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Silicon Valley:Rad und Tat

Hübsch anzusehen, aber nicht für alle da: Leihfahrräder auf dem Google-Campus in Montain View, Kalifornien.

(Foto: mauritius images)

Google und Facebook handeln sich Ärger mit ihren Leih-Fahrrädern ein, weil die Polizei die Nutzer streng kontrolliert - strenger als den Firmen lieb ist.

Man sollte meinen, es ist etwas Gutes, wenn ein Konzern Fahrräder für seine Mitarbeiter anschafft. Schließlich können so Tausende Autofahrten vermieden werden, auf dem Weg zum Mittagsessen, zum Geschäftstermin oder, bei sehr großen Unternehmen, auch zu einem anderen Firmengebäude. Das gilt umso mehr für die berühmten Tech-Konzerne im Silicon Valley, die mit ihren Zehntausenden Mitarbeitern ohnehin schon ihre Heimatstädte überfordern, die ja im Grunde bis heute Dörfer geblieben sind.

Und trotzdem machen sich Google und Facebook mit ihren Leihfahrrädern gerade ziemlich unbeliebt bei all jenen Einwohnern von Mountain View und Menlo Park, die nicht bei den Unternehmen arbeiten. Denn es häufen sich die Fälle, in denen die Polizei recht rigide kontrolliert, ob der Fahrer auf dem Firmenrad auch tatsächlich für Google oder Facebook arbeitet. Denn nur dann ist er laut der Aufschrift auf dem Rahmen dazu berechtigt, das Rad zu nutzen. Vor zwei Wochen berichtete eine Lokalpolitikerin in einer Ratsversammlung aufgebracht, sie habe beobachtet, wie mehrere Polizisten einen jungen Mann auf den Boden geworfen und mit Handschellen gefesselt haben. Und das, weil er sich unberechtigt ein Facebook-Fahrrad ausgeliehen habe.

Nicht nur die Politikerin fragt nun, ob es wirklich Aufgabe der Polizei sei, auf die Fahrräder der mächtigen Tech-Konzerne aufzupassen. Zumal die blauen Facebook- und die knallbunten Google-Räder in einem weiten Umkreis rund um deren Zentralen praktisch an jeder Straßenecke und an jedem Baum lehnen. Sie sind so allgegenwärtig, dass viele sie tatsächlich als Teil eines öffentlichen Leihfahrradsystems ansehen. Wohl kaum einer hat den Eindruck, den Firmen unrecht zu tun, wenn er sich auf eines ihrer Räder schwingt, zumal diese nicht durch ein Schloss gesichert sind. Im Internet, in Restaurants und auf Gemeindeversammlungen wird nun erregt diskutiert über die dienstfertigen Cops.

Der Polizeichef von Menlo Park verteidigt sich: Es sei nun einmal Diebstahl, mit einem Fahrrad zu fahren, das einem nicht gehöre. Die Räder von Facebook und Google seien leicht zu erkennen. Seine Mitarbeiter würden routinemäßig deren Nutzer nach ihrem Mitarbeiterausweis fragen. Wer keinen vorzeigen könne, werde festgehalten und das Fahrrad an seinen Besitzer zurückgegeben.

Ein weiterer Quell der Unruhe ist jedoch, dass die Polizei sich bei ihren Kontrollen offenbar vom Aussehen der Radfahrer leiten lässt: Bei Weißen oder Asiaten ist es wahrscheinlich, dass sie bei Google oder Facebook arbeiten. Schwarze oder Lateinamerikaner hingegen sind dieser Logik zufolge wahrscheinlich: Raddiebe.

Google und Facebook ist die ganze Sache wahnsinnig peinlich. Schließlich wollen sie als freundliche Arbeitgeber und als positive Mitglieder der Gemeinschaft wahrgenommen werden, nicht als kleinliche Wächter darüber, wer auf ihren Fahrrädern sitzt. Sie hätten die Polizei nie darum gebeten, Nutzer ihrer Fahrräder zu kontrollieren, teilten beide Unternehmen nun innerhalb weniger Tage mit. Dann lasse man das mit den Kontrollen eben in Zukunft, antwortete die Polizei.

Das Unbehagen vieler Einwohner des Silicon Valley gegenüber den großen Firmen in ihrer Stadt dürfte das allerdings kaum schmälern. Denn der Eindruck, dass sich Weltkonzerne mit ihrer Macht und ihrem Geld ganzer Kleinstädte bemächtigen, ist bei ihnen verbreitet. So hat Facebook etwa eine ganze Einheit bei der Polizei von Menlo Park finanziert. Die Konzerne beteiligen sich auch immer wieder an Infrastrukturmaßnahmen der Gemeinden.