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Siltronic-Übernahme:Das Feilschen beginnt

Siltronic stellt hochmoderne, kleine Siliziumscheiben her, sogenannte Wafer, auf denen dann die Mikrochips entstehen.

(Foto: oh)

Global Wafers stockt sein Angebot für den Chip-Zulieferer um 450 Millionen Euro auf - ob das reicht?

Von Thomas Fromm

Wenn ein Unternehmen wie der taiwanesische Chip-Zulieferer Global Wafers seinen kleineren Münchner Konkurrenten Siltronic übernehmen will, dann hilft es schon mal, wenn sich die Chefs einig sind. Siltronic-Chef Christoph von Plotho findet die Idee gut, Global-Wafers-Chefin Doris Hsu sowieso. Beide glauben, dass sie - die Nummern drei und vier der Branche - durch die Übernahme auf diesem hart umkämpften Markt aufsteigen können. Nummer zwei der Branche nach Umsatz werden, das ist das Ziel. Die Asiaten waren anfangs der Meinung, dass sich dies mit einem Angebot von 125 Euro für jede Siltronic-Aktie ganz gut erreichen lässt. "Ich glaube, dass unser Angebot sehr gut und für die Investoren attraktiv ist", sagt Doris Hsu vor einigen Wochen.

Ein ziemlicher Irrtum, wie sich jetzt herausstellt. Seit Wochen liegen die im Nebenwerteindex M-Dax notierten Papiere über den 125 Euro, die Doris Hsu bietet. Da hilft es auch nichts, wenn Siltronic-Großaktionär Wacker Chemie seine 30,8-Prozent-Beteiligung gerne für etwa 1,2 Milliarden Euro an Global Wafers verkauft - man braucht für den großen Wurf eben auch die vielen kleineren Aktionäre, um sich die Bayern einverleiben zu können. Am Freitag dann stockten die Taiwaner - notgedrungen - ihr Angebot um zwölf Prozent auf 140 Euro auf.

Global Wafers bietet nun insgesamt 4,2 Milliarden Euro für Siltronic, das sind immerhin 450 Millionen Euro mehr als bisher. Gelöst haben sie das Problem damit allerdings noch nicht, denn prompt stiegen die Aktien von Siltronic an der Frankfurter Börse weiter - zum Handelsschluss am Freitag lagen sie bei 145,2 Euro.

So ist das an der Börse: Sobald mehr Geld geboten wird, regt das die Fantasie an und führt dazu, dass das neueste Angebot schnell schon wieder alt aussieht.

Aber das passiert eben meistens, wenn Unternehmen andere Unternehmen aufkaufen. Über die Logik des Deals wird dann kaum noch gesprochen, stattdessen wird gefeilscht. Und selbst dafür bleibt nicht mehr allzu viel Zeit. Die Frist für die Annahme des Angebots läuft am kommenden Mittwoch nämlich aus. Und Global Wafers muss auf mindestens 65 Prozent der Anteile kommen, hat bisher aber nur 35 Prozent in der Hand. So bleibt das Rennen also erst einmal offen.

Die weltweit rund 4000 Siltronic-Mitarbeiter müssen noch ein paar Tage abwarten, bis sie erfahren, ob ihre Chefs künftig noch in München oder schon in Taiwan sitzen. Immerhin sollen Forschung und Entwicklung im Falle einer Übernahme in Deutschland bleiben, die Standorte im bayerischen Burghausen und im sächsischen Freiberg seien gesichert und betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2024 ausgeschlossen, heißt es.

© SZ vom 23.01.2021
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