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Softwarekonzern:SAP  ist vorsichtig

SAP

SAP hat seinen Hauptsitz in Walldorf in Baden-Württemberg und ist bereits 1972 gegründet worden.

(Foto: Uwe Anspach/picture alliance / dpa)

Das deutsche Unternehmen rechnet wegen Corona mit weniger Gewinn, die Anleger sind positiv gestimmt.

Von Caspar Busse

Als SAP-Chef Christian Klein im vergangenen Herbst Zahlen, einen enttäuschenden Geschäftsausblick und eine neue Strategie verkündete, fiel die Reaktion der Anleger denkbar harsch aus. Die SAP-Aktie, als wertvollstes Unternehmen das Schwergewicht im Deutschen Aktienindex (Dax), rutschte massiv ab, an einem einzigen Börsentag verlor der Konzern damals, Ende Oktober 2020, rund 30 Milliarden Euro an Wert. Von diesem Einbruch hat sich SAP seitdem nicht wieder erholt, die Aktie ist weit von den ehemaligen Jahreshöchstständen, die über der Marke von 140 Euro lagen, entfernt.

In der Nacht zu Freitag veröffentlichte SAP, immerhin Europas größter Softwareanbieter, erneut Zahlen und einen Ausblick. Und obwohl auch diese nicht so positiv ausfielen, waren die Investoren diesmal gnädiger. SAP-Aktien gehörten zu den kleineren Dax-Verlierern und lagen bei 105 Euro. Offenbar herrschte Erleichterung, nachdem 2020 zwei Mal hintereinander die Prognosen nach unten revidiert werden mussten. Im vierten Quartal 2020 schnitt SAP besser ab als erwartet. Das bereinigte Betriebsergebnis verbesserte sich damit nach vorläufigen Zahlen leicht auf 8,28 Milliarden Euro. Seit Ausbruch der Corona-Krise schaut SAP verstärkt auf die Kosten, spart auch mit weniger Geschäftsreisen, geringeren Gebäudekosten und den Umstieg auf virtuelle Veranstaltungen. Der Umsatz legte währungsbereinigt ein Prozent auf 27,3 Milliarden Euro zu.

Der Ausblick für 2021 ist dagegen verhalten. Das Ergebnis könne 2021 um bis zu sechs Prozent zurückgehen, kündigte der Vorstand an. Mindestens wird mit einem Minus von einem Prozent gerechnet. Man gehe davon aus, dass die Corona-Krise langsam abklingt und sich die Nachfrage nach Unternehmenssoftware in der zweiten Jahreshälfte "allmählich verbessert". Finanzchef Luka Mucic teilte mit, SAP befinde sich auf dem richtigen Weg: "Die beschleunigte Umstellung der SAP auf das Cloudgeschäft wird langfristiges, nachhaltiges Wachstum sichern und unserem Unternehmen deutlich mehr Widerstandsfähigkeit und Planungssicherheit verleihen." Vorstandschef Klein, der 1999 als Werkstudent bei SAP anfing, will die Krise nutzen, um SAP als reinen Cloud-Anbieter zu etablieren und das Geschäft mit Softwarelizenzen zurückzufahren.

Zudem teilte SAP mit, dass Adaire Fox-Martin zum Monatsende den Konzern verlassen werde. Sie arbeitet seit 2008 für SAP, gehört seit 2017 dem Vorstand an und verantwortet die weltweiten Kundenbeziehungen. Ihr Nachfolger soll Scott Russell werden, der 47-jährige Australier ist seit 2010 bei SAP. Zudem wird Julia White, 47, als Marketingchefin in den Vorstand einziehen, die US-Amerikanerin arbeitete bisher 20 Jahre lang für Microsoft.

© SZ vom 16.01.2021
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