Snapchat:Anleger enttäuscht

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Die Quartalsergebnisse der Social-Media-App, bekannt für deren Fotofilter, bleiben deutlich hinter den Erwartungen zurück. Die Resultate werden als richtungsweisend für andere Unternehmen der digitalen Branche gesehen.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Cool. So wird die populäre Foto-App Snapchat häufig bezeichnet, weil vor allem Jugendliche sie cool finden. Als cool gilt auch der selbstbewusste Gründer Evan Spiegel, der seine hinter Snapchat stehenden Firma Snap Anfang März mit großem Gedöns an die Börse brachte - die zu 17 Dollar ausgegebenen Aktien stiegen binnen eines Tages auf knapp 30 Dollar. Das Quartalsergebnis allerdings, das Spiegel nach diesem Börsengang jetzt vorlegte, ist gar nicht cool.

Zwar hat sich der Umsatz auf 149,6 Millionen Dollar nahezu verdreifacht, doch dem steht ein Verlust von 2,2 Milliarden Dollar gegenüber. Darin sind die Optionen für Mitarbeiter aus dem Börsengang enthalten, doch selbst ohne diese Einmal-Zahlungen lag der Verlust noch immer bei 209 Millionen Dollar. Die Aktie rutschte im nachbörslichen Handel auf 18,50 Dollar und damit fast wieder auf den Ausgabewert. Was die Anleger aber beunruhigen dürfte: Die Zahl der täglich aktiven Nutzer steigt nicht mehr so stark an wie früher - und das schon eine Weile. Derzeit nutzen 166 Millionen Menschen Snapchat täglich.

In der Telefonkonferenz am Mittwochabend präsentierte sich Spiegel gelassen: "Wir haben Schwierigkeiten damit, den Leuten zu erklären, dass größer nicht immer besser ist", sagte er. Die Nutzer würden durchschnittlich drei Milliarden Einträge pro Tag produzieren und seien jeden Tag mehr als 30 Minuten auf dem sozialen Netzwerk aktiv. Vereinfacht ausgedrückt: lieber weniger, dafür aber treue und aktive Nutzer als Millionen von Karteileichen.

Die Resultate von Snapchat werden als richtungsweisend für andere Unternehmen gesehen

Die Resultate von Snap werden als richtungsweisend für andere Unternehmen gesehen, es langfristig mit Silicon-Valley-Platzhirschen Google oder Facebook aufnehmen zu können. Was Snap besonders zusetzt: Gerade Facebook kontert Erfindungen von Snapchat wie witzige Filter auf Fotos und Geschichten mit geringem Haltbarkeitsdatum mit eigenen Produkten, die den Originalen verblüffend ähnlich sind. Spiegel sagte dazu: "Wenn du großartige Sachen erfindest, dann solltest du es als innovatives Unternehmen genießen, wenn andere Leute das kopieren." Das klingt cool, ist für Investoren allerdings keine zufriedenstellende Antwort darauf, wie sich Snapchat mittelfristig von Facebook unterscheiden möchte.

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