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Simba Dickie:Eine große Familie

Original und Miniatur: Porsche 356 A Speedster von Schuco im Maßstab 1:43

Auch die Modellbaufirma Schuco gehört seit einigen Jahren zur Simba-Dickie-Gruppe.

(Foto: Peter Roggenthin)

Von Bobbycar bis Märklin - das Fürther Unternehmen wurde durch Zukäufe der größte deutsche Spielwarenhersteller. Nun muss Firmenchef Michael Sieber noch der Generationswechsel gelingen.

Es ist kein großer Einkauf, den Michael Sieber da verkündet. Das Unternehmen Zimpli Kids stellt Schokolade zum Malen und ein Zeug her, das Badewasser zu buntem Schleim versulzt. Kindern gefällt das und immerhin erwirtschaftete Zimpli Kids zuletzt fünf Millionen Euro Umsatz. Nun übernimmt Siebers Betrieb Simba Dickie zwei Drittel des britischen Spielwarenherstellers. "Wir erwarten starkes Wachstum über England hinaus", sagt Sieber. Das Wachstum von Zimpli Kids werde das globale Vertriebsnetz von Simba Dickie fördern. Und überhaupt sei die Zeit der Zurückhaltung bei Deutschlands größtem Spielwarenhersteller nun wieder vorbei.

"In den letzten drei Jahren war für uns wichtig, dass hinten die Null steht", sagt Sieber in der Diktion der Fußballer. In dieser Zeit habe sich das Fürther Unternehmen stabilisiert, umorganisiert und strategisch neu ausgerichtet. Ab sofort wolle Simba Dickie aber "wieder Tore schießen", so Sieber. Soll heißen: auf Einkaufstour gehen. Zwar gehe es ihm nicht darum, "Umsatz um des Wachstums willen zu kaufen", sagt der Unternehmer. Aber größer und profitabler zu werden sei nicht schlecht angesichts des in Teilen volatilen Geschäftsmodells. Simba Dickie erzielt hohe Umsätze mit Lizenzprodukten aus erfolgreichen Filmen. "Läuft da mal eine attraktive Lizenz aus, sind auch gleich 30 Millionen Umsatz weg", sagt Sieber.

In den vergangenen 35 Jahren haben er und seine Familie eine Spielwarenmarke nach der anderen im In- und Ausland eingesammelt, vom Bobbycar-Hersteller Big über die Holzspielzeugfirma Eichhorn und die Modellbau-Ikone Schuco bis hin zur französischen Smoby. Nicht wenige davon steckten in wirtschaftlichen Schwierigkeiten und die Siebers bekamen sie wieder flott. Wie Märklin, das seit 2013 samt den Marken Trix und LGB zur Familie gehört. Die Modelleisenbahnfirma wurde allerdings nicht Teil der Simba Dickie Gruppe, sie läuft nebenher. Zusammen beschäftigen beide Firmen etwa 4200 Menschen.

"Eine Integration in Simba Dickie würde uns kaum Synergien bringen", erklärt Märklin-Chef Florian Sieber. Zu unterschiedlich sei das vorwiegend auf Erwachsene ausgerichtete Modelleisenbahngeschäft der Göppinger Traditionsmarke im Vergleich zu dem der Simba-Dickie-Marken, deren Zielgruppe vor allem Kinder sind. Das Märklin-Geschäft läuft auch ohne die Hilfe der großen Schwester. 97 Millionen Euro Umsatz meldet Märklin für das abgelaufene Geschäftsjahr, ein Plus von einer Million. Trotz hoher Investitionen in die Produktion arbeitet das von den Siebers 2013 aus der Insolvenz heraus übernommene Unternehmen profitabel. "Wir haben mit Märklin von Anfang an immer schwarze Zahlen geschrieben", sagt Florian Sieber.

