Süddeutsche Zeitung

Medienunternehmen:Berlusconi steigt bei Pro Sieben Sat 1 ein

  • Das Unternehmen Mediaset übernimmt fast zehn Prozent von Pro Sieben Sat 1 und wird damit größter Anteilseigner der Münchner Senderkette.
  • Mediaset wird vom ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi und seiner Familie kontrolliert.
  • Bei Pro Sieben Sat 1 kriselt es schon länger, bisher hatte der Konzern Übernahmegerüchte aber stets dementiert.

Die Attacke aus Mailand kam für einige in Unterföhring überraschend: Der italienische Fernsehkonzern Mediaset, der vom umstrittenen ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi und seiner Familie kontrolliert wird, greift nach Pro Sieben Sat 1. Die Italiener haben ein Aktienpaket von 9,6 Prozent an dem kriselnden deutschen Fernsehunternehmen gekauft. Das Aktienpaket, mit dem Mediaset zum größten Anteilseigner der deutschen Senderkette aufsteigt, war zum Schlusskurs vom Dienstag rund 330 Millionen Euro wert. In Branchen- und Finanzkreisen heißt es, der Einstieg sei noch nicht der letzte Schritt, auch wenn die Italiener nicht kurzfristig weiter aufstocken würden.

Die Reaktion der Deutschen fiel kühl aus. "Wir begrüßen das Investment von Mediaset und werten es als Vertrauensbeweis für unsere Strategie und das Team", ließ Max Conze, der Vorstandsvorsitzende von Pro Sieben Sat 1, mitteilen. Berlusconis Sohn Pier Silvio, der Mediaset seit 18 Jahren führt, betonte die freundlichen Absichten und seine Wertschätzung für die Pro-Sieben-Sat-1-Führung. Der Mediaset-Chef erklärte, der Einstieg sei "eine langfristige Entscheidung, die darauf abzielt, mit einer zunehmend internationalen Ausrichtung Werte zu schaffen". Erst im April sprach er von einer "europäischen Fernseh-Allianz", für die Mediaset der "Motor" sein wolle.

Vor diesem Hintergrund dürfte sich das Management von Pro Sieben Sat 1 durchaus Sorgen um seine künftige Unabhängigkeit machen. Conze lehnte zuletzt eine Übernahme immer wieder ab. Zuvor schon gab es Spekulationen über ein mögliches Interesse von Mediaset, doch das wurde bei Pro Sieben Sat 1 stets deutlich zurückgewiesen. Auch der amerikanische Konzern Discovery wurde als möglicher Partner gehandelt. In dessen New Yorker Zentrale ist der ehemalige Finanzvorstand von Pro Sieben Sat 1, Gunnar Wiedenfels, inzwischen in gleicher Funktion tätig.

Die Aktie von Pro Sieben Sat 1 hat zuletzt deutlich an Wert verloren, das Unternehmen musste auch den Dax-30 verlassen. Zu schaffen machen die unsichere Werbekonjunktur und die starke Konkurrenz durch Streamingdienste wie Netflix, Amazon Prime oder demnächst auch Disney. Gerade jüngere Zuschauer, eine wichtige Zielgruppe für Pro Sieben Sat 1, wenden sich vom sogenannten linearen Fernsehen ab und schauen lieber was, wie und wo sie es wollen. Ausnahmen sind derzeit noch Shows wie "Germany's Next Topmodel".

Enge Zusammenarbeit mit dem US-Konzern Discovery

Konzernchef Conze arbeitet zusammen mit Discovery an einer eigenen Online-Plattform, die mittelfristig auf rund zehn Millionen Kunden kommen soll. Zudem hat Pro Sieben Sat 1 unter Conzes Vorgänger Thomas Ebeling die Aktivitäten im Internetgeschäft ausgebaut und etwa die Vergleichsplattform Verivox oder die Partnerbörse Parship-Elite erworben. Gleichzeitig geht die Attraktivität der Sender zurück, dazu gehören unter anderem Pro Sieben, Sat 1, Kabel 1 oder Sixx. Nach der Meldung über den Einstieg von Mediaset legte die Pro-Sieben-Sat-1-Aktie zu. Pro Sieben Sat 1 ist neben der RTL-Gruppe, die mehrheitlich zum Bertelsmann-Konzern gehört, die größte deutsche Privatsender-Gruppe.

Es ist nicht das erste Mal, dass Berlusconi und Mediaset, die größte TV-Kette in Italien und Spanien, Interesse an einem Einstieg in Deutschland haben. Schon zu Zeiten des Medienunternehmers Leo Kirch vor knapp 20 Jahren gab es immer wieder Kontakte. Wirklich willkommen waren Berlusconi und seine Leute in München aber noch nie.

Bestens informiert mit SZ Plus – 14 Tage kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.4467737
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ.de/vd/fued
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.