Unfallrisiko:So gefährlich ist eine Kurznachricht am Steuer

Unfallrisiko: Verboten, aber doch recht häufig: Kurznachrichten am Steuer schreiben.

Verboten, aber doch recht häufig: Kurznachrichten am Steuer schreiben.

(Foto: Rolf Kremming/Imago)

Jeder vierte Autofahrer schreibt manchmal SMS oder Whatsapp-Nachrichten, vor allem junge Menschen. Doch Technik, die bei Ablenkung vor Unfällen warnt, lehnen viele Fahrer ab.

Von Ralf Gehlen, Köln

Junge Menschen telefonieren weniger, sie schicken sich lieber Textnachrichten. Das hat einen gefährlichen Nebeneffekt: Immer mehr Autofahrerinnen und Autofahrer lesen oder schreiben während der Fahrt SMS oder Whatsapp und erhöhen damit ihr Unfallrisiko drastisch.

Herausgefunden hat das die Allianz. Gemeinsam mit der Gesellschaft für Innovative Marktforschung hat die Münchener Versicherung 1202 Personen zum Verhalten am Steuer befragt und das Ergebnis mit einer Vorgängerstudie aus dem Jahr 2016 verglichen. Das beunruhigende Ergebnis: Die Zahl der Autolenker, die sich während der Fahrt mit Textnachrichten beschäftigten, ist zwischen 2016 und 2021 um fast ein Drittel auf 24 Prozent gestiegen. "Wer am Steuer während der Fahrt Nachrichten schreibt, hat ein mehr als 50 Prozent erhöhtes Unfallrisiko", sagt Christoph Lauterwasser, Leiter des Allianz-Zentrums für Technik (AZT).

2016 war das Telefonieren noch die größte Gefahr. Aber inzwischen haben immer mehr Autos Freisprecheinrichtungen - und es wird weniger telefoniert. Textnachrichten werden dagegen zum immer größeren Risiko. Dazu kommen Geräte, die eigentlich das Fahren sicherer und angenehmer machen sollen: Auch Bordcomputer sind eine bedeutende Unfallquelle.

2016 hatte nur ein Drittel aller Befragten ein Fahrzeug mit Bordcomputer, bis 2021 hat sich der Wert auf fast 50 Prozent gesteigert. Die Hälfte der Befragten gab an, sich von der Bedienung des Bordcomputers abgelenkt zu fühlen. Das Unfallrisiko erhöht sich dadurch laut der Studie um 44 Prozent. Wenn das Autoradio über den Bordcomputer bedient wird, erhöht sich das Unfallrisiko sogar um 89 Prozent.

Außerdem sorgt die Digitalisierung des Autofahrens für einen gefährlichen Nebeneffekt. Weil viele Neuwagen inzwischen automatisch Spurwechsel vollziehen oder bei drohender Kollision bremsen, fühlen sich Autofahrer sicherer beim Daddeln mit ihrem Smartphone.

Keine Einsicht in die Gefahr

"Sich beim Autofahren mit dem Smartphone zu befassen, gehört mittlerweile zur Normalität, aber gleichzeitig nehmen die Ablenkungsmöglichkeiten in heutigen Fahrzeugen immer weiter zu", sagt Allianz-Vorstandsmitglied Lucie Bakker. "Kern des Problems ist, dass vielen Fahrerinnen und Fahrern die Gefahr zwar bekannt ist, sie diese Einsicht aber nicht auf ihren Fahralltag übertragen."

Positiv sieht die Allianz, dass seit 2021 die Ablenkung als Unfallauslöser von der Polizei erfasst wird. Deshalb gibt es bessere Zahlen zu Unfällen, die auf Ablenkung basieren. 2021 wurden laut Statistischem Bundesamt 8233 Menschen infolge von Ablenkung verletzt, 117 kamen ums Leben.

Das entspricht einem Anteil von fünf Prozent der 2562 Verkehrstoten im Jahr 2021. Die Zahl solcher Unfälle stieg in den ersten zehn Monaten des Jahres 2022 noch einmal um 23,5 Prozent. Die Allianz geht aber von einer hohen Dunkelziffer aus.

Junge Menschen im Alter zwischen 18 und 24 Jahren seien besonders gefährdet. So gaben 30 Prozent von ihnen an, während der Fahrt mit dem Telefon in der Hand zu telefonieren. Im Vergleich dazu liegt der Anteil der Befragten in allen Altersgruppen bei 16 Prozent. 40 Prozent der Jüngeren gaben zu, sich während der Fahrt mit Kurznachrichten zu beschäftigen. Dabei ist es verboten, das Smartphone während der Fahrt in die Hand zu nehmen - egal, ob man telefoniert oder eine Kurznachricht tippt. Derzeit drohen ein Bußgeld von 100 Euro und ein Punkt in Flensburg.

Ein Mittel gegen die Handynutzung wäre beispielsweise die digitale Fahrerüberwachung. Es gibt Systeme, die Augen, Gesicht oder Kopf des Fahrers per Infrarotabtastung überwachen und bei Abweichungen einen Warnton ausgeben. Aber nur 39 Prozent der Befragten möchten diese Art von Fahrerkontrolle. Höhere Bußgelder und längere Strafen sind für die Befragten dagegen eher akzeptabel.

"Für das Driver Monitoring besteht noch Überzeugungsbedarf", sagt Lauterwasser. "Es soll dabei nicht um Bevormundung gehen, sondern um Unterstützung." Seine Hoffnung: "Schon die Rückmeldung kann zu einer positiven Verhaltensänderung beitragen."

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