Sixt und  BMW:Kräftemessen auf bayerisch

Zwischen dem Autovermieter Sixt und BMW knirscht es. Denn der Autohersteller will die gemeinsame Carsharingfirma Drive now offenbar mit Daimlers Car2go fusionieren - ohne Sixt.

Von Michael Kuntz

"Es ist kurios", sagt Erich Sixt, der Autovermieter, über sein aktuelles Verhältnis zum Autokonzern BMW. Sixt wird dem Autohersteller in diesem Jahr 20 000 Fahrzeuge abnehmen, vielleicht werden es auch 25 000 BMW und Mini. Der bayerische Mittelständler Sixt ist aber nicht nur Großkunde beim bayerischen Autokonzern, sondern auch sein Partner bei Drive now. In sechs Jahren etablierten die beiden ihre Gemeinschaftsfirma zum erfolgreichsten Carsharing-Anbieter im Freefloating-System, also ohne feste Parkplätze, zu denen die Autos zurückzubringen sind.

Geraume Zeit schon scheint es zwischen den Drive-now-Partnern BMW und Sixt nicht mehr so harmonisch zuzugehen wie ehedem. Seit Mitte vorigen Jahres mehren sich von offenbar interessierten Kreisen lancierte Gerüchte, BMW wolle Drive now mit dem Konkurrenten Car2Go von Daimler fusionieren - aber ohne Sixt.

Es geht zu wie beim Fingerhakeln. Bei der Bilanzpressekonferenz an diesem Mittwoch sprach Erich Sixt von einer "nahezu komödienreifen Situation". Man höre bei Sixt von Journalisten, was BMW möglicherweise mit Drive now vorhat. An dem Carsharing-Unternehmen sind BMW und Sixt zu jeweils der Hälfte beteiligt. BMW habe bisher Sixt aber nicht erklärt, "dass sie uns Anteile abkaufen wollen".

Erich Sixt wurde deutlich: "Wenn BMW sich trennen will, dann müssen sie sich an uns wenden und ein Kaufangebot machen. Alles andere wäre ein Vertragsbruch. So etwas traue ich BMW nicht zu." Sollte BMW künftig beim Carsharing tatsächlich mit Daimler zusammenarbeiten wollen und sich von Sixt als Partner trennen, könnte das teuer werden. Denn der Firmenwert von Drive now ist von Warburg-Analysten auf 340 Millionen Euro geschätzt worden. Das ist ein paar Jahre her, und der heutige Wert dürfte erheblich höher sein.

"Car2Go macht nach unserem Kenntnisstand unvorstellbare Verluste."

Trotz allem: Bei Drive now sei die Geschäftssituation normal, in Deutschland mache das Unternehmen Gewinn. Auch im europäischen Ausland laufe das Carsharing erfolgreich, nur London sei noch ein schwieriges Pflaster. Ein Zusammengehen von Drive now mit Car2Go findet Sixt nicht sinnvoll: "Car2Go macht nach unserem Kenntnisstand unvorstellbare Verluste." Eine Fusion? "Was soll das?" BMW stellt bei Drive now die Fahrzeuge, Software und Infrastruktur kommen von Sixt. "Wir könnten Carsharing auch allein betreiben."

Sixt ist nicht nur mit Drive now erfolgreich. Der Mobilitätskonzern steigerte im vorigen Jahr sein Ergebnis um 17,9 Prozent auf 218,3 Millionen Euro. Beim Umsatz legte Sixt 10,7 Prozent zu auf 2,4 Milliarden Euro. Als Dividende werden 1,65 Euro je Stammaktie und 1,67 Euro je Vorzugsaktie vorgeschlagen. Die Familie Sixt hält etwa 60 Prozent der Stammaktien.

Bei einem Marktanteil von 34 Prozent in Deutschland wächst Sixt vor allem im Ausland, wo etwa die Hälfte des Geschäftes stattfindet. Größter Auslandsmarkt sind die USA mit 58 Stationen. Der Sixt-Standort Miami ist mit 2500 Fahrzeugen neuerdings sogar größer als München.

In Deutschland soll ein neues Angebot für Firmenkunden Wachstum bringen: Mitarbeiter erhalten statt Dienstwagen Guthaben für Sixt-Angebote. Versprochen werden Vorteile für alle: Weniger Aufwand für Arbeitgeber und weniger Steuern für Arbeitnehmer.

© SZ vom 16.03.2017
Zur SZ-Startseite
Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB