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Skandal um Yukos:"PriceWaterhouseCoopers verrät seine Kunden"

Die russische Justiz hat die Ölfirma Yukos zerschlagen - offiziell wegen Betrug und Steuerhinterziehung. Dabei bescheinigten renommierte Wirtschaftsprüfer den früheren Managern einwandfreie Buchführung. Bis jetzt.

Daniel Brössler

So heftig die Angriffe auch waren, so schwer die Vorwürfe auch wogen: Die früheren Manager des Yukos-Konzerns konnten sich stets auf die Berichte der großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) stützen.

Während Russlands Justiz die Ölfirma Yukos und vor allem seinen zu achtjähriger Lagerhaft verurteilten Chef Michail Chodorkowskij als Betrüger und Steuerhinterzieher darstellte, verwies das Unternehmen stets auf die Berichte der PwC-Rechnungsprüfer, die einwandfreie Buchführung bescheinigen.

Damit ist es nun vorbei. In Briefen an die Mitglieder des Yukos-Vorstandes teilte die russische PwC-Filiale mit, dass sie alle Rechnungsprüfungsberichte der Jahre 1995 bis 2004 zurückziehe.

Die Entscheidung sei gefallen, nachdem man Kenntnis von neuen Informationen erhalten habe, "welche, hätten sie vorgelegen, die Prüfberichte hätten beeinflussen können'', teilte PwC in einer dürren Presseerklärung mit. Die Mitteilungen des früheren Yukos-Managements seien möglicherweise nicht richtig gewesen.

Kam der Sinneswandel unter Druck zustande?

Ob wirklich neue Informationen den Sinneswandel bewirkt haben, bezweifelt zum Beispiel der wissenschaftliche Leiter der Moskauer Wirtschaftshochschule, Jewgenij Jassin. PwC habe "unter Druck staatlicher Strukturen in Russland'' gehandelt, sagte er am Montag dem Sender Echo Moskwy.

Der Druck auf die Firma war in jüngster Zeit tatsächlich erheblich. So sah sich PwC in Russland selbst einem Verfahren wegen Steuerhinterziehung ausgesetzt. PwC verlor in drei Instanzen und musste 290 Millionen Rubel (8,3 Millionen Euro) nachzahlen.

Außerdem muss sich PwC wegen angeblicher Beihilfe zur Steuerhinterziehung durch Yukos verantworten. Für den 18. Juli ist in diesem Fall ein Berufungsverfahren angesetzt.

Wissenschaftler Jassin hält es für offensichtlich, dass PwC sich mit der russischen Regierung geeinigt habe. Für den Beweis hält er, dass die Buchprüfer nach wie vor Aufträge von Gazprom und der Sberbank erhielten, beides Konzerne unter staatlicher Kontrolle.

"PwC hat sich von seinem guten Ruf verabschiedet'', meint auch der Wirtschaftsexperte Michail Deljagin: "PricewaterhouseCoopers verrät seine Kunden.''

Das Unternehmen selbst bekennt sich in seinem Verhaltenskodex freilich zur Unabhängigkeit und zum Schutz der Interessen seiner Auftraggeber. Das im Internet abrufbare Dokument enthält auch zehn Fragen, die sich jeder Mitarbeiter vor einer Entscheidung stellen sollte. Die zehnte lautet: "Kannst Du nachts schlafen?''

© SZ vom 26.06.2007
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