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Solarstrom: Die Nutznießer:Die Sonnenkönige

Mit 27 Milliarden Euro subventionieren die Verbraucher die Erzeugung von Solarstrom. Davon profitieren vor allem etliche findige Unternehmer, die rechtzeitig investiert haben.

Die Summe ist gigantisch. Rund 27 Milliarden Euro müssen die deutschen Stromverbraucher in den kommenden Jahren aufbringen, um die Solaranlagen zu finanzieren, die bis dato in der Bundesrepublik installiert worden sind. Die privaten Stromerzeuger erhalten von den Energiekonzernen 20 Jahre lang für jede Kilowattstunde 43 Cent - das ist fünf- bis sechsmal so viel wie herkömmlich erzeugter Strom kostet.

Solarpark Leberose, Foto: Reuters

Der größte deutsche Solarpark steht im brandenburgischen Lieberose.

(Foto: Foto: Reuters)

"Solarschulden" nennen Experten die versteckten Subventionen, für die die Konsumenten noch jahrzehntelang zahlen müssen. Und die Lasten nehmen mit jeder neuen Anlage zu, die sich Bauern und Hausbesitzer aufs Dach schrauben. "Der Solar-Schuldenberg wächst jedes Jahr um neun bis zehn Milliarden Euro", schätzt Manuel Frondel, Ökonom beim Essener Forschungsinstitut RWI.

Mit dem Maserati unterwegs

All die Milliarden haben freilich wenig bewirkt. Auf Solarstrom entfällt in Deutschland bislang nur knapp ein Prozent des insgesamt produzierten Stroms. Auch Jobs sind nur in geringer Zahl entstanden. Selbst die optimistischsten Experten gehen von allenfalls 40.000 neuen Stellen aus - ein Gutteil der hierzulande verkauften Solarmodule kommt mittlerweile aus China oder anderen Billiglohnländern.

Eine Gruppe hat jedoch von den Subventionen profitiert - die Unternehmer, Finanziers und Spekulanten, die frühzeitig auf den Solarboom setzten. Bereits Ende der neunziger Jahre zeichnete sich ab, dass die rot-grüne Regierung die Nutzung erneuerbarer Energien großzügig fördern würde. Besonders viel Geld floss in die Photovoltaik, die Erzeugung von Strom aus Sonnenlicht.

Als einer der Ersten erkannte Frank Asbeck, einst Mitgründer der Grünen in Nordrhein-Westfalen, die Chancen der Sonnenenergie. 1998 begann er in Bonn die Firma Solarworld aufzubauen, die heute an der Börse 1,6 Milliarden Euro wert ist. Ein Viertel der Anteile gehören Asbeck. Der "Sonnenkönig" fährt einen schwarzen Maserati, ist bekennender Rotwein-Liebhaber und kaufte sich unlängst am Rhein ein ganzes Schloss.

Erfolgreicher Wella-Erbe

Asbeck ist freilich Unternehmer, der viel Arbeit und Kraft in seine Firma gesteckt hat. Andere Investoren wurden dank der Solarsubventionen fast mühelos reich. Zu ihnen gehören Firmenerben wie Immo Ströher, einst Mitinhaber der Darmstädter Kosmetikfirma Wella. Anfang des Jahrzehnts verkaufte die Familie Ströher das Unternehmen in mehreren Schritten an den US-amerikanischen Konzern Procter & Gamble.

Immo Ströher investierte seinen Anteil des Verkaufserlöses unter anderem in die beiden Solarfirmen Solon und Q-Cells. Bei Solon ist er weiter Großaktionär; die Beteiligung an Q-Cells veräußerte Ströher hingegen bereits nach wenigen Jahren - und strich dafür 640 Millionen Euro ein. Branchenkenner schätzen, dass der Wella-Erbe bei Q-Cells einen Gewinn von einer halben Milliarde Euro gemacht hat.