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Sprachassistenten:Siri, hol schon mal den Wagen!

gfu: Trend Künstliche Intelligenz bei Unterhaltungselektronik

Bisher sprechen in Deutschland noch wenige Menschen mit ihrem Handy.

(Foto: Daniel Reinhardt/dpa)
  • 26 Prozent der Deutschen nutzen mittlerweile einen Sprachassistenten wie Siri von Apple oder Alexa von Amazon.
  • Die Skepsis ist jedoch nach wie vor groß - und auch, wer mit den Maschinen redet, tut das im Schnitt nur ein Mal pro Woche.
  • Am gefragtesten sind simple Informationen: Wie wird das Wetter? Wie ging das Fußballspiel aus? Wo ist die nächste Tankstelle?

Es beginnt mit einem "Ok, Google" oder mit einem "Hey, Siri". Sobald die Sprachassistentin diese Anrede hört, ist sie empfänglich für Befehle: Sie kann die Nummer der Tante wählen, die nächste Pizzeria suchen, ein Taxi bestellen. Sie kann wecken, Musik spielen und Zeitungstexte vorlesen. Und das alles, ohne dass man dafür eine Tastatur oder einen Touchscreen berühren muss. Sprachassistenten wie Alexa von Amazon, Cortana von Microsoft oder Siri von Apple stecken in Lautsprechern, Laptops und Smartphones. Und sie werden immer schlauer: reden flüssiger und machen weniger Fehler als noch vor wenigen Jahren.

In Deutschland nutzen mittlerweile 26 Prozent der Menschen zumindest einen dieser künstlich intelligenten Gesprächspartner. Zu dem Ergebnis kommt das Wissenschaftliche Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste (WIK), das gut 3000 Menschen befragt hat. Die Quote scheint beachtlich, wenn man bedenkt, dass Siri, Alexa und ihre Kolleginnen "erst seit wenigen Jahren wirklich auf dem Massenmarkt angekommen" sind, wie die Forscher schreiben. Dennoch seien Sprachassistenten in Italien oder Spanien verbreiteter als hierzulande, ganz zu schweigen von China oder den USA.

Selbst jene 26 Prozent, die zuweilen mit den schlauen Lautsprechern kommunizieren, nutzen diese im Schnitt nur einmal pro Woche, so die Autoren. Am gefragtesten seien simple Informationen: Wie wird das Wetter? Wie ging das Fußballspiel aus? Wo ist die nächste Tankstelle?

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Der Sprachassistent von Amazon sammelt auch Daten von Personen, die nicht zugestimmt haben. Zudem sei unklar, wie der Konzern die Aufzeichnungen nutze. Nun hat sich Amazon geäußert.

Offenbar herrscht hierzulande eine gewisse Skepsis gegenüber Cortana und Co vor. So wolle die überwiegende Mehrheit der Befragten, die bislang nicht mit Sprachassistenten rede, auch im nächsten Jahr darauf verzichten, heißt es in der Studie. Denn derlei Gespräche liefen - trotz aller Fortschritte - noch längst nicht immer reibungslos. Und es gebe "ein gewisses Unbehagen und Misstrauen mit Blick auf den Datenschutz", so die Wissenschaftler: Viele der Befragten, die früher mal Sprachassistenten nutzten, doch mittlerweile wieder verzichten, verwiesen auf die "Angst, dass vertrauliche Daten erfasst und weitergeleitet werden" könnten.

Dennoch glauben die Autoren, dass Sprachassistenten auch hierzulande noch gefragter werden können. Denn auch als einst die ersten Smartphones auf den Markt kamen, nutzten fünf Jahre später nur um die 30 Prozent der Deutschen ein solches Gerät. Und heute? Sind die schlauen Telefone, die zugleich als Kamera und Wecker, Radio und Notizblock taugen, aus dem Alltag der meisten Menschen nicht mehr wegzudenken.

Und: "Der entscheidende Unterschied zwischen den beiden Technologien ist, dass die meisten Konsumenten in Deutschland keinen Cent zusätzlich ausgeben", schreiben die Autoren, "und nicht einmal eine zusätzliche App herunterladen müssen, um einen Sprachassistenten zu nutzen." Denn 85 Prozent der Befragten besitzen ohnehin ein Smartphone oder einen Laptop, auf dem Siri, Cortana oder eine ihrer Kolleginnen installiert sind und nur darauf warten, angesprochen zu werden.

Bei Sprachassistenten gehen Nutzer nicht fremd

Es muss also nicht immer der sogenannte Smart Speaker auf dem Couchtisch sein. Zumal diese angeblich schlauen Lautsprecher ja auch einigen Schaden anrichten können. Unvergessen etwa, als eine übermütige Alexa im vorigen Jahr das Privatgespräch eines amerikanischen Ehepaars aufzeichnete - und einem Mitarbeiter der Firma des verdutzten Ehemanns schickte. Amazon sprach daraufhin von einer unwahrscheinlichen Verkettung von Ereignissen. Die schockierte Ehefrau hingegen von einem "totalen Angriff auf die Privatsphäre".

Umso mehr plädieren die WIK-Forscher dafür, dass Behörden die Sprachassistenten sprichwörtlich im Auge behalten sollten. Denn die künstlich intelligenten Lautsprecher seien eine "direkte Kundenschnittstelle": Verbraucher können etwa Produkte über Alexa von Amazon bestellen - womöglich, ohne dass sie zuvor die Preise verglichen haben. Umso wichtiger sei, dass Sprachassistenten immer nur die Befehle von autorisierten Nutzern befolgten. Und Konsumenten "klar und verständlich" informieren, was mit deren Daten geschieht. Das WIK mit Sitz in Bad Honnef bei Bonn ist 1982 als Ideenschmiede des damaligen Bundespostministeriums entstanden und berät bis heute viele Telekommunikationsunternehmen.

Eine gute Nachricht hält die Studie dennoch für Siri, Cortana und Co bereit: Der Großteil der befragten Nutzer geht ihnen nie fremd. Nur 22 Prozent der Kunden reden demnach mit verschiedenen Sprachassistenten. Das ist auch verständlich. Man stelle sich nur die babylonische Verwirrung vor, die entstände, wenn gleich mehrere schlaue Lautsprecher gleichzeitig die Wettervorhersage fürs Wochenende ausposaunen würden - schlimmstenfalls mit unterschiedlichen Temperaturangaben.

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