Er läuft sich bei Märklin für höhere Aufgaben warm, denn in einigen Jahren wird er als Nachfolger seines Vaters Michael, 60, auch Chef der Simba Dickie Gruppe. Obgleich selbst noch mit Eifer und Spaß im Geschäft, ist Patriarch Michael Sieber, dem allerdings patriarchalische Attitüden fremd sind, schon länger dabei, den Übergang zu gestalten. Seine beiden Söhne, die Tochter und die Neffen sind bereits in verantwortlichen Positionen im Unternehmen aktiv "und entwickeln sich alle ganz wunderbar", sagt der Senior.

In Planung ist eine eigene Zeichentrick-Serie für TV-Kinderkanäle

Dabei geht der sich abzeichnende Generationswechsel nicht zu Lasten des aktuellen Geschäfts. Selbst währungsbedingte Einbußen im zeitweise drittgrößten Absatzmarkt Russland, hohe Außenstände in arabischen und nordafrikanischen Tochtergesellschaften sowie "einige selbstgemachte Probleme und Überheblichkeit" (Sieber) haben Simba Dickie nicht wirklich erschüttert. 2016 erwirtschaftete die Firmengruppe 640 Millionen Euro Umsatz, vier Prozent mehr als im Jahr zuvor. Finanzchef Manfred Duschl spricht von einem "sehr positiven Ergebnis". Über Gewinne lässt Simba Dickie nichts Konkretes verlauten. "Die Ertragssituation der Gruppe ist solide, stabil und sehr gut", sagt Duschl.

Allerdings braucht das Geschäft auch neue Impulse. Vor einem Jahr kündigte Michael Sieber an, dem bisweilen teuren Lizenzgeschäft mit den Filmen und Figuren von Disney, Warner oder anderen Unterhaltungskonzernen Eigenes entgegenzusetzen. Simba Dickie plant dazu eine eigene Zeichentrick-Serie mit selbst geschaffenen Hauptfiguren. Die Vorgespräche sind weit gediehen; ein Konzept und erste Scripts für eine auf 26 Folgen konzipierte Serie liegen vor. In den kommenden Monaten soll ein Trailer produziert werden, mit dem Simba Dickie dann in konkrete Verhandlungen mit den TV-Kinderkanälen eintreten will. Ausgestrahlt werden könnte die Serie womöglich bereits 2018, hofft Sieber. Die Produktionskosten werden vermutlich im höheren einstelligen Millionenbereich liegen.

Daneben plant das Fürther Unternehmen eine Kooperation mit dem Europa Park in Rust. Wer dort Achterbahn fährt, soll dies in Zukunft mit einer speziellen Animationsbrille tun, abgestimmt auf die Rennautos der Simba-Dickie-Marke Majorette. "Es gibt 5000 Freizeitparks weltweit", sagt Sieber. "Wenn das funktioniert, steckt viel Potenzial in dieser Geschichte."

Von solchen Neuerungen ist man bei Märklin weit entfernt. Dennoch glaubt Florian Sieber, "dass wir die Trendwende geschafft haben", auch wenn das Geschäft mit Modelleisenbahnen "sicher keine boomende Wachstumsbranche ist." Derzeit nimmt man von Göppingen aus "die Schläfer" ins Visier, wie die Siebers sie nennen. Von denen soll es zweieinhalb Millionen hierzulande geben. Gemeint sind Männer mittleren und gehobenen Alters, die als Jungs mit Modelleisenbahnen spielten und ihre Anlagen nun verpackt im Keller oder auf dem Speicher stehen haben. Märklin will sie motivieren, die alten Anlagen hervorzukramen und zu modernisieren.

Idealerweise sind die Schläfer auch noch Opas, "über die wir die Enkel erreichen können", sagt Florian Sieber. Denn Großväter, so sein Kalkül, hätten das notwendige Kleingeld, häufig auch die Zeit, und vor allem die Begeisterung, um bei den Enkeln Spaß an der Lok zu wecken. Der direkte Weg in die Kinderzimmer ist für die Modelleisenbahner nämlich nach wie vor mühsam; nur etwa zehn Prozent des Umsatzes erwirtschaftet Märklin mit Einsteigersets für Kinder.