vergleich zum Strom aus dem Netz, sie muss nichts investieren und sich nicht um die Wartung kümmern.

Solche Pachtmodelle sind noch neu. Der Nürnberger Versorger N-Ergie war einer der ersten, der sie angeboten hat. Inzwischen sind große Unternehmen wie EnBW und kleine wie die Technischen Werke Schussental in Oberschwaben dabei. Mittlerweile gibt Anbieter, die nichts anderes machen als PV-Anlagen zu verpachten wie Next Energy aus Hessen, DZ-4 aus Hamburg oder Greenergetic aus Bielefeld.

Für die Kunden liegt der Vorteil im Service. Die Anlage wird regelmäßig gewartet

Das Grundprinzip ist immer gleich: Statt Tausende Euro auf einen Schlag zu investieren, pachten die Kunden eine Photovoltaikanlage für einen festen Betrag pro Monat und nutzen den selbst erzeugten Solarstrom. Elektrizität, die sie selbst nicht verbrauchen, wird ins Stromnetz eingespeist. "Für die Energieversorger ist das interessant, weil auf diese Weise eine sehr enge Kundenbindung entsteht, denn die Verträge laufen meist über 18 Jahre", sagt Konstantin Schöne von N-Ergie. Ein schöner Nebeneffekt sei: "Es wirkt sich positiv aufs Image aus". Für die Kunden liegt der Vorteil im Service. Die Anlage wird regelmäßig gewartet, Reparaturen übernimmt der Versorger. Außerdem spart der Kunde die Finanzierungskosten, falls er sich das Geld für eine Anlage leihen müsste.

Wenn ein regionaler Energieversorger die Module und die Installateure auswähle, erschließe das ganz neue Kundengruppen, sagt der TÜV-zertifizierte Gutachter und Installateur Günter Franke. "Die Leute wissen: Da können wir auch kaufen", sagt der. Das Bedürfnis der Kunden nach Sicherheit kann er gut nachvollziehen. Als Gutachter hat er schon zu viele falsch montierte PV-Anlagen von schlechter Qualität gesehen, berichtet er.

Sehr viel Geld sparen kann man mit einer gepachteten PV-Anlage allerdings nicht. "100 bis 200 Euro im Jahr sind es ehrlich gerechnet", sagt Konstantin Schöne. Immerhin mache das Pachtmodell von künftigen Strompreiserhöhungen unabhängig. Wie hoch die Ersparnis ist, hängt davon ab, wie stark die Kunden ihren Stromverbrauch nach den Aufkommen der Sonnenenergie richten, die nur tagsüber anfällt. In der restlichen Zeit muss der Strom zum regulären Preis aus dem Netz bezogen werden. Aber 30 Prozent Eigenverbrauch sind immer machbar. Mit einem Speicher ist allerdings mehr möglich. Solche Puffer erlauben, zu 70 bis 80 Prozent Solarstroms zu nutzen. Trotzdem sollten Privatleute mit der Entscheidung für solche Anlagen noch warten, bis die Preise für Speicher fallen, rät Konstantin Schöne. Im Moment seien sie für den Einsatz im Privathaushalt noch zu teuer.

Anders sieht es im Gewerbe oder bei kommunalen Einrichtungen aus. "Wir sehen zu, dass wir bei Objekten, wo die Rahmenbedingungen passen, auch Speicher installieren", sagt Torsten Eurich von Next Energy. Bei Kitas, die vormittags viel und nachmittags wenig Strom verbrauchen, passt das Verbrauchsmuster zu einem Speicher. Die Investition lohnt sich auch für Next Energy. Denn die Höhe der Pacht steigt mit der Menge des genutzten Stroms vom Dach.

Trotz der Sicherheit, welche die Anbieter geben, sollten Kunden die Verträge der PV-Verpächter genau prüfen. Wichtig ist, wie viel man von der staatlich garantierten Einspeisevergütung für den Solarstrom abbekommt und ob es eine Pachtgebühr für das Dach gibt. "Man sollte auch vergleichen, wie teuer das Pachten im Verhältnis zum Kauf ist", sagt Julian Graf von der Verbraucherzentrale NRW.

Abgeraten wird von der Eintragung einer sogenannten Dienstbarkeit ins Grundbuch. Verkauft jemand sein Haus, gewährleistet der Eintrag, dass der Eigentümer die PV-Anlage weiterbetreiben darf, informiert der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW). Der neue Käufer möchte die Anlage aber vielleicht abmontieren. "Andererseits gehen Häuser mit einer PV-Anlage beim Verkauf deutlich besser weg", hat Günter Franke über die Jahre bei seinen Kunden beobachtet.

Noch gibt es keine allgemeingültigen Regeln für die Verträge

Insgesamt ist PV-Pacht ein Markt, der sich noch entwickelt. Auch für die Anbieter ist vieles im Fluss. Das zeigt eine neue Entscheidung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Verpächter einer PV-Anlage dürfen ihren Kunden ohne vorherige Erlaubnis der BaFin keine Finanzierungsdienstleistungen anbieten. Wenn ihre Verträge typische Leasingverträge sind, müssen sie zuvor genehmigt werden. Inzwischen hat die BaFin Kriterien für ein PV-Pachtmodell bestätigt, die die Nürnberger Kanzlei Rödl & Partner beispielhaft für einen Anbieter entwickelt hat. Noch aber gibt es keine allgemeingültigen Richtlinien für die Gestaltung der Verträge.

"Heutige Photovoltaik-Geschäftsmodelle sind vielfältiger, aber auch erklärungsbedürftiger als die früher praktizierte Volleinspeisung", sagt Carsten Körnig vom BSW. Mit dem kürzlich gegründeten Netzwerk "Sparen, Liefern, Pachten: Neue Solarstromkonzepte anwenden" will der BSW die Akteure der Branche in ihrer Entwicklung unterstützen.