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Smart:Großes kleines Sorgenkind

Smart in China

Klein und wendig, dafür steht der Smart, für den hier bei einer Automesse in Shanghai geworben wird. Daimler bringt er vor allem Verluste.

(Foto: Wu Hong/dpa)

Der Autobauer Daimler hat ein Problem mit seiner Tochter Smart. Sie verursacht seit Jahren Verluste. Der Konzern hat zwei Optionen: entweder den Kleinwagen sterben lassen oder ihn an Großaktionär Geely abstoßen.

Erst im Oktober haben sie seinen 20. Geburtstag gefeiert und ihm zur Party ein ultramodernes Outfit verpasst. Der Smart glänzte in metallic-weiß mit knallgrünen Streifen vor sich hin auf dem Pariser Autosalon, präsentiert mit besonders hübschem Marketingsprech: "Es ist kompromisslos offen und schert sich um keine Konvention", bewarb der Autobauer Daimler sein neuestes Showcar aus dem Kleinstwagen-Segment. Sie nennen das Oben-ohne-Modell ohne Dach "Smart forease". Das heißt so viel wie "Schlau und leicht". Doch die Wahrheit ist viel schwerer und weniger luftig: Der Smart mag inzwischen zwar erwachsen sein, aber er ist und bleibt das große Sorgenkind.

Außer Ärger und Kosten hat er nichts gebracht. Gut möglich, dass der künftige Daimler-Chef Ola Källenius den Smart bald aussortiert und ihm ein Auf Nimmerwiedersehen hinterherruft. Bislang genießt der kleine Flitzer noch Welpenschutz, denn Noch-Boss Dieter Zetsche hält seine schützende Hand über ihn. Aber wenn im Mai der Schwede die Macht übernimmt, kann es mit dem Smart schnell vorbei sein. Zwei Optionen gibt es: Entweder der Smart muss sterben oder er findet beim ebenfalls nicht sehr beliebten Familienmitglied Geely ein neues Zuhause.

Nach einem Bericht der Financial Times verhandelt Daimler derzeit mit dem chinesischen Autohersteller über einen Verkauf von 50 Prozent der Smart-Anteile. Noch vor der Auto-Show in Shanghai soll der Deal besiegelt sein. Sollte das nicht klappen, könnte Daimler kurzen Prozess machen und das Kapitel Smart einfach beenden. Dies würde gut passen zu den derzeit laufenden Gesprächen mit den Kollegen von BMW über eine gemeinsame Plattform für Kleinwagen. Den teuren Nervtöter abstoßen und mit vereinten Kräften ein viel sparsameres und schlaueres neues Nesthäkchen großziehen? Das ist der einzige sinnvolle Weg, sagt Auto-Analyst Arndt Ellinghorst von Evercore ISI: "Daimler sollte auf den Luxus verzichten, weiter wertvolles Geld zu verlieren, das man woanders dringend braucht." Ellinghorst zufolge verursacht der Smart pro Jahr zwischen 500 und 700 Millionen Euro Verlust. In keinem einzigen Jahr habe Daimler mehr als 150 000 Smarts verkauft. Angestrebt waren einst 200 000 Stück. Zum Vergleich: BMW hat 2018 dreimal mehr Minis abgesetzt. Daimler selbst gibt keine Ergebnisse zum Smart bekannt. Aber klar ist: Da die Marge bei Kleinwagen sehr klein ist, rechnet sich der Smart einfach nicht.

Das Licht der Welt erblickte der 2,70 Meter kurze Zwerg mit seinen zwei Sitzen anno 1998. Sein stolzer Vater war Nicolas Hayek, der Gründer des Schweizer Uhrenherstellers Swatch. Doch dann gab es Streit im Elternhaus. Hayek wollte ein Elektroauto bauen, aber da spielte seine mächtige Partnerin nicht mit. Es kam zur Scheidung, Daimler machte alleine weiter. Die Werbefilmchen kamen gut an und zahlten auf das Image der Marke Mercedes ein. Doch der Winzling passt vielleicht quer in eine Parklücke, aber nicht wirklich zum Rest der noblen und PS-starken Familie.

Von 2020 an will Daimler den Smart nur noch elektrisch verkaufen. Ob ihn das noch retten kann? Manche bezeichnen den Smart als Altlast von Daimler-Boss Zetsche, die sein Nachfolger Källenius schleunigst entsorgen muss. Schließlich wird er unter wachsendem Spardruck stehen angesichts einbrechender Gewinne und großer Kosten für den Wandel in der Autoindustrie. Ein dauerhafter Verlustbringer passt da nicht ins Portfolio, auch wenn er noch so gut fürs Image ist. Zudem steht der 1,95-Meter-Hüne Källenius nicht auf Zwerge. Das darf man sagen, schließlich war er einst Chef der Mercedes-Turbotochter AMG.

Große Motoren, große Margen, das ist eher Källenius' Welt. Was tun also mit diesem Smart? Hier kommt nun Li Shufu ins Spiel. Der chinesische Milliardär hatte vor einem Jahr aus dem Nichts 9,7 Prozent der Daimler-Aktien gekauft. Nun könnte sich der ungebetene und ungeliebte neue Hauptaktionär als nützlich erweisen: Er könnte Teile von Smart übernehmen und durch Synergieeffekte in seinem Konzern auf den rechten Weg zurückführen. Zu Li Shufus Auto-Konglomerat gehören bereits Volvo, Lotus, der britische Taxibauer LEBV und weitere asiatische Marken. "Geely ist eine gute Lösung", sagt Analyst Ellinghorst, "einen Käufer zu finden ist besser als das Geschäft einzustellen." Die Börse sieht das ähnlich, die Hoffnung auf einen Verkauf ließ den Daimler-Kurs am Mittwoch um mehr als zwei Prozent steigen.

Der Konzern äußert sich zum möglichen Deal nicht. Immerhin hatte Daimler-Chef Zetsche zuletzt bestätigt, dass es Gespräche mit Geely über mögliche Kooperationen gebe. Wer weiß, vielleicht lebt das Sorgenkind im neuen Elternhaus sogar auf und wird doch noch zum Musterknaben.