Der Autovermieter Sixt will seinen Bestand an E-Fahrzeugen noch weiter abbauen. Zwei Gründe nennt das Unternehmen: Zum einen hätten die Kunden ein stärkeres Interesse an Fahrzeugen mit herkömmlichen Antriebsarten gezeigt. Zum anderen seien die Gebrauchtwagenpreise für E-Autos im Laufe des vergangenen Jahres um mehr als 20 Prozent gesunken. Das wirkt sich negativ auf die Geschäftszahlen von Sixt aus. Denn die sinkenden Erlöse für den vorgezogenen Verkauf elektrischer Fahrzeuge mit Restwertrisiko führen zu erhöhten Abschreibungen. Dies habe das Ergebnis 2023 mit etwa 40 Millionen Euro belastet.
Das Pullacher Unternehmen möchte nach eigenen Angaben weiterhin E-Fahrzeuge anbieten, dies hänge jedoch von der Nachfrage ab. "Die geringere Nachfrage im Vergleich zu Verbrennern resultierte nach Einschätzung von Sixt in entgangenen Umsätzen in substanzieller Höhe." Bisher hatte Sixt das Ziel, 2030 europaweit einen Elektroanteil in seiner Flotte von 70 bis 80 Prozent zu erreichen. Ob dieses Ziel kassiert wird, dazu äußert sich das Unternehmen bisher nicht. Sixt hatte erst am Dienstag angekündigt, in seiner App Zugang zu europaweit Hunderttausenden Ladepunkten anzubieten. Im November war bekannt geworden, dass Sixt die Zahl seiner Tesla-Fahrzeuge wegen hoher Reparaturkosten und niedriger Wiederverkaufswerte reduzieren wolle. Rivale Hertz hatte im Januar angekündigt, sich wegen hoher Kosten von 20 000 Elektroautos zu trennen.
Trotz eines Rekordumsatzes hat Sixt wegen der sinkenden Restwerte bei den E-Autos im vergangenen Jahr einen Gewinnrückgang verbucht. Der Vorsteuergewinn sei 2023 um 15,6 Prozent auf 464,3 Millionen Euro geschrumpft, teilte das Unternehmen auf Basis vorläufiger Zahlen mit. Der Konzernumsatz kletterte um 18 Prozent auf einen Rekordwert von 3,62 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) erreichte mit 1,33 (2022: 1,14) Milliarden Euro ebenfalls einen Bestwert. Die Aktionäre müssen sich mit einer geschrumpften Dividende zufriedengeben: Sie sollen 3,90 Euro je Stammaktie und 3,92 Euro je Vorzugsaktie erhalten. Im Vorjahr hatte die Dividende noch bei 4,11 Euro je Stammaktie gelegen.
Für den Jahresauftakt erwartet Sixt einen Verlust, der Gewinn vor Steuern (Ebt) werde im ersten Quartal bei minus 15 bis minus 28 Millionen Euro liegen. Im Vorjahr stand noch ein Gewinn von 33,3 Millionen Euro in den Büchern. Für das Geschäftsjahr 2024 rechne der Vorstand mit einem Vorsteuergewinn zwischen 400 und 520 Millionen Euro und damit im Mittel etwa auf dem Niveau des Vorjahres von 464 Millionen Euro. Angesichts einer hohen erwarteten Nachfrage und der weiter fortgesetzten internationalen Expansion geht Sixt von einem deutlichen Umsatzwachstum aus.

