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Skandal um US-Großbank:JPMorgan hat weitere Milliarde verzockt

Ein Desaster für JPMorgan: Nachdem die amerikanische Großbank einen Spekulationsverlust von zwei Milliarden Dollar eingestanden hat, ist in Presseberichten von einer weiteren Milliarde die Rede. Präsident Obama will das Zocken nun stoppen und an der Wall Street strenge Regeln durchsetzen - nicht nur für JPMorgan.

Die Spekulationsverluste bei JPMorgan sind einem Bericht zufolge innerhalb einer Woche um mindestens eine weitere Milliarde Dollar gestiegen. Das Minus aus Wetten auf den Kreditmarkt sei seit der Bekanntgabe am vergangenen Donnerstag um mindestens 50 Prozent gestiegen, da Hedgefonds und Spekulanten die Notlage der Bank ausgenutzt hätten, berichtete das in Finanzfragen meist sehr gut informierte Blog Dealbook, das zur New York Times gehört, unter Berufung auf mit den Geschäften vertraute Personen. Eine Sprecherin der Bank habe die Informationen nicht kommentiert.

JPMorgan-Chef Jamie Dimon hatte zwar bereits vor einer Woche eingeräumt, dass sich die Verluste aus den Geschäften in den kommenden Quartalen verdoppeln und in den kommenden Wochen stark schwanken könnten. Die Geschwindigkeit komme jetzt aber überraschend, hieß es weiter in dem Bericht vom Donnerstag.

JPMorgan habe das große Problem, dass jetzt alle Marktteilnehmer von den Geschäften wüssten und sich viele stark gegen die Positionen der Großbank stellten. US-Finanzaufsichtsbehörden sowie die Bundespolizei FBI schauen sich bereits die verlustreichen Geschäfte von JPMorgan an, wobei noch vollkommen unklar ist, ob die Bank gegen Gesetze verstoßen hat.

Der Milliardenverlust hat überdies in Washington den Unterstützern der sogenannten "Volcker Rule" Auftrieb gegeben, die den US-Banken und Instituten mit US-Töchtern verbieten würde, mit eigenem Geld zu zocken. JPMorgan-Chef Dimon ist einer der größten Gegner der Regel. Sie soll zum 21. Juli in Kraft treten, derzeit wird noch an der Regelung gefeilt. Die nach dem ehemaligen US-Notenbankchef Paul Volcker benannte Regel soll verhindern, dass die Geldhäuser wie vor der Finanzkrise massiv Risiken anhäufen und wieder mit Steuergeldern gerettet werden müssen.

Nach Dealbook-Informationen untersucht auch die US-Notenbank die Geschäfte der Großbank sowie die seit einer Woche aufgelaufenen zusätzlichen Verluste intensiv. Dabei werde vor allem geprüft, ob die Risiken für ein von der Fed beaufsichtigtes Institut angemessen und erlaubt waren.

US-Präsident Barack Obama dringt nach dem milliardenschweren Spekulationsverlust bei JPMorgan auf eine strenge Umsetzung der neuen Bankenregulierung. Wie das Wall Street Journal berichtet, habe das Präsidialamt den Druck in Gesprächen mit dem Finanzministerium erhöht. Es ist das erste Anzeichen, dass die Politik Konsequenzen aus dem spektakulären Vorfall zieht.

Für Obama belegt der Vorfall bei JPMorgan die Notwendigkeit der Wall-Street-Reformen. Eine schwächere, weniger profitable Bank hätte dieselben Wetten abschließen und die Regierung so zu einem Eingreifen zwingen können, erklärte er. Händlern zufolge könnten auf JPMorgan im Laufe des Jahres noch weiteren Verluste aus dem Geschäft zukommen. Noch habe sich die Bank nicht von allen Positionen getrennt und bleibe somit anfällig für Preisschwankungen.

© Süddeutsche.de/dpa/Reuters/infu

